Von Bürgerreporter/in Maja Berendes  |  18.06.2010  | Netzcode: 2369996  |  166 Mal gelesen.Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Amberg

Wege aus der Gefahr?

Zur Aktualität Erich Fromms

Bild zu Wege aus der Gefahr?
Das Evangelische Bildungswerk veranstaltet am 22. Juni annlässlich des einen Vortrags- und Diskussionsabend über den Kulturkritiker und Psychoanalytiker Erich Fromm, der vor 110 Jahren geboren wurde.
Es scheint an allen Ecken und Enden zu knistern und zu brennen: Finanzkrise, Haushaltslöcher, Umweltzerstörung, Terror und Krieg, Verlegenheit der PolitikerInnen. Es gibt wohl kaum den Königsweg, der aus diesem Syndrom von Krisen herausführen könnte. Und doch gab es einen Denker, der derlei Entwicklungen nicht nur voraussah, sondern auch auf ihre Ursachen hin befragte und alternative Strategien individueller und kollektiver Lebensgestaltung vorschlug: Der Kulturkritiker und Psychoanalytiker Erich Fromm wurde vor 110 Jahren in Frankfurt geboren und verstarb im Jahr 1980 in der Schweiz, nachdem ihn ein ereignisreiches Leben vor allem in die USA und Mexiko geführt hatte.

Im Kern von Fromms Denken steht sein humanistisches Menschenbild mit dem Schlüsselbegriff der „Biophilie“, der Liebe zum Leben. Er bekennt sich zu einer Lebensweise, die es dem Menschen erlaubt, seine kreativen Möglichkeiten ohne Herrschaft und Gewalt zu entwickeln, zu entfalten und in der Beziehung mit anderen Menschen, aber eben auch im Einklang mit den anderen Lebewesen, auszuleben. Gesellschaftliche Strukturen sollten so organisiert sein, dass sie gemeinsames Leben in kommunikativer Freiheit ermöglichen und fördern.

Von diesem Grundansatz her ergeben sich überraschende und erhellende Zugänge zu einer ganzen Reihe aktueller Fragestellungen, sowohl in analytischer Hinsicht als auch im Blick auf gesellschaftliche Visionen und darauf abzielende Realisierungsstrategien. Ob totale Vermarktung und Kommerzialisierung des Menschen, Gewalt in der Austragung von Konflikten, Zerstörung der Natur, selbst Missbrauch Schutzbefohlener – Fromms Einsichten als Psychoanalytiker wie als Kulturkritiker werfen ein klärendes Licht auf die Verlegenheiten und Konflikte, die uns intensiv umtreiben.

Was vor allem bleibt, ist die dem gemeinsamen Leben verpflichtete aktive Hoffnung des seiner kreativen Möglichkeiten bewussten Menschen – eine Erwartung, die im Zusammenhang steht mit Fromms jüdischen Wurzeln und sowohl religiösen Glauben als auch religionskritische Skepsis herausfordert.

In diesem Sinne nimmt das Evangelische Bildungswerk in Amberg das Doppeljubiläum des Geburts- und Todesjahres von Erich Fromm in einem Vortrag auf. Dazu hat es Dr. Helmut Johach als Referenten engagiert, der Therapeut in einer Fachklinik für Suchtkranke war und derzeit als Supervisor tätig ist. Er ist Gründungsmitglied der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft. Johach wird kurz in die Biographie Fromms einführen und dann Grundzüge eines von Fromms Hauptwerken, „Haben oder Sein“ (1976) vorstellen. Dies wird Johach in leicht verständlicher Weise tun und dabei die Krisenerfahrungen aufnehmen, die uns wohl alle zur Zeit umtreiben. Der Vortrag verspricht damit konkret und lebensnah gleichermaßen zu werden.

Der Vortrags- und Diskussionsabend findet statt am Dienstag, den 22. Juni, um 19.30 Uhr im Paulaner-Gemeindehaus, Paulanerplatz 13, Amberg. Der Eintritt beträgt 3 Euro, für Hörerausweisinhaber frei.

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