Wurz
Sternstunde der diesjährigen Saison
Das Ciurlionis-Quartett aus Litauen begeistert bei den Wurzer Sommerkonzerten
So muss Mozart klingen. Dann klappt's auch mit dem Kritiker. Auch wenn in der Zugabe nicht die "Kleine Nachtmusik" erklang, sondern ein witziges "Nachtmusik goes traditionell". Die paar Fetzen Mozart original reichten aus, um zu erahnen, wie sie denn wirklich klingen soll.Mozarts "Kleine Nachtmusik", der an gleicher Stelle eine Woche zuvor eine äußerst denkwürdige Aufführung widerfuhr - Schwamm drüber. Denn was das Wurzer Publikum am Sonntagnachmittag zu hören bekam, ließ nicht nur das Kritikerherz höher schlagen.
Kaum enden wollender Applaus der rund hundert Zuhörer, Zugaben fordernd. Vereinzelte Bravorufe. Und das mit Recht. Das Urteil der Nürnberger Presse, welche das Ciurlionis-Quartett euphorisch zu einem der "besten Streichquartette der Welt" erklärt hat, ist vielleicht ein bisschen dick aufgetragen. Aber kurz nach Verklingen des letzten Tones war man schon geneigt, sich dem anzuschließen.
Und auch bei nüchternem Tageslicht betrachtet bleibt der hervorragende Eindruck, den die vier Herren aus Litauen hinterließen. Auf dem Programm ausschließlich Werke in Moll. Mozarts Adagio und Fuge c-Moll, das Streichquartett c-Moll von Namensgeber Mikolajus Konstantinas Ciurlionis und Edvard Griegs Streichquartett g-Moll. Kurzfristig eingeschoben sechs litauische Volkslieder von Landsmann Giedrius Kuprevicius. Und doch geriet das Ganze nicht zu einem trüb-melancholischen Schwelgen in Schwermütigkeit.
Im Gegenteil. Transparent-luzid der homogene Quartettklang, impulsiv und spannungsgeladen das Zusammenspiel. Ungemein spannend. Da blieb kein einziger Ton ohne Sinn und "dramaturgische" Logik. Ob im spätromantischen Streichquartett des Reinecke-Schülers Ciurlionis (wunderschön der hoch expressive Andante-Satz!) oder in Griegs Streichquartett g-Moll, das an diesem Nachmittag trotz mitreißender Leidenschaft glasklar gezeichnet daherkam. Mit viel Spielwitz die "bartókesken" Volkslieder von Kuprevicius. Auch hier trübte kein Stäubchen die Klarheit und hohe Artikulationskunst der vier Herren aus dem Norden. Immer wieder sorgte Jonas Tankevicius am ersten Pult für betörende Momente. Und wer Cellist Saulius Lipcius beim letzten Zugabenstück, Pachelbels Kanon D-Dur, beobachtete, wie er mit geschlossenen Augen die anderen Stimmen nicht nur mithört, sondern miterlebt, der weiß, was dieses Ensemble auszeichnet:
Enormes musikalisches Verständnis eines jeden Einzelnen, das sich zu einem perfekten, homogenen Ganzen zusammenschließt. Eine Sternstunde der diesjährigen Saison.
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