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Von Anastasia Poscharsky-Ziegler  |  06.05.2006  | Netzcode: 10873678  |  409 Mal gelesen.
Niederpöcking

Heimat ist stets das Verlorene

Zu Gast bei den 22. Weidener Literaturtagen: die Autorin Monika Gräfin Czernin - Teil XI

Als freie Autorin, Zeitungs- und Fernsehjournalistin lebt Monika Gräfin Czernin, die 1965 in Klagenfurt geboren wurde, seit 1996 in München. Zu ihren Werken gehören "Jeden Augenblick ein Staunen" (1999), "Picassos Friseur. Geschichte einer Freundschaft" (2001), sowie der Bild-und Textband "Duino, Rilke und die Duineser Elegien" (2004). Monika Gräfin Czernin nimmt mit "Ich habe zu kurz gelebt. Die Geschichte der Nora Gräfin Kinsky" an der ersten Kollektivlesung (12. Mai, 20 Uhr, Kulturzentrum "Hans Bauer"), sowie an der Literarischen Talkrunde (13. Mai, 10.30 Uhr im Medienhaus "Der neue Tag") teil.

Heimat ist das Gegenteil von Fremde, das Museum unserer Kindheit, der Fluchtpunkt der Erinnerung. Welche Assoziationen fallen Ihnen zu "Heimat" spontan ein?

Gräfin Czernin: Heimat ist stets das Verlorene, die verlorene Kindheit, das Land der Väter, das Zuhause von gestern, die Kinderfotos, die Gassen einer Stadt, die ich vor Jahren entlanggelaufen bin, die Augen eines Menschen, der mir einmal vertraut gewesen ist.

Für den Philosophen Ernst Bloch war die Heimat die Zielsetzung allen Hoffens", niemals ein Ort, sondern ein Prozess. Für Hilde Domin war das Meer die Heimat, für Herbert Achternbusch ist sie das Ewige, Lautlose ... und für Sie?

Gräfin Czernin: Heimat ist für mich aber auch dort, wo ich bei mir selbst sein kann. Deshalb fühle ich mich wahrscheinlich auf Reisen so zu Hause - so daheim. Im Jadebuddha-Tempel von Shanghai, beim Wandern in den Alpen, in der transsibirischen Eisenbahn oder im ostafrikanischen Busch und in den Gassen von Stone-Town auf Sansibar. Heimat ist auch das Gefühl am ersten warmen Frühlingstag, der Anblick von Blumen, die ich gepflanzt habe und jedes Wort, jeder Blick meiner Tochter.

Wo liegt nun Ihre persönliche Heimat? Und welche Rolle spielt Heimat in Ihrem schriftstellerischen Werk?

Gräfin Czernin: Und trotzdem suche ich auch immer meine persönliche, meine biographische Heimat. Geboren und aufgewachsen bin ich in Kärnten, meine Familie stammt jedoch väterlicherseits aus Böhmen und mütterlicherseits aus Bayern. Die Czernins sind eine uralte böhmische Adelsfamilie, die Familie meiner Mutter war klassisches Münchner Bürgertum. Erwachsen geworden bin ich beim Studium in Wien und bei der samtenen Revolution in Prag. Alles dies sind Orte und geographische Bezüge, die ich in meinen Büchern und Dokumentafilmen immer wieder umkreise, denn ohne die Vergangenheit zu kennen, kann man die Zukunft nicht verstehen. Und ohne die biographische Heimat zu kennen, kann man vielleicht sich selbst nicht verstehen.

Woran arbeiten Sie gerade?

Gräfin Czernin: Zur Zeit arbeite ich an meinem neuen Buch, der Geschichte der ersten deutschen Kolonialschriftstellerin. Und komischerweise hat diese Geschichte auch wieder etwas mit Heimat zu tun. So wie viele andere Deutsche damals wurde dieser Frieda von Bülow Tansania, damals Deutsch-Ostafrika, und dort vor allem ihre Farm Tanga zur Heimat. Ganz explizit sagt sie das, und als sie Ostafrika verlassen und zurück nach Deutschland gehen muss, hat sie das Gefühl, ihre Heimat zu verlieren. Eigenartig, und doch kann ich dieses Heimatgefühl nachvollziehen - siehe meine Antwort zu Frage zwei.

Sind Ihnen die Literaturtage ein Begriff? Mit welchen Erwartungen kommen Sie nach Weiden?

Gräfin Czernin: Ich habe schon einiges von den Weidener Literaturtagen gehört und freue mich schon sehr, daran teilnehmen zu dürfen.

Weitere Informationen:

www.weidener-literaturtage.de

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