01.07.2010
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So schön kann Fußball sein
Der Sepp brachte kein Wort mehr heraus. Seine Stimme versagte und der "roude Kare" war hundsmüde, als sich die Sonntagsspezln nach dem sensationellen 4:1-Sieg über England wieder trafen. "Des woar a Toch wöi as dem Bilderbüichl", betont der Toni auch etwas heiser. Schon am frühen Vormittag trafen sich die Spezln beim Bürgerfest. Lange vor dem Anstoß trafen sich alle wieder am Stammtisch. Die Aufregung stand jedem ins Gesicht geschrieben. Draußen hupten schon die Autos. "Wos etzat drin am Obern Morkt lous is", meinte der Schorsch. "Dou kröigst etzat koin Plotz mehr", entgegnete ihm der Luck. Der Toni schaute immer wieder nervös auf die Uhr: "Wose etz in die Köpf der Spüler o´spült?" Der Wirt winkte bloß ab. "Des san döi doch g'wehnt." "Gecha England is des ober wos anders", betonte der Schorsch. "Schau dir doch bloß amal döi englischen Zeitungen a. Döi machen doch jedesmal, wenn's gecha uns göiht, an Kröig dras!" Die anderen nickten. "Desweng möin ma's dene heit zeing. Also ich tipp af ein 3:1 für uns", so der Luck.
01.07.2010
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So schön kann Fußball sein
Dann ging's los. Wie kleine ABC-Schützen, die erstmals die Schulbank drücken, saßen die Spezln artig am runden Stammtisch. Dann nach 20 Minuten das 1:0 durch Miroslav Klose. Der Toni umarmte die Wirtin und drückte ihr ein dickes Bussi auf die Backe. Zwölf Minuten später das 2:0 durch Lukas Podolski. Die ersten Weizengläser fielen um und die Wirtin musste Lappen und Eimer holen. Kaum hatte sie alles aufgewischt, fiel der englische Anschlusstreffer zum 2:1. Dann das "Wembley-Tor", das deutlich hinter der Torlinie landete. "Richtich", schrie der Hans, als der Schiri den Treffer nicht gab, während die anderen kreidebleich in der Runde saßen. In der Pause gab der Wirt eine Runde Bärwurz aus: "Dasst´s eich wieder beruhigst. Etzat schöiß ma nu oins, dann mach ma zou und der Kas is gfressen!" Innerhalb von drei Minuten dann das 3:1 und das 4:1.
Als der Abpfiff kam, tanzten und jubelten die Sonntagsspezln wie kleine Kinder. "Dass i des nu erlem derf." Dem Schorsch standen Tränen in den Augen, der Sepp rief seine Frau an, die vor lauter Aufregung daheim den Fernseher nicht eingeschaltet hatte. Dann reihten sich in der Frauenrichter Straße die Autos laut hupend mit schwarz-rot-goldenen Fahnen aneinander. Hübsche Mädchen saßen auf den Motorhauben oder reckten sich aus dem Fenster, dass die Spezln schon Angst hatten, sie könnten rausfallen. Eine Sperrstunde für die Rentner und Pensionisten der Sonntagsrunde gab's diesmal nicht. Sie verfolgten noch den Sieg Argentiniens, den nächsten Gegner im Viertelfinale. "Döi hau ma in der Form a weg", lallte der Luck. (kf)