Oberpfalznetz.de > Nachrichten > Kultur > Religiöse Rock-Oper auf höchstem Niveau

Von Stefan Rimek  |  16.05.2006  | Netzcode: 10877417  |  438 Mal gelesen.
Regensburg

Religiöse Rock-Oper auf höchstem Niveau

Gerhard Platiels mitreißende Inszenierung von "Jesus Christ Superstar" im Velodrom-Theater Regensburg

Dass das oft nur als Musical bezeichnete Musiktheaterwerk mit dem Titel "Jesus Christ Superstar" aus der Feder von Andrew Lloyd Webber genauer betrachtet doch mehr als Rockoper gesehen werden muss, haben bereits einige Produktionen in den letzten drei Jahrzehnten erkannt.

Denn wenngleich das Stück nicht die Härte einer echten Rockoper wie etwa "Tommy" der Kult-Band "The Who" aufweist, so lebt das im Jahre 1971 am Broadway uraufgeführte Werk Webbers doch erheblich von seiner Power und seinen soulig-rockigen Passagen. Die jetzige Produktion am Theater Regensburg, die unter der Regie von Gerhard Platiel, dem Bühnenbild und den Kostümen von Walter Perdacher sowie der musikalischen Gesamtleitung von Joseph L. Trafton entstand, trifft den Charakter des Stück auf mitreißende Weise.

Lob für die Band



Ein großes Lob gebührt in diesem Zusammenhang auch dem Leiter und Pianisten der "Piu Piu Band", Ulli Forster, der seine zehnköpfige Truppe mit den wirklich packenden, oft in verzerrtem Sound agierenden E-Gitarren, dem erdig treibenden Groove der Rhythmusgruppe und den originell gesetzten und sauber intonierten Bläsersätzen voll im Griff hat. Die Formation präsentiert kunstvolle Rockmusik auf hohem Niveau.

Schade ist lediglich, dass die hervorragende Band vom Publikum nicht zu sehen ist. Aber auch die Choreographie von Olaf Schmidt und die allgemeinen Bewegungsvorgänge, welche die Weite und Tiefe der metallisch-futuristisch gestalteten Bühne beeindruckend ausloten, tragen zur Klasse der Inszenierung bei.

Selbiges gilt auch für die Beleuchtung von Klaus Herbert Welz, welche an Schlüsselstellen jeweils eine verdichtete Atmosphäre erzeugt. Die zeitgenössischen Kostüme im Stile einer Motorradgang und Details wie wenn zum nachdenklichen "Traum des Pilatus" gleichnamiger auf einem Feuerstuhl einrollt, komplettieren das allzeit innovative Bild.

Einen Glücksgriff tat das Theater Regensburg mit der Verpflichtung des Gasttenors Chris Murray als Jesus. Mit einer hervorragend verständlichen Artikulation und einer Soul-Stimme, die auch in berauschenden Höhen noch eine ausdrucksstarke Power über die Bühne bringt sowie mit einer starken schauspielerischen Leistung begeistert er in dieser Produktion. Auch Ilonka Vöckel als Maria Magdalena, Martin-Jan Nijhof als Pontius Pilatus, Johann Smári Saevarsson als Kaiphas und Karsten Münster in der Rolle des Herodes sowie viele andere Mitwirkende tragen zum hohen Niveau der Produktion bei.

Intensiver Applaus



Der als Gast engagierte Previn Moore allerdings konnte am Premiereabend lediglich stimmlich überzeugen. Die Artikulation des deutschen Textes bereitete ihm erhebliche Probleme und das obwohl das Tempo nicht allzu schnell angelegt war. So blieb er während der gesamten Aufführung kaum zu verstehen. Da Probleme dieser Art am Theater Regensburg in den letzten Jahren und auch in dieser aktuellen Spielzeit immer wieder zutage traten und treten, sollten die Verantwortlichen bei der Wahl der Besetzungen hier in Zukunft doch etwas mehr Gewicht auf diesen Aspekt legen.

Dem mitreißenden Gesamteindruck dieser Produktion kann dieses Manko kaum etwas anhaben. So war der lang anhaltende und intensive Applaus im gut gefüllten Theater im Velodrom am Premiereabend absolut gerechtfertigt.

Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen

Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.

Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.


Heute

Regensburg

Ein Künstler macht Regensburg bunt

Seit fast 20 Jahren verschönert Oleg Kuzenko Hausfassaden, Innenräume und Parkhäuser der Stadt

Oleg Kuzenko ist ein Allround-Künstler. Egal ob Leinwände, Möbel, Uhren, Hausfassaden oder Parkhauswände: Was dem gebürtigen Ukrainer in die Quere kommt, wird gnadenlos bemalt. Nachdem er bereits im mehr...
Zum Artikel: Orgelkonzert in markgräflicher Atmosphäre

Bayreuth

Orgelkonzert in markgräflicher Atmosphäre

Anna-Victoria Baltrusch gastiert bei "Musica Bayreuth"

1989 wurde sie in Berlin geboren, erhielt bereits mit fünf Jahren Klavierunterricht. Anna-Victoria Baltrusch ist sechsfache Preisträgerin des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert" in den Kategorien mehr...

Regensburg

Oper, Requiem und Nachtkonzerte

Tage Alter Musik in Regensburg bieten von 25. bis 28. Mai ein breitgefächertes Programm

Am Pfingstwochenende vom 25. bis 28. Mai finden zum 28. Mal die "Tage Alter Musik" in Regensburg statt. Für die Fachwelt zählen sie zu den weltweit renommiertesten und traditionsreichsten Festivals mehr...
Zum Artikel: Musical Sommer

Die Sage vom gar nicht kühnen Recken

Das Kindermusical "Ritter Kamenbert" feiert auf der Luisenburg eine gelungene Premiere

Wunsiedel.Ach, es ist schon ein Drama mit den Geschlechterrollen im 21. Jahrhundert: Die jungen Männer wollen einfach keine Machos, pardon, kühnen Recken mehr sein. Dafür gebärden sich die jungen mehr...

Oldenburg

Ein komischer Kauz mit Hut

Jos Schnurer hat sich an einem Kriminalroman versucht

Er war schon immer irgendwie ein komischer Kauz: der Doktor Huth von der Kriminalpsychologie. Komisch, aber nicht uninteressant. Denn der Mann, der seinem Namen verpflichtend nicht ohne Hut aus dem mehr...
Zum Artikel: Hinter der Idylle

Haag an der Amper

Hinter der Idylle

In Wolfgang Ammers erstem Krimi ist es vorbei mit der Ruhe im Ampertal

Es ist ein sogenannter Ampertal-Krimi, den Wolfgang Ammer unlängst im Oldenburger Schardt-Verlag vorgelegt hat. Und nicht nur der Leser stutzt über die sonderbaren Vorkommnisse im vermeintlich mehr...

Weiden/München

"Ich bin es nicht gewöhnt, kürzer zu treten"

"Unser Leben ist voller Politik": Der Kabarettist Dieter Hildebrandt wird 85 Jahre alt

Einst war er Platzanweiser im Münchner Kabarett "Kleine Freiheit", heute ist Dieter Hildebrandt selbst der wohl bekannteste Kabarettist Deutschlands. Am heutigen Mittwoch wird er 85 Jahre alt und mehr...

Amberg

Jung, frisch und mit selten gehörter Perfektion

"Metropol Chamber Orchestra" bietet außergewöhnliches Konzerterlebnis im Amberger Kongregationssaal

Welch ein Debüt! Das erst jüngst von Studenten der Hochschule für Musik in Nürnberg gegründete "Metropol Chamber Orchestra" begann seine Karriere gleich mit zwei Konzerten an einem Tag. mehr...