Regensburg
Religiöse Rock-Oper auf höchstem Niveau
Gerhard Platiels mitreißende Inszenierung von "Jesus Christ Superstar" im Velodrom-Theater Regensburg
Dass das oft nur als Musical bezeichnete Musiktheaterwerk mit dem Titel "Jesus Christ Superstar" aus der Feder von Andrew Lloyd Webber genauer betrachtet doch mehr als Rockoper gesehen werden muss, haben bereits einige Produktionen in den letzten drei Jahrzehnten erkannt.Denn wenngleich das Stück nicht die Härte einer echten Rockoper wie etwa "Tommy" der Kult-Band "The Who" aufweist, so lebt das im Jahre 1971 am Broadway uraufgeführte Werk Webbers doch erheblich von seiner Power und seinen soulig-rockigen Passagen. Die jetzige Produktion am Theater Regensburg, die unter der Regie von Gerhard Platiel, dem Bühnenbild und den Kostümen von Walter Perdacher sowie der musikalischen Gesamtleitung von Joseph L. Trafton entstand, trifft den Charakter des Stück auf mitreißende Weise.
Lob für die Band
Ein großes Lob gebührt in diesem Zusammenhang auch dem Leiter und Pianisten der "Piu Piu Band", Ulli Forster, der seine zehnköpfige Truppe mit den wirklich packenden, oft in verzerrtem Sound agierenden E-Gitarren, dem erdig treibenden Groove der Rhythmusgruppe und den originell gesetzten und sauber intonierten Bläsersätzen voll im Griff hat. Die Formation präsentiert kunstvolle Rockmusik auf hohem Niveau.
Schade ist lediglich, dass die hervorragende Band vom Publikum nicht zu sehen ist. Aber auch die Choreographie von Olaf Schmidt und die allgemeinen Bewegungsvorgänge, welche die Weite und Tiefe der metallisch-futuristisch gestalteten Bühne beeindruckend ausloten, tragen zur Klasse der Inszenierung bei.
Selbiges gilt auch für die Beleuchtung von Klaus Herbert Welz, welche an Schlüsselstellen jeweils eine verdichtete Atmosphäre erzeugt. Die zeitgenössischen Kostüme im Stile einer Motorradgang und Details wie wenn zum nachdenklichen "Traum des Pilatus" gleichnamiger auf einem Feuerstuhl einrollt, komplettieren das allzeit innovative Bild.
Einen Glücksgriff tat das Theater Regensburg mit der Verpflichtung des Gasttenors Chris Murray als Jesus. Mit einer hervorragend verständlichen Artikulation und einer Soul-Stimme, die auch in berauschenden Höhen noch eine ausdrucksstarke Power über die Bühne bringt sowie mit einer starken schauspielerischen Leistung begeistert er in dieser Produktion. Auch Ilonka Vöckel als Maria Magdalena, Martin-Jan Nijhof als Pontius Pilatus, Johann Smári Saevarsson als Kaiphas und Karsten Münster in der Rolle des Herodes sowie viele andere Mitwirkende tragen zum hohen Niveau der Produktion bei.
Intensiver Applaus
Der als Gast engagierte Previn Moore allerdings konnte am Premiereabend lediglich stimmlich überzeugen. Die Artikulation des deutschen Textes bereitete ihm erhebliche Probleme und das obwohl das Tempo nicht allzu schnell angelegt war. So blieb er während der gesamten Aufführung kaum zu verstehen. Da Probleme dieser Art am Theater Regensburg in den letzten Jahren und auch in dieser aktuellen Spielzeit immer wieder zutage traten und treten, sollten die Verantwortlichen bei der Wahl der Besetzungen hier in Zukunft doch etwas mehr Gewicht auf diesen Aspekt legen.
Dem mitreißenden Gesamteindruck dieser Produktion kann dieses Manko kaum etwas anhaben. So war der lang anhaltende und intensive Applaus im gut gefüllten Theater im Velodrom am Premiereabend absolut gerechtfertigt.
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