Püchersreuth/Wurz
Jugendliche Könner virtuos interpretiert
Mendelssohn Kammerorchester Leipzig und Astrid Werner überzeugen beim Wurzer Sommer
Nicht das ganze Mendelssohn Kammerorchester Leipzig, aber fünf Stimmführer und die Sopranistin Astrid Werner hinterließen einen tiefen Eindruck bei den fast zweihundert Gästen des 19. Wurzer Sommers.Unsichere Witterung hatte erneut das Gartenkonzert vereitelt, doch die Akustik in der St. Matthäuskirche erwies sich für die Werke der einstigen "Wunderkinder" Mozart, Felix Mendelssohn-Bartholdy, und der Jugendtalente Gioacchino Rossini und Benjamin Britten als ideal.
Für den erkrankten ersten Konzertmeister Gunnar Harms machte zweite Konzertmeisterin Petra Schwieger führungsstark und durch makelloses Können eine glänzende Figur. Zusammen mit ihren jungen Kollegen, der zweiten Geigerin Lydia Dobler, dem Bratschisten Matthias Weise, dem Cellisten Gregor Nowak und dem ungemein lebendigen Benjamin Wand am Kontrabass, stellte die Geigerin die in jungen Jahren geschaffenen Dichtungen großer Meister hinreißend frisch vor.
Mancher hatte es sicher vergessen, das Mozart als Sechzehnjähriger sein überaus beliebtes Divertimento D-Dur KV 136 geschaffen hatte. In heiterer Leichtigkeit entworfen, gab das Stück den beiden Violinistinnen Gelegenheit für einen herrlichen virtuosen Wettstreit. Astrid Werner gefiel in voller Liebessehnsucht in der Konzertarie "Conservati fedele", die sie, jede Koloratur selbst genießend, als Hochgenuss bot. Zu einer frappanten Neuentdeckung, von der sich viele Hörer von Herzen ein sofortiges "da capo" gewünscht hätten, wurde die letzte der sechs Streichersonaten von Gioacchino Rossinis, der diese als Zwölfjähriger während eines sommerlichen Aufenthaltes auf dem Lande komponiert hatte. Da der Gastgeber Kontrabass spielte, fiel die Streichquartettbesetzung mit zwei Violinen, Cello und Bass entsprechend originell aus und machte Lust auf die übrigen fünf Werke. Einem attraktiven, von Einfällen nur so gespickten Allegro spiritoso, folgte ein klagendes Andante, bevor das packende Naturgemälde eines heftigen Gewitters mit Wind und prasselndem Regen beim Schlusssatz "Tempesta" geradezu filmische Szenen sichtbar werden ließ.
Sehr romantisch mit vielen Schattierungen boten die Leipziger ihren Namenspatron durch seine Jugendsinfonie vor, bevor Benjamin Brittens "Simple Symphony" erklang, ursprünglich für ein Schulorchester geschrieben. Acht Kindheitsthemen verarbeitete der Komponist, je zwei pro Satz, in seiner ungestümen "Boisterous Bourrée", dem von allen Akteuren vollständig gezupften Satz "Playful Pizzicato", der fast zum Kitsch gereichenden "Sentimental Sarabande", in der Petra Schwieger ihr ganzes Klangvermögen ausspielte, und dem unbändig lebensfrohen "Frolicsome Finale".
Und weil der Applaus gar nicht enden wollte, die Wurzer St. Matthäuskirche noch dazu heuer genauso den 250. Geburtstag feiern kann wie W. A. Mozart, ließen die Leipziger als Zugabe nochmals das Andante aus dem Divertimento erklingen.
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