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Von (rg)  |  11.11.2006  | Netzcode: 10943693  |  207 Mal gelesen.
Weiden

20 Rechtsradikale stören Referat

NPD-Mitglieder mischen sich unter Antifaschisten - Tumult in Max-Reger-Halle

Etwa "vier oder fünf Nazis", so vermutet DGB-Organisationssekretär Christian Dietl anfangs, hätten sich wohl eingeschlichen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen. Polizeibeamte vor der Max-Reger-Halle, am Eingang weiteres Sicherheitspersonal, das einen geschulten Blick für mutmaßliche Rechtsradikale hat. Kein ungebetener Gast soll am Donnerstagabend den "Rechtsrock"-Vortrag von Jugendpfleger Ewald Zenger stören können. Und dann, nach etwa einer halben Stunde, passiert es doch: Nicht weniger als 20 Rechte stehen auf, entrollen eine NPD-Fahne, recken Fäuste in die Höhe. Und skandieren immer wieder lautstark "Frei, sozial und national".

Ein Tumult bricht los. Eine Schülerin erschrickt derart, dass sie zu weinen anfängt. Antifaschisten beschimpfen die Störer. Einer greift sich einen Stuhl, lässt sich nur mit Mühe vom Angriff auf die Rechten abhalten. Die rücken ab. Punks hinterher. Vor dem Ausgang geht Bruder Jürgen Heiß vom Augustinerseminar dazwischen, beruhigt die Gemüter. Dann sind die Unruhestifter endgültig verschwunden.

"Sind keine Profis"



"Wenn sie ihr Gift nicht verspritzen können, verbreiten sie halt Angst und Schrecken", kommentiert Dietl den Auftritt. Der begann, als Zenger Hörbeispiele rechtsradikaler Bands vorführte. Zwei Besucher erhoben sich, um provokant nachzuhaken ("Warum hören wir hier keine aktuellen Lieder über Massenarbeitslosigkeit oder sozialen Zerfall?"). Nach kurzem Hin und Her brach der Jugendpfleger die fruchtlose Diskussion ab, verwies das Duo der Halle. Und die Kameraden zeigten sich solidarisch.

"Wir sind leider keine Profis im Erkennen von Nazis", muss Zenger einräumen. Kein Wunder: Laut Polizei, die einige "Personenüberprüfungen" vornimmt, stammen die NPD-Leute nicht aus dem hiesigen Bereich, sondern aus Mittel- und Oberfranken. Die Halle betraten sie nach und nach, einzeln oder zu zweit. Und natürlich in unauffälliger Kleidung. Acht von ihnen verwehrte Bruder Jürgen von vornherein den Zutritt. Dass die Gesetzeshüter die Störenfriede später nicht erkennungsdienstlich behandeln, stößt Dietl sauer auf. Wie Polizeisprecher Werner Stopfer erklärt, fehlte dazu der Anlass: "Die Personen haben sich nicht widersetzt, als ihnen das Hausverbot ausgesprochen wurde. Eine Straftat war nicht erkennbar." Den Vortrag im unteren Foyer verfolgten laut Stopfer auch Zivilbeamte.

DGB-Mann Dietl, Mitinitiator der Ausstellung "Rechtsradikalismus in Bayern" in der Max-Reger-Halle, gewinnt dem massiven NPD-Auftritt am Ende sogar Positives ab: "Die Rechten bezeichnen uns oft als ,Krabbelgruppe'. Aber denen stinkt's offenbar total, dass wir das hier machen."

Weiterer Bericht Seite 18

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