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Von Tobias Schwarzmeier  |  05.09.2006  | Netzcode: 10918218  |  137 Mal gelesen.
Wurz

Altmeister der fahrenden Bassisten

Helmut Ambros beschließt mit einem unterhaltsamen Liedernachmittag die Wurzer Sommerkonzerte

Sie sind tiefsinnig, nachdenklich, heiter und zuweilen auch doppeldeutig - die "Lieder eines fahrenden Bassisten". Besonders wenn sie wie von Helmut Ambros mit der nötigen Erfahrung und Reife präsentiert werden.

Der Münchener Bassist verlieh am Sonntag dem klassischen Liedgut und den Operettenmelodien von Franz Schubert und Carl Loewe über Franz von Suppe, Wolfgang Amadeus Mozart bis hin zu Robert Schumann mit seinem Sologesang den gewissen "Gentleman-Touch". Ein Konzert geht immer noch, schien das Motto für die Organisatoren der Wurzer Sommerkonzerte zu lauten und so bot man gut 100 Zuhörern nach dem grandiosen Abschlusskonzert mit dem Martinu-Quartetts am Vortag mit einem Liedernachmittag ein zusätzliches "Nachkonzert" in der Remise des Pfarrhofs.

Und das dem Genre eng verhaftete Publikum dankte es ihnen mit viel Applaus. Um sein gehobenes Alter macht Helmut Ambros ein Geheimnis und das ist auch gut so, denn zum alten Eisen gehört der Altmeister beileibe noch nicht und sollte demnach auch nicht in diese Schublade gesteckt werden. Wo sie doch so jung klingt, die gut ausgebildete Stimme des Routiniers. Ambros, langjähriges Mitglied der Süddeutschen Opernbühne, der sich nach wie vor durch eine rege Konzerttätigkeit auszeichnet, artikuliert unverändert genau und vernachlässigt auch keine Wort- und Satzenden, wenn er die vertonten Texte von Dichtern wie Goethe oder Fontane mit angenehmer Stimme intoniert.

Klar, bei der einen oder anderen längeren Passage fehlte schon mal etwas die Luft und gegen Ende des eher klassischen und Kräfteraubenden ersten Teils waren ihm die Anstrengungen schon deutlich anzumerken. Trotzdem war an seinen Interpretationen wie beispielsweise von Schuberts "Ständchen" ("Leise flehen meine Lieder"), "Der Lindenbaum" ("Am Brunnen vor dem Tore") oder Schumanns "Mondnacht" (Text: Joseph von Eichendorf) nichts auszusetzen. Mit noch mehr Elan widmete er mit "Fünfmalhunderttausend Teufel" über die Entstehung des Champagners oder "Warnung", der Ratschlag an die Väter, sicherheitshalber neben dem Naschzeug auch gleich die Töchter wegzusperren, sich dann den witzigeren Themen.

Durch seine Ausstrahlung überspielte er zudem die im Grunde solide aber vor allem im ersten Teil mit diversen Fehlern behaftete Klavierbegleitung Jakob Schröders, seines Zeichens Leiter der Musikschule des Landkreises Tirschenreuth. "Verschließ auch deine Seele nicht ihrer Poesie", sang Helmut Ambros abschließend in der Zugabe in Paul Linckes "Es war einmal". Unnötig, denn wenngleich auch nicht der Poesie der besungenen Märchen doch zumindest der seines Vortrags hatten die sichtlich bewegten Zuhörer längst Herz und Seele geöffnet und ihn darin eingeschlossen.


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