Salzburg
"Heimat ist auch bewegliches Gut"
Zu Gast bei den 22. Weidener Literaturtagen: der Autor Jochen Jung - Teil X
Salzburg. Jochen Jung, geboren 1942 in Frankfurt am Main, aufgewachsen in Eckernförde an der Ostsee, lebt in Salzburg. Studium der Germanistik und Kunstgeschichte in Zürich, Berlin und München. Von 1975 bis 2000 war er zuerst Lektor und dann viele Jahre Leiter des Residenz Verlags in Salzburg.
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| Jochen Jung. (Bild: Haymon Verlag) |
Heimat ist das Gegenteil von Fremde, das Museum unserer Kindheit, der Fluchtpunkt der Erinnerung. Welche Assoziationen fallen Ihnen zu "Heimat" spontan ein?
Jung: Ich gebrauche das Wort Heimat nie, aber ich ahne dessen Bedeutung je nachdem, wer mir gegenübersitzt.
Für den Philosophen Ernst Bloch war Heimat die "Zielsetzung allen Hoffens", niemals ein Ort, sondern ein Prozess. Für Hilde Domin war das Meer die Heimat, für Herbert Achternbusch ist sie das Ewige, Lautlose ... und für Sie?
Jung: Für mich ist "Heimat" das Herkommen, also kein Prozess, sondern der Ort, an dem mir zentrale Dinge zum ersten Mal begegnet sind: das Wetter, das Essen, die Liebe.
Wo liegt Ihre persönliche Heimat? Ist das ein Garten, eine Stadt, oder wo der Schreibtisch steht?
Jung: Ich bin in Frankfurt geboren, an der Ostsee in Schleswig-Holstein aufgewachsen, und jetzt lebe ich länger als irgendwo sonst in Salzburg, wo man an meiner Sprache sofort hört, dass ich da nicht herkomme. Nein, meine persönliche Heimat, das bin ich selber. Nirgendwo fühle ich mich mehr zu Hause, ist mir alles vertrauter,als bei mir selbst. Darum ist Heimat auch für mich ein bewegliches Gut.
Was trennt Sie von der Heimat?
Jung: Im Sinne von sieh oben: nichts, oder höchstens meine Laune mir selbst gegenüber.
Welche Rolle spielt Heimat in Ihrem schriftstellerischen Werk?
Jung: In meinem Roman "Venezuela" verlässt jemand seine Heimat, um ihr in der Fremde auf eine Art wiederzubegegnen, die für ihn tödlich ausgeht.
Woran arbeiten Sie gerade?
Jung: An den Klappentexten für unser Herbstprogramm: im Haupt-/Neben-beruf bin ich nämlich auch noch Verleger.
Sind Ihnen die Literaturtage ein Begriff? Mit welchen Erwartungen kommen Sie nach Weiden?
Jung: Freundliche und lebendige Kollegen zu treffen und ein freundliches und lebendiges Publikum.





































































































