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Nathan Engländer: „Das Ministerium für besondere Fälle“
Wenn die Geschichte nicht zum Weinen wäre, wäre sie zum Lachen
Für den Urlaub – es ist schon ein paar Tage her - hatte ich mir einen besonderen Leckerbissen zum Lesen aufgehoben. „Das Ministerium für besondere Fälle“ von Nathan Engländer. Buch und Autor wurden in der Presse hoch gelobt (DIE ZEIT Nr. 49/2008). Der 38-jährige Engländer wird, sein Vorname verrät es, als großer Hoffnungsträger der jüdisch-amerikanischen Literatur gehandelt. Bekannt war er bisher nur als Fotograf, Filmemacher und Verfasser von Kurzgeschichten.Der Roman handelt von einer jüdischen Familie in Argentinien zur Zeit der Militärdiktatur, also in den siebziger Jahren, als viele Menschen spurlos verschwanden. Ein Vater, der nichts zu Wege bringt im Leben und nachts auf dem jüdischen Friedhof für Geld die Namen der Toten von den Grabsteinen abschlägt, damit die Nachkommen nicht mit ihren Vorfahren in Zusammenhang gebracht werden können. Die Ahnen gingen nämlich einem äußerst anrüchigen Lebensunterhalt nach. Heutzutage würde man sie dem „Rotlichtviertel“ zuordnen. Die Mutter verdient in einer Versicherungsagentur den Lebensunterhalt für die Familie und der 19-jährige Sohn studiert, hört revolutionäre Musik, kifft und liest linke Literatur. Und genau deswegen wird der Sohn eines Tages von der Polizei aus der Wohnung abgeholt, verhaftet, gekidnappt und verschwindet wie viele Menschen damals in Argentinien spurlos in den Fängen der Militärjunta.
Die Eltern versuchen alles Menschenmögliche, um ihren Sohn zu finden und zurück zu bekommen. Unter anderem sprechen sie im „Ministerium für besondere Fälle“ vor. Dies erinnerte mich an „Das Schloss“ von Franz Kafka, auch an den "Prozess“ und wären Engländers Handlungen nicht ständig von Lächerlichkeit und Witz durchsetzt, kämen noch mehr kafkaeske Gedanken auf. Der Klappentext spricht von „sprühender Phantasie und überbordendem Witz“, vom „Sinn für das Absurde“ und einer „genialen Balance zwischen Verzweiflung und Hoffnung“. So entführt der Vater – auf Friedhöfen kennt er sich bestens aus – die Gebeine eines verstorbenen Politikers, um damit den Schwiegersohn, der General ist, zu zwingen, den Aufenthaltsort des entführten Sohnes preis zu geben. Oder: Als ein berühmter Schönheitschirurg die nächtlichen Dienste des Vaters auf dem jüdischen Friedhof nicht bezahlen kann, werden die Steinmetzarbeiten durch zwei Nasenverkleinerungen bezahlt. Man ahnt es bereits: Eine der beiden Operationen misslingt.
Ich konnte den Roman nicht eher aus der Hand legen, bis ich wusste, ob die verzweifelt liebenden Eltern ihren Sohn aus den Fängen der Militärjunta befreien konnten. Dieses Buch kann ich wirklich sehr empfehlen.
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