17.06.2010
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Etzat niat überschnappen
Die Sonntagsspezln treffen sich seit über 20 Jahren in ihrem Stammlokal, feierten, trauerten und zerstritten sich ab und zu, um dann sich wieder zu versöhnen. Aber so etwas hatten der Rudl und seine Kumpels noch nicht erlebt. Als sie am frühen Sonntagabend eintrudelten, trauten sie ihren Augen nicht. Über der Theke hingen Wimpel in den Vereinsfarben, der Tisch war mit kleinen Bällen geschmückt und die Wirtsleute trugen jeweils einen Dreistich, schwarz-rot-gold, der Wirt außerdem noch sein Nationaltrikot mit der Rückennummer von Lothar Matthäus, das er vor vielen Jahren im Münchner Olympiastadion erworben hatte.
"Des derf doch niat wohr sa", meinte der Sepp, der als erster zusammen mit dem "rouden Kare" kam. Kopfschütteln auch bei den anderen, die sich zum deutschen WM-Auftakt gegen Australien verabredet hatten. Eine weitere Überraschung: Die Wirtsleute hatten sich kurzerhand für einen neuen Fernseher mit einem großen Flachbildschirm entschieden. "Schließle is doch nächst Johr bei uns die WM der Frauen", grinste der Wirt. Überrascht waren auch die Schafkopfer, die diesmal die Karten ruhen ließen. "Wir gwinna 3:1", meinte der Günther.
17.06.2010
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Etzat niat überschnappen
Dann der langersehnte Anstoß und zur Überraschung übernahmen die Australier das Kommando. Als aber dann nach acht Minuten Podolski das Führungstor schoss, waren alle wieder beruhigt. Zur Halbzeit eine weitere Überraschung der Wirtsleute. "Bei uns gibt's bis zum Endspül koin Ruhetag mehr", kicherte die Wirtin und servierte Radi-Salat, Obatzn und Radieserl sowie frisches Lückenriether Bauernbrot. Nach dem 4:0-Erfolg und dem Schlusspfiff waren schon die ersten Autohupen zu hören und auch bei den Sonntagsspezln gab's ausnahmsweise keine Sperrstunde, für die immer die "besseren Hälften" sorgen.
Nur der Schorsch sprengte die ausgelassene Stimmung. "Wer houd denn den Bundestrainer Jogi Löw so angriffen, dass er koiner sa, wenn er den Lukas Podolski und den Miroslav Klose mitnimmt, anstatt den Kuryani. Des worst doch Du, rouder Kare", schimpfte der Schorsch seinen politischen Intimfeind lautstark an. "Etzat woiß i, dass du wirklich koi Ahnung vom Fußball houst, niat amal vo der Bezirksliga und deim SV-Detag!" Der Rudl wollte den Schorsch beruhigen, hatte aber keine Chance. "Des nächste Spül schau i mir drass am Wasserwerk im Zelt a", teilte er seinen Spezln mit.
17.06.2010
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Etzat niat überschnappen
Als der Schorsch dann beleidigt nach Hause ging, ließen sich die restlichen Sonntagsspezln die Stimmung nicht nehmen. Als eine Taxifahrerin einen der Schafkopfer abholte, berichtete sie von der tollen Stimmung am Oberen Markt und in anderen Wirtshäusern. "Ich verstöih zwor nix vom Fußball, ober i hob heit gmoint, dass ma scho Weltmoister, oder wenigstens im Endspül san", lachte sie. Der Rudl, wie immer souverän, wiegelte ab. "Manna, des woar doch erst unser erst's Spül. Wir homm gut asgschaut. Ober etzat kummt erst nu Serbien und Ghana. Dann kimma weiter schaua! Ich ob scho vül Weltmeisterschaften erlebt, wöi damals in Chile gecha Jugoslawien. Der Jogi houd a guats Team beieinander, ober döi san halt bloutjung. Wort' ma amal o, wöis weitergöiht, bloß etzat niat scho übertreim!" Der "roude Kare" hatte sich vom Angriff seines "Freundes" erholt und stimmte dem Rudl in Namen aller Spezln zu. "Also dann bis Freitochmittoch wieder bei unsere tollen Wirtsleit'. Desmal kumma mir a in schworz-roud-gold!" (kf)