Sulzbach-Rosenberg
Neue Transparenz bei Krankenhäusern
Kliniken stellen ihre Qualitätsergebnisse ins Internet
Das St. Anna Krankenhaus und die St. Johannes Klinik als regionale VorbilderZiel: Bessere Behandlungsqualität, weniger Komplikationen und weniger Todesfälle
Insgesamt 92 deutsche Kliniken veröffentlichten am 19. April ihre Qualitätsergebnisse im Internet (www.initiative-qualitaetsmedizin.de). Damit geben die Mitgliedskliniken der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) bundesweit den Startschuss für einen Prozess der aktiven, kontinuierlichen Qualitätsverbesserung. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse zeigen die Häuser, wo ihre Stärken liegen, aber auch, wo eine bessere Behandlungsqualität, weniger Komplikationen und letztendlich die Vermeidung von Todesfällen möglich ist.
Unbestritten ist, dass die Versorgungsqualität in Deutschland ein hohes Niveau hat. Unbestritten ist aber auch, dass es nach wie vor erhebliche Qualitätsunterschiede und Verbesserungspotenzial gibt. Dieses Potenzial sichtbar zu machen und durch aktives Fehlermanagement zu heben, hat sich IQM zum Ziel gesetzt. Aus den auf den Internetseiten der Kliniken veröffentlichten Ergebnissen lässt sich ablesen, wie erfolgreich eine Klinik Patienten bei wichtigen Krankheiten, etwa beim Schlaganfall oder beim Herzinfarkt, behandelt. Die Ergebnisse sind Teil der 2009er IQM-Datenauswertung von über 1,7 Millionen stationären Behandlungsfällen.
„Unsere aktuellen Qualitätsergebnisse belegen unsere Stärken im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, zeigen den Kliniken aber auch, bei welchen Krankheitsbildern sie sich verbessern müssen“, sagte Dr. Francesco De Meo, Präsident des Vorstandes der Initiative Qualitätsmedizin, bei einer Pressekonferenz in Berlin. „Liegt z.B. in einer Klinik die Sterblichkeit bei Patienten mit Lungenentzündung deutlich über dem zu erwartenden Wert, so gibt es hier offensichtlich Verbesserungspotenzial. “Der nächste Schritt ist, mit Hilfe des sogenannten Peer-Review-Verfahrens, den Ursachen der Abweichung auf den Grund zu gehen. Dabei setzen sich Chefärzte aus IQM-Mitgliedskliniken zusammen, um auffällige Komplikationen und Behandlungsergebnisse in konkreten Fallstudien auf mögliche Fehler in Abläufen und Strukturen zu analysieren. So werden die Schwachstellen identifiziert und Maßnahmen zur Verbesserung festgelegt.
„Unser Verfahren ist effektiv, es setzt auf eine offene Fehlerkultur und einen permanenten Verbesserungsprozess bei der Behandlung der Patienten“, so De Meo. „Wir unterscheiden uns damit wesentlich von Klinikführern oder anderen Qualitätsinitiativen, die lediglich Marketing betreiben.“
Informationen zu den Ergebnissen aller IQM-Mitgliedskliniken und zur Initiative Qualitätsmedizin finden Sie unter: www.initiative-qualitaetsmedizin.de.
In der Analyse der Daten des St. Anna Krankenhauses in Sulzbach-Rosenberg konnten in den meisten Bereichen exzellente Resultate bescheinigt werden. Vorstand Herr Roppelt betont, dass bei der Entfernung der Gallenblase, im Bereich Endoprothetik, in der Geburtshilfe oder bei der Behandlung von Patienten mit Sepsis Ergebnisse erreicht wurden, an die selbst die Helios-Kliniken als nationale Vorreiter nicht heranreichen können.
„Die Patienten unserer Region können deshalb darauf vertrauen, in den Kliniken des Landkreises nicht nur sehr gute, sondern vielmehr herausragende Behandlungsergebnisse zu erhalten. Die veröffentlichten Daten bilden dabei natürlich ebenfalls die Qualität unserer erstklassigen Partner wie der Orthopädengemeinschaft Amberg OGA ab.“
Aber auch für die auf den ersten Blick zu verbessernden Resultate wie zum Beispiel bei der Behandlung von Patienten mit Herzinfarkt konnte in der Auswertung eine Erklärung gefunden werden, so Roppelt. Zur Behandlung dieser Diagnose nutzen Sulzbach-Rosenberg und Auerbach zum Wohle ihrer Patienten nämlich die hervorragende Kooperation mit der Kardiologie im Klinikum St. Marien und verlegen akute Fälle nach Amberg. Patienten mit Herzinfarkt, die in den Krankenhäusern des Landkreises verbleiben, sind oftmals schwer und multipel Erkrankte sowie Hochbetagte, bei denen die Therapie auch in Absprache mit den Angehörigen mit Augenmaß abgesprochen wird und zum Teil auf invasive Therapie und hochkomplexe Apparatemedizin verzichtet wird. Die Mitarbeiter im St. Anna Krankenhaus und in der St. Johannes Klinik sehen den Anspruch als humanes Krankenhaus darin verwirklicht, dass auch derartige Entscheidungen unterstützt und für Patienten und deren Angehörige mitgetragen werden.
Die Initiative Qualitätsmedizin (IQM)
Führende Krankenhausträger haben sich seit 2008 zur „Initiative Qualitätsmedizin“ (IQM) zusammen geschlossen. Die Initiative mit Sitz in Berlin besteht deutschlandweit und ist offen für alle Trägergruppen. Gründungsinitiatoren sind die DAMP Gruppe, die Gesundheit Nordhessen Holding, die HELIOS Kliniken Gruppe, die Johanniter, die Medizinische Hochschule Hannover, die Malteser, die SRH Kliniken, das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden an der TU Dresden, die Vereinigung Berufsgenossenschaftlicher Kliniken und das Universitätsspital Basel, die Charité – Universitätsmedizin Berlin, das Klinikum Saarbrücken, das Klinikum St. Elisabeth Straubing und die Ludwig-Maximilians-Universität München.
Die Mitglieder der Initiative verpflichten sich, in ihren derzeit insgesamt 122 Kliniken mit jährlich knapp 1,8 Millionen stationären und rund 4,8 Millionen ambulanten Patienten drei Grundsätze anzuwenden:
Qualitätsmessung mit Routinedaten, Veröffentlichung der Ergebnisse auf einer trägerübergreifenden Plattform und die Durchführung von „Peer-Review-Verfahren“. Bei den Peer-Reviews werden Behandlungsprozesse mit auffälligen Ergebnissen von internen und externen „Peers“, also chefärztlichen Fachkollegen, auf mögliche Fehler in den Ergebnissen, Abläufen und Strukturen hin anhand konkreter Behandlungsfälle untersucht. Diese Erkenntnisse ermöglichen den Verantwortlichen vor Ort anschließend eine zielgenaue Vermeidung möglicher Qualitätsdefizite und die Verbesserung der medizinischen Ergebnisqualität.
Qualitätssicherung auf Basis von Routinedaten
Das deutsche Fallpauschalensystem bietet die Möglichkeit, weitreichende Qualitätsinformationen aus den Abrechnungsdaten der Kliniken abzuleiten: Jede Leistung im Krankenhaus wird im Zuge der Abrechnung kodiert und in sogenannten ICD (International Classification of Diseases) bzw. OPS (Operationen-/ und Prozedurenschlüssel) abgebildet. Diese Routinedaten werden von den Kostenträgern überprüft, erfassen jeden behandelten Patienten und sind kurzfristig verfügbar. Die Qualitätsmessung über Qualitätsindikatoren auf Basis von Routinedaten bedeutet deshalb hohe Effizienz (kein zusätzlicher Dokumentationsaufwand in den Kliniken) und Objektivität (leichte Überprüfbarkeit).
Links zu den neu veröffentlichten Ergebnissen:
www.initiative-qualitaetsmedizin.de/qualitaetsergebnisse-neu/iqmdurchschnittswerte/
www.initiative-qualitaetsmedizin.de/qualitaetsergebnisse-neu/werte-einzelnerkliniken/
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