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Von Anastasia Poscharsky-Ziegler  |  09.08.2006  | Netzcode: 10909462  |  154 Mal gelesen.
Püchersreuth/Wurz

Mozarts Zeitgenossen dem Vergessen entrissen

"Budapester Bläser" begeistern beim Wurzer Sommer in der Matthäuskirche neugieriges Publikum

Auch das fünfte Konzert dieses 19. Wurzer Sommers bot Neues zum spannenden Thema "Mit Mozart durch den Sommer". Das Konzert versammelte wegen Dauerregens die fast einhundert Konzertgäste aus halb Deutschland und weitem Umkreis in die St. Matthäuskirche.

In der hervorragenden Akustik des Kirchenraums stellte das Nonett der Budapester Bläser nicht nur Mozart selbst durch drei Harmoniemusikwerke vor, sondern auch drei seiner damals erfolgreichen Zeitgenossen, die dem Duchschnittspublikum heute mehr oder weniger unbekannt sind. Zehn Jahre seines kurzen Lebens war das Musikgenie Mozart per Kutsche auf Konzertreisen unterwegs gewesen, als Kind mit seiner Schwester Nannerl immer in Begleitung seines Vaters.

Joseph Haydns Bruder



Dieser musste während seiner langen und häufigen Abwesenheiten in seiner Funktion als Hof- und Vizekapellmeister des Salzburger Erzbischofs vertreten werden: durch Michael Haydn, den jüngeren Bruder des großen Joseph Haydn. Mit dessen freundlichem Divertimento in D-Dur eröffneten die Budapester Bläser (noch ohne Klarinetten) die Musikfolge anspruchsvoller Unterhaltungsmusik. Unter den fünf Sätzen gefiel besonders das neckende Motiv im Andante grazioso und der sehr sauber und sehr schnell ausgeführte Finalsatz im Presto.

Als enger Freund Mozarts war der Wiener Oboist Johann Nepomuk Wendt durch die Parthia B-Dur präsentiert, die der 2. Klarinettist Istvan Mail erst kürzlich in der Budapester Staatsbibliothek entdeckt hatte und nun mit seinem Ensemble zum Leben erweckte. Für den erkrankten langjährigen zweiten Oboisten des Ensembles Antal Hetesi war die junge Nora Barath eingesprungen. Sie bestand zur Freude ihrer (doch etwas angespannten Kollegen) ihre Feuertaufe bei Wendts Adagio: eine wundervolle Kantilene wechselte zu variierender Begleitung durch Hörner, Fagotte und Kontrabass immer wiederkehrend von der ersten Oboenstimme (immer hervorragend: Jozsef Kiss) zu den beiden Klarinetten (Kalman Berkes und Istvan Mali).

Zur Krönung des lebhaften Spiels wurde die Melodie schließlich der zweiten Oboe anvertraut, welche die Tonschönheit, den lebendigen Ausdruck und die raffinierte Farbigkeit ihrer älteren Kollegen genau bis auf das "i-Tüpfelchen" gekonnt nachahmte und davon in der Satzpause verdientes Lob vom Ensemble erhielt.

Die unbeschreibliche Weichheit der Hörner (Mikols Nagy und Laszlo Gal) im Dialog mit den Holzbläsern begeisterte bei Mozarts romantischer Es-Dur Serenade KV 375, bevor die Zuhörer besonders gespannt waren auf die Harmonie-Serenade F-Dur von Leopold Kozeluch, der zu Lebzeiten Mozarts geradezu vergöttert wurde. Und fragte man sich beim Zuhören "warum wohl?", bekam man die Antwort postwendend: Obwohl auch hier der Reichtum der Kompositionsgedanken, die Ambivalenz von Freude und Melancholie wie bei Mozart nie erreicht wurde, konnte man doch über die wirkungsvoll plazierten Effekte und Kunstgriffe, wie die überraschende Generalpause des studierten Juristen nur staunen.

Zum Abschluss wurde auch das falsche Bild des "süßen" Mozart korrigiert, denn seine Serenade c-Moll die "Nacht Musique" ist ein schwermütiges, tief ernstes Werk mit dramatischen Anklängen. Musikwissenschaftler forschen noch nach dem Anlass des für eine private fürstliche Bläserformation geschaffenen Werks, oder nach den Reaktionen des Publikums auf die geradezu schroffen Passagen.

Die "Kleine Lachmusik"



Als der Applaus für das erstklassige Konzert nicht enden wollte, spendierten die Ungarn noch einen Witz über Mozarts berühmteste Komposition, verwandelt zur "Kleinen Lachmusik" mit Versatzstücken von bayerischer Blasmusik bis zu Beethovens Fünfter. Wer Mozarts "Kleine Nachtmusik" noch in voller Schönheit genießen möchte, hat dazu am 12. August (18 Uhr) in Wurz durch das Kammerorchester "fonte di musica" beste Gelegenheit.


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