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Von Andrea Prölß  |  29.08.2006  | Netzcode: 10916057  |  274 Mal gelesen.
Wurz

Klassentreffen mit Wolfgang Amadeus Mozart

Wenig Pikantes zum Verhältnis des Komponisten zu seinen prominenten Schülerinnen

In der Not frisst der Teufel Fliegen. Oder unterrichtet höhere Frauenzimmer. Dachte sich Mozart und korrigierte Gott ergeben nicht nur falsche Handhaltungen am Klavier sondern auch Oktavparallelen in den Kompositionsversuchen seiner eifrigen Schülerinnen.

Ein gefundenes Fressen für die feministische Musikwissenschaft. Im Jubiläumsjahr von der Musikwelt zu Tode gefeiert, wenn er es denn nicht schon wäre, kann er sich zudem nicht dagegen wehren, dass er nach Goethe scheinbar der Nächste ist: Mozart und die Frauen.

So das Motto bei den Wurzer Sommerkonzerten. Nach unzähligen "Meetings" mit einem gewissen Herrn Reger (an den er sich leider partout nicht erinnern kann), wurden ihm an einem trüben, verregneten Sonntagnachmittag in Wurz jedoch keine moralischen Fehltritte, sondern seine mehr oder minder talentierten Klavier- und Kompositionsschülerinnen noch einmal vor Augen geführt.

Ob's denn helle Wiedersehensfreude war, wir wissen es nicht. Aber die Musikwissenschaft weiß vieles zu berichten über Barbara von Ployer, Charlotte von Würben, Josepha von Auernhammer und viele mehr. Zusammengefasst von Bayern 4-Klassik Moderatorin Ilona Hanning, die durch diesen Konzertnachmittag führte. Auf dem Programm: Werke des Meisters selbst, so die Klaviersonate D-Dur KV 311 (den Töchtern der Familie Freysinger gewidmet), der Marsch funebre c-moll KV 453 (aus dem Stammbuch der Mozart-Schülerin Barbara von Ployer), Variationen über das "La belle Francoise". Außerdem Kompositionen von der in ihren Lehrer "verliebten Närrin" Josepha von Auernhammer (Variationen über "Der Vogelfänger bin ich ja") und Marianna Martines. Letztere, Haydn-Schülerin und zweifellos die Begabtere. Marianna Martines, gefördert durch Dichterfürst Metastasio und Mitglied der elitären "Accademia Filarmonica di Bologna". Ihre Sonate G-Dur verrät individuellen Stil und kompositorische Reife.

Vorgetragen wurden die Werke von Claudia Schweitzer am Cembalo. Ein Instrument so sensibel, zickig und anspruchsvoll wie manche Primadonna des 18. Jahrhunderts. Im feucht-kühlen ehemaligen Pferdestall gab es denn auch unüberhörbar seine "Verstimmtheit" ob der unangemessenen Umgebung bekannt. Da halfen auch alle besänftigenden Stimmversuche in der Pause nichts. Davon unberührt, das interessiert lauschende Wurzer Publikum und wohl auch Mozart, der am Ende erleichtert aufatmete, da die eingangs gestellte, pikante Frage "War Mozart ein Frauenheld?" aus Zeit- oder Pietätgründen außen vor blieb.


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