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Von Clemens Hösamer  |  26.10.2006  | Netzcode: 10937746  |  116 Mal gelesen.
Schwandorf/Amberg

Ein Beweis-Kreis schließt sich

Betrugsverfahren: Angeklagte nutzten offenbar Vertrauen von guten Bekannten aus

Der Kreis schließt sich: Hubert K. (49, Namen geändert) und Hans L. (47) haben scheinbar in erster Linie Menschen über den Tisch gezogen, die ihnen nahe standen: In dem Betrugsverfahrern gegen die beiden Männer aus dem Landkreis wurde am gestrigen, dritten Verhandlungstag deutlicher, wie die Gelder flossen. Angekündigte Geständnisse hörte der Vorsitzende der Großen Strafkammer am Landgericht Amberg, Präsident Klaus Demmel, noch nicht. Die Geschädigten, darunter enge Verwandte, beklagen den Verlust von insgesamt mindestens 174 000 Euro.

"Dadurch, dass ich ihn so lange kenne, hätte ich nie gedacht, dass er mich besch...", sagte ein Geschädigter, der mit 5000 Euro Verlust noch "günstig" weg gekommen ist. Hans L. war früherer Arbeitskollege und hatte dem Zeugen 2000 Euro Rendite in drei Monaten versprochen. Offenbar eine Luftnummer, denn der Zeuge sah sein Geld nicht mehr. "Wie lange müssen Sie für 5000 Euro netto arbeiten?", fragte Demmel. "Drei bis vier Monate", so die Antwort des Zeugen.

Wesentlich härter hat es eine Frau getroffen, die im Mittelpunkt des Beweis-Kreises steht, der sich schließt: Sie lebte in Scheidung, lernte Hubert K. kennen. Gut gekleidet, großzügig und eine Limousine fahrend, "kümmerte" sich Hubert K. um sie. Insgesamt vertraute sie nach ihren Aussagen Hubert K. 235 000 Mark (etwa 120 000 Euro) an. Ihr Erbe, ihr Erspartes, schlicht alles, was sie zur Seite gelegt hatte. Damit nicht genug: Sie gab den scheinbar sicheren Anlagetipp - versprochen waren zehn Prozent Rendite pro Jahr - ihrem Vater, weiteren Verwandten und Freunden weiter. Auch die vertrauten, ließen sich von den Versprechungen, dass das Geld jederzeit verfügbar sei, einwickeln.

Ein Rentner aus diesem Kreis, der gestern als Zeuge vernommen wurde, hat 50 000 Mark verloren. Er war misstrauisch geworden, drängte bei Hubert K. auf Rückzahlung. "Ich habe ihm gesagt, dass ich mir einen Anwalt nehme. Er hat gesagt, dass ist ihm egal, er hat zwei."

"Ich weiß, dass ich mich der Gefahr der Ablehnung aussetze", sagte Landgerichtspräsident Klaus Demmel in einer rechtlichen Bewertung. Für ihn sei aber klar, dass die Angeklagten früh wussten, dass sie ihre Versprechungen nie und nimmer einhalten könnten. Das ist deshalb wichtig, weil die beiden Kaufleute in ihrer Verteidigung darauf setzen, dass sie ein großes Geschäft an der Hand gehabt hätten. Es geht um hunderte Millionen Dollar, in einem Schreiben ist gar die Rede von einer Summe von bis zu 1,5 Milliarden Dollar, die ohne Sicherheiten, Prüfungen, oder "Bürgschaften jedweder Art" (Demmel) an die Angeklagten als Risikokapital ausgereicht werden sollten. Der Schweizer Vermittler freilich saß irgendwann in Untersuchungshaft. "Jeder einigermaßen sorgfältige Kaufmann wäre da zur Polizei gegangen", so Demmel.

Der zeitliche Rahmen ist wichtig, weil es darum geht, wann die Angeklagten wissen mussten, dass ihr großes Geschäft platzt und ihre Versprechungen gegenüber ihren Anliegern mindestens riskant waren. Dazu werden weitere Zeugen gehört: am 7. November um 9 Uhr.


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