Weiden
Der Herzschlag des Schwarzen Kontinents
"Mama Africa" lässt Zuhörer in der Weidener Max-Reger-Halle zur großen Familie werden
Der bestimmende, nicht abreißende Rhythmus der Trommeln hüllt alles ein und verströmt seine Energie an Mitwirkende und Zuschauer. Und so fühlt sich jeder Einzelne der 900 "Afrikaner ehrenhalber" in der ausverkauften Max-Reger-Halle als Teil einer großen Familie.In den Takt der Trommelschläge - symbolisch für den gemeinsamen Herzschlag der vielfältigen Völker - ist dann auch die gesamte Show "Mama Africa" eingebettet. Und das Herz Afrikas schlägt schnell. Im atemberaubenden Tempo taucht der "Circus der Sinne" in ein neues Lebensgefühl ein und eröffnet einen Einblick, der über das Offensichtliche hinausgeht.
Die Künstler stammen aus Äthiopien, Tansania, Südafrika, Kenia, Simbabwe, dem Kongo und der Elfenbeinküste und demonstrieren auf der Bühne Einigkeit eines sonst so uneinen Kontinents und bringen sogar hie und da auch etwas Sozialkritik an. Nicht zuletzt wegen des - wohl aufgrund der Gegebenheiten der Bühne - abgespeckten Programms, brauchen die Artisten nur wenige Utensilien um ein buntes Fest für Auge, Ohr, Herz und Seele zu kreieren.
Neben mitreißenden Tanzeinlagen wunderschöner Tänzerinnen und Tänzer sowie traditioneller Musik und Gesang bot "Mama Africa" Artistik und Körperbeherrschung mit Humor und Esprit. Es ist unmöglich, nicht in Beifallsstürme auszubrechen, wenn "Afrikas Mr. Bean" seinen Schlangenkörper mit köstlicher Mimik durch einen Tennisschläger zwängt, Artisten in wenigen Sekunden phantasievolle Menschen-Pyramiden bilden, jede Spielart der Jonglage-Kunst gezeigt wird, ein Meister des Timings auf seinen vier Meter hohen Stelzen tanzt und springt, oder die "tanzende Hütte" eine klassische Clownerie vollführt.
Federleicht sieht es aus, wenn ein Artist mit den Beinen voran in die Mitte eines drei Mann hohen Menschenturms springt und - sich in der Luft drehend - in einer fließenden Bewegung seine Beine um die Hüften des Mittelmanns schlingt. Schlangenmensch "La Zaro" zündet sich im umgekehrten Handstand mit den Zehen eine Zigarette an, ein weiterer Artist trägt einen Kollegen gar als "Gürtel". Natürlich erinnern Hechtsprünge durch drei übereinander aufgetürmte Reifen stark an Andre Hellers "Begnadete Körper".
Doch was dort mit asiatischen Artisten zuweilen wie technisch-kühler Leistungssport anmutet, erhält in der afrikanischen Version eine belebende Eleganz. Die in den Hintergrund projizierten Multimedia-Effekte mit bunten Mustern, Masken oder Wildtieren - allesamt Symbole, die man langläufig mit dem schwarzen Kontinents verbindet - sind dezent. Und auch sonst kommt "Mama Africa", von Erfinder und Regisseur Winston Ruddle stimmig in Szene gesetzt, erfreulicherweise ohne Pathos aus. Natürlich ist es trotzdem erlaubt, mit weitläufigen Klischees zu spielen.
So wird die starke siebenköpfige Liveband von einem im farbigen Licht strahlenden "Moskitonetz" umrahmt, der Drummer scheint in seinem Glaskasten gar in ein Terrarium verbannt. Neben Traditionals lassen die Musiker auch Platz für vertraute Songs wie Bob Marleys "One love", Santanas "Black magic Woman", Paul Simons "You can call me Al" oder Mory Kantés "Yéké yéké", der den Ethno-Pop der auslaufenden 80er begründete.
Doch alles beherrschend bleiben in "Mama Africa" die Trommeln, denen etwas Besonderes gelingt - nämlich das zuweilen dröge mitteleuropäische Blut zum Kochen zu bringen.
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