Neustadt/WN
Petitessen und opulente Klangfülle
Studentinnen der Musikhochschule Leipzig gestalten Max Reger Lieder- und Kammermusikabend
Mit Musik Max Regers aus seiner Leipziger Zeit gestalteten Studentinnen der Musikhochschule Leipzig zum zweiten Mal einen Lieder- und Kammermusikabend in der Stadthalle Neustadt. "Sehr, sehr originelle und sehr selten zu hörende Lieder" versprach Prof. Kurt Seibert der werten Zuhörerschaft. Dem sei noch ein "sehr überzeugend wiedergegeben" hinzugefügt. Kein "sehr" zu viel.Denn ob Klavier- oder Gesangsdarbietungen - die fünf jungen Studentinnen agierten auf hohem Niveau. Allen voran, die amerikanische Sopranistin Jennifer Porto, die mit schlank geführter Stimme, hell und warm timbriert zugleich, Reger Lieder aus op. 104 ("Sechs Lieder") und op. 76 ("Schlichte Weisen") zum unterhaltsamen Hörerlebnis werden ließ.
Ob Lyrisches ("Gottes Segen"), Dramatisches ("In der Frühe") oder Schelmisches ("Der Sausewind"): Kleine Stimmungsbilder, deren textlicher Gehalt von Reger mit größter musikalischer Prägnanz eingefangen wurde. Regersche Petitessen, von Jennifer Porto aussagekräftig und einfühlsam differenzierend wiedergegeben. Mitreißend ihr darstellerisches Talent, nicht nur wenn Charme und Neckerei ("Schelmenliedchen") gefragt waren. Aufmerksam begleitet von Ya-En Lee, die den Klavierpart ebenso einfühlsam erfasste, beizeiten ausgelassen virtuos "den alten Esel wie ein trunken Böcklein" ("Sausewind") auf den Tasten tanzen ließ.
Keine wilden Eselsprünge, sondern in sich ruhendes, ausdrucksvolles Klavierspiel demonstrierte Stefanie Fahrendorf mit drei Sätzen aus Regers "Episoden" op. 115. Regersche Klaviermusik voll bezwingender Innigkeit. Wunderschön, der bezaubernde Allegretto-Satz, von der jungen Pianistin mit sensiblem Klangempfinden erfasst.
Opulente Klangfülle dagegen im zweiten Teil des Abends. In einer Fassung für Klavier vierhändig spielten Mikako Amamoto und Mi-Na Park Regers "Symphonischen Prolog zu einer Tragödie für großes Orchester" op.108. Wuchtige Grave-Blöcke gliedern das gut 20-minütige Klanggeflecht. Dazwischen, dramatische Ausbrüche voll mondäner Gesten: Bassgrollen, Tremoli, stürzende Klangkaskaden.
Die entspannten Momente, weniger melodisch angelegt als von unruhig fluktuierender harmonischer Dichte. Ein gewaltiges per aspera ad astra, durch das sich wie ein roter Faden dunkle, Beethovensche Schicksalsschläge ziehen und das in einem erlösenden Choraliter endet. Von den beiden jungen Pianistinnen mit beeindruckender Souveränität gemeistert. Lang anhaltender Applaus.
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