Hof/Den Haag
Hof erwartet spektakulärer Prozess
Einigung über Verfahren: Anklage gegen mutmaßlichen Prostituierten-Mörder bis Ende April
Hof/Den Haag. (dpa) Einem in Bayern inhaftierten mutmaßlichen Prostituiertenmörder wird nun wahrscheinlich doch in Hof und nicht in Spanien der Prozess gemacht. Ein Sprecher von Eurojust sagte am Dienstag, Vertreter der Justiz aus Deutschland, Frankreich und Spanien hätten sich bei einem Treffen in Den Haag auf das Verfahren in Hof geeinigt.
Eine entsprechende Empfehlung, die dann von den Vertretern aller EU-Staaten im Eurojust-Kollegium beschlossen werden muss, sei in Vorbereitung. Der Leitende Staatsanwalt Gerhard Schmitt erklärte am Dienstag in Hof, die Vertreter der beteiligten nationalen Justizbehörden seien sich bei dem Treffen einig gewesen, alle Anklagepunkte in Hof zusammenzuführen. Die Ermittler werfen dem 47-Jährigen die Ermordung von fünf Prostituierten vor. In seiner Jugend solle er außerdem eine Mitschülerin getötet haben. Der in Auslieferungshaft sitzende Fernfahrer stammt aus Oelsnitz im Vogtland.Kaum vergleichbare Fälle
Eurojust
Eurojust oder Europäische Einheit für justizielle Zusammenarbeit ist die europäische Justizbehörde mit Sitz in Den Haag. Sie soll die Arbeit der nationalen Justizbehörden Europas im Bereich der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität koordinieren und den Informationsaustausch zwischen den nationalen Justiz- und Polizeibehörden fördern. Arbeitsbereiche sind unter anderem die Bekämpfung des Terrorismus und des illegalen Waffenhandels, des Drogenschmuggels, der Kinderpornographie und der Geldwäsche. Auf Grundlage einer Vereinbarung des Europäischen Rates in Tampere im Herbst 1999 wurde Eurojust mit Beschluss des Rates der Europäischen Union vom 28. Februar 2002 gegründet und nahm wenige Monate später seine Arbeit auf. Jeder Mitgliedstaat entsendet ein nationales Mitglied, diese sind meist zugleich nationale Justizbedienstete oder Staatsanwälte und stellen so die Verbindung zum Justizapparat ihres Landes her. Die Gesamtheit der nationalen Mitglieder bildet das Eurojust- Kollegium. Dieses wählt einen Präsidenten und zwei Vizepräsidenten. Am 7. Juni 2005 wurde das britische Mitglied Michael Kennedy im Amt des Präsidenten bestätigt, Vizepräsidenten wurden Ulrike Haberl- Schwarz (Österreich) und Roelof Jan Manschot (Niederlande).
Dem 47-jährigen Fernfahrer wird vorgeworfen, drei Prostituierte in Spanien und zwei in Frankreich getötet zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte er die Frauen in seine Fahrerkabine gelockt und dort getötet. Von einigen Frauen nahm er Fotos mit einer Sofortbildkamera auf. Auch habe er Haarteile und Kleidungsstücke mitgenommen, hieß es.
Der 47-jährige Sachse war Mitte November 2006 in der Nähe von Köln festgenommen worden, als er seinen Lastwagen in eine Waschstraße fahren wollte. Der europaweit zur Fahndung ausgeschriebene Mann war dort wiedererkannt worden. Die Fahndung war ausgelöst worden, nachdem es Hinweise gab, dass er in Hostalric bei Barcelona eine bulgarische Prostituierte erdrosselt hatte.
Mord in der DDR
Auch für den Tod einer 18 Jahre alten Mitschülerin aus Altensalz bei Plauen vor 32 Jahren macht die Justiz den Mann verantwortlich. Die Leiche des Mädchens war im April 1987 in der Nähe der Autobahn gefunden worden. Die DDR-Justizbehörden hatten den Fall 1989 ungelöst abgeschlossen. Der mutmaßliche Täter sei zum Tatzeitpunkt 14 Jahre alt gewesen. Der Angeklagte wird sich daher für alle Anklagepunkte vor einer Jugendstrafkammer verantworten müssen.
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