Zu Gast bei den Proben für die "Tirschenreuther Passion"
Es ist schon ein Kreuz: Immer wieder müssen auch solche anstrengenden Szenen geprobt werden. Bilder: Harald Mohr
TIRSCHENREUTH. Bevor es zur Kreuzigung geht, wird erst mal ein "Happy Birthday" angestimmt: Apostel Jakobus alias Vinzenz Rahn hat Geburtstag. Die etwa 80 Schauspieler der "Tirschenreuther Passion" sind eine große Familie. Auch Regisseur Johannes Reitmeier gehört dazu. Pünktlich soll die dritte Bühnenprobe mit allen Schauspielern losgehen. "Sobald alle Klagefrauen ihr Müsli einegfress'n haben", mahnt der gebürtige Kötztinger.
Seit vier Wochen proben die Amateurdarsteller schon, das merkt man. Vor der ersten "Massenprobe" haben alle Schauspieler ihre Rolle in kleineren Proben einstudiert. Jeder kennt seinen Text, es geht jetzt um die Feinheiten. Knapp drei Wochen sind es zu diesem Zeitpunkt noch bis zur Premiere am 12. März, das erscheint viel, aber noch ist die Dekoration nicht eingerichtet, die Technik nicht installiert und die Beleuchtung nicht eingestellt. Noch proben die Darsteller auf der nackten Bühne in Zivilkleidung. Etwa 130 Posten stehen auf der Inventarliste, die Kostüme zählt man gar nicht dazu. "Kreuz und Kreuzbalken" findet man da säuberlich aufgelistet, aber auch scheinbare Nebensächlichkeiten: Alles muss geplant sein.
11.03.2010
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Zu Gast bei den Proben für die "Tirschenreuther Passion"
Noch ist Johannes Reitmeier vor Ort, nach der Premiere sind die Tirschenreuther auf sich alleine gestellt. Der 47-Jährige kommt jedes Mal aus Kaiserslautern angereist, am dortigen Pfalztheater ist er Intendant. Der Umgang mit Amateurschauspielern ist für den Profi kein Problem: "Theater ist Theater", sagt er. "Die Herangehensweise ist die gleiche." Johannes Reitmeier steht jetzt vor der Bühne. Nichts entgeht ihm. X-Mal werden die Szenen wiederholt, bis der Maestro zufrieden ist. Er ist jetzt voll in seinem Element, spielt Szenen selbst vor, korrigiert Positionen der Spieler, fordert "mehr Ausdruck beim Vorgehen". Oder: "Nicht so kleine Schritte beim Davonlaufen."
"Jesus" Stefan Malzer studiert die Person des Jesus schon seit zwei Jahren.
Im Mittelpunkt steht natürlich Jesus. Für den 28-jährigen Stefan Malzer, im Hauptberuf Mediengestalter, ist die Hauptrolle "eine große Ehre". Seit zwei Jahren beschäftigt er sich schon mit der Person des echten Jesus. Muss man immer alles glauben, was man da so spielt? "Ich bin ein gläubiger Christ", antwortet Stefan Malzer. Aber er könne sich schon vorstellen, dass die historische Person Jesus nicht genau der entspricht, die er spielt. "Aber für die Rolle spiel ich so, wie's in der Bibel steht."
11.03.2010
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Die Haare trägt Stefan Malzer so, wie man sich einen Jesus eben vorstellt: Lang und mit Bart. "Meiner Frau gefall' ich so besser, aber ich finde sie unpraktisch", sagt der Jesus-Darsteller. "Die Haare kommen höchstwahrscheinlich wieder weg." Die Proben schlauchen ganz schön, schließlich muss dieser Jesus sein Kreuz nicht nur einmal tragen wie der echte Jesus. "Das ist schon anstrengend." Aber auch "emotional fordernd".
Etwa 130 Posten stehen auf der Inventarliste, darunter natürlich auch Dornenkrone, Kelch und Nägel fürs Kreuz.
Die Rolle des Bösewichts spielt Jürgen Land: Der Verwaltungsangestellte am Landratsamt Tirschenreuth ist Judas. Das macht ihm aber nichts aus: "Das Böse reizt mich halt", witzelt er. Anja Berner, die heuer das erste Mal dabei ist, hat "die unsympathischste Rolle, absolut Jesus-verachtend". Die 26-jährige Mitarbeiterin bei Radio Ramasuri spielt Herodia, die Frau des Herodes. Und die muss nun mal "spöttisch sein". Anja findet: "Je öfter man's probt, desto unsympathischer wird man." Natürlich nur in der Rolle.
Bürgermeister Franz Stahl ist "total begeistert" von seinen Schauspielern. "Sie merken ja richtig, wie motiviert die Leute drangehen." Auch mit Regisseur Reitmeier ist der Bürgermeister voll zufrieden. "Er versteht's, mit den Menschen umzugehen, alles aus ihnen rauszukitzeln und ihnen Selbstvertrauen zu geben." Im Hintergrund wirkt Peter Geyer: "Er ist der ruhende Pol und hält die Fäden in der Hand."
11.03.2010
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Zu Gast bei den Proben für die "Tirschenreuther Passion"
Ebenfalls im Stillen arbeitet Regieassistentin Andrea Wittstock: Sie führt das Regiebuch, macht Notizen, skizziert, wo die Schauspieler stehen. Sogar die Position der Plastik-Felsen wird festgehalten. Damit bei der Premiere alles genau so aussieht wie bei den Proben. Und natürlich bei den Proben, die noch folgen. Denn nach der Kreuzigung ist vor der Kreuzigung.
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