Von Harald Mohr  |  13.07.2010  | Netzcode: 2408183  |  336 Mal gelesen.
Weiden

Auch Mitarbeiter gehören zur Familie

"100 Jahre Seltmann": Ausstellung im Stadtmuseum

Karl Voit, der ehemalige technische Leiter von
Karl Voit, der ehemalige technische Leiter von Seltmann, erklärt die Funktion eines Rundofens. Bild: Harald Mohr
Die Porzelliner sind eine große Familie. Mit „Lieber Vater, liebe Inge“, bedankte sich Juniorchef Christian Seltmann bei seinen Eltern bei der Eröffnung der Ausstellung „100 Jahre Seltmann“ im Stadtmuseum. Aber auch die Mitarbeiter gehören zur Familie: „Viele arbeiten schon ein ganzes Leben lang in unserem Familienbetrieb“, fuhr der Unternehmer fort, und fügte demütig hinzu: „Es ehrt uns, wenn sich auch deren Kinder wieder bei uns bewerben.“

Sogar die einheimische Konkurrenz gehört zur Familie im weiteren Sinne: „Wir haben viele ehrenhafte Mitbewerber verloren.“ Dafür kämen heute im Jahr 300 Millionen Porzellanteile aus China nach Deutschland. Die einzige Chance: auf Qualität setzen. „Die hängt nach wie vor von unseren Mitarbeitern ab“, weiß Christian Seltmann. Viele Produktionsschritte ließen sich nämlich nicht automatisieren. „Auch heute ist Handarbeit weiterhin gefragt.“
Christian Seltmann zeigt die vielen
Christian Seltmann zeigt die vielen Produktionsschritte, die sich nicht automatisieren lassen. Bild: Harald Mohr


Oberbürgermeister Kurt Seggewiß bedankte sich: „Die Familie ist dem Standort Weiden immer treu geblieben.“ Museumsleiterin Petra Vorsatz hat etwa ein Drittel ihrer Seltmann-Exponate aus dem Depot geholt. Mehr passte nicht in die Vitrinen. So manches seltene Stück habe sie sogar selbst finanziert: „Das machen die spinnerten Museumsleute so.“

Die im Jahr 1910 gegründete Porzellanfabrik Christian Seltmann war eine Ausgründung der Porzellanfabrik Vohenstrauß, die von den Brüdern Johann und Christian Seltmann betrieben wurde. Die Umwandlung in eine AG wollte Christian nicht mitmachen und gründete seine eigene Firma in Weiden. Das Porzellan wurde früher in kohlegefeuerten Rundöfen gebrannt. Fünf davon standen bis etwa 1950 in der Fabrik.
Das Geschirr "Feuersieg" konnte man auch auf die
Das Geschirr "Feuersieg" konnte man auch auf die offene Herdflamme stellen. Bild: Harald Mohr


Dann wurden sie durch Tunnelöfen ersetzt. Der große Unterschied: Der Fertigungsprozess geschieht kontinuierlich, das heißt, der Ofen muss nicht nach jeder Charge kalt gemacht, entleert und wieder neu angeschürt werden, was ungeheuer Energie spart. Zudem nutzt man seither Gas als Brennstoff. Ursprünglich kam es aus einer eigenen Kokerei, die Steinkohle zu Koks verschwelte, wobei auch das „Kokereigas“ erzeugt wurde. Ab etwa 1960 kam das Gas über eine Fernleitung aus der Kokerei der Amberger Luitpoldhütte, später, um 1970, erfolgte der Anschluss an das Erdgasnetz.
Hauchzart: hoch transluzentes Porzellan von
Hauchzart: hoch transluzentes Porzellan von Seltmann. Bild: Harald Mohr


Die Tunnelöfen brachten eine große Energieeinsparung und Erhöhung der Produktivität, wie sich Karl Voit, der ehemalige technische Leiter von Seltmann, erinnert. Heute erfolgt der Rohbrand in der im Jahr 1940 angekauften Porzellanfabrik in Erbendorf, in Weiden wird das Porzellan veredelt und fertiggestellt. Dazu kommt noch die im Jahr 1939 übernommene Fabrik in Krummennaab.

Mehr über die aktuelle Fabrikation zeigt eine weitere Ausstellung, die am 1. August im Foyer des Neuen Rathauses eröffnet wird.

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß bedankte sich bei
Oberbürgermeister Kurt Seggewiß bedankte sich bei der Familie Seltmann (vorne von links): Christian Seltmann jun., Christian Seltmann sen. und Inge Seltmann. Bild: Harald Mohr

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