Wurz
Zum Abschluss "Streicheleinheiten" für Mozart
Martinu-Quartett begeistert mit perfekter Leistung mehr als 200 Klassikfreunde bei Wurzer Sommerkonzerten
Was musste Wolfgang Amadeus Mozart im Jubiläumsjahr nicht alles erdulden! In der Vielzahl der alles allerorts dominierenden Mozart-Konzerte - manche mögen es Unzahl nennen - erfuhr der zuweilen schon etwas abgespielte Komponist neben Huldigungen zuweilen auch den einen oder anderen Härtetest seiner Werke. Doch am Samstagabend wurden seine Kompositionen beim Auftritt des Martinu-Quartetts bei den Wurzer Sommerkonzerten "gestreichelt".Nahezu perfekt intonierten die hochkonzentriert zu Werke gehenden Violinisten Lubomir Havlak und Irena Herajnova zusammen mit Jan Jisa (Viola) und Jitka Vlasánková (Violoncello) Mozarts Streichquartette G-Dur KV 387 und B-Dur KV 458. Dabei gelang es Havlak mit detailreichem, präzisem und zugleich ungeheuer ausdrucksstarkem Spiel an der ersten Violine, das stimmungsvolle bis ausgelassene Streichquartett in G-Dur und das emotionale und durch viele "kleine" Töne sehr spannungsgeladene Quartett B-Dur ("Jagdquartett") virtuos auszukleiden.
Damit unterstrich das seit 30 Jahren bestehende und bei internationalen Wettbewerben mehrfach preisgekrönte Ensemble, dass es 2004 zu Recht den "Prix international du disque" von Cannes für die beste CD der Musik des 20. Jahrhunderts gewann und renommierte Gruppen hinter sich ließ. Am Abschluss-Wochenende des 19. Konzertjahres passte einfach alles. Das launische Oberpfälzer Wetter gab den Veranstaltern eine wohlverdiente Pause. Mehr als 200 zufrieden gestellte Klassikfreunde und ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks schufen den Rahmen für das 160. Sommerkonzert, und die angenehme Spätsommeratmosphäre tat ihr Übriges.
Beim dritten Freiluft-Event des verregneten Konzertsommers bot das wohl beste Ensemble Tschechiens eine exzellente Vorstellung. Auch Irena Herajnova (zweite Violine), die erst seit einem halben Jahr an der Stelle ihres Vorgängers Petr Matejak spielt und somit bei den vorangegangenen beiden Auftritten im Wurzer Pfarrhof nicht dabei war, überzeugte trotz der ungewohnten Bedingungen vorbehaltlos.
Auch wenn sie sich des einen oder anderen Lächelns nicht erwehren konnte, wenn bei einer schwierigen Passage eine Wespe vor ihrem Gesicht herumtanzte oder die nahen Kirchenglocken erklangen, die unwillkürlich die Schlusstakte von Alexander P. Borodins Streichquartett Nr. 2 noch wirksamer in Szene setzten. Im zweiten Teil zeigten die vier Instrumentalisten eindrucksvoll, dass sie sich die Verbreitung osteuropäischer Kammermusik auf die Fahnen geschrieben haben. Neben Borodins die ganze Gefühlspalette umspannenden Stück mit den wunderbar schluchzenden Geigen im "Andante", in dem Havlak in den zwei ersten Sätzen die einzigen beiden Unsauberkeiten unterliefen, begeisterten sie die Zuhörer in der viel beklatschten Zugabe mit Auszügen aus Antonín Dvoráks Streichquartetten in A-Dur und As-Dur.
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