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Von Anastasia Poscharsky-Ziegler  |  06.04.2006  | Netzcode: 10863550  |  1569 Mal gelesen.
Wien

Heimat als Begriff der Abgrenzung

Zu Gast bei den 22. Weidener Literaturtagen: die Autorin Sabine Gruber - Teil VI

Wien. In Meran wurde Sabine Gruber im Jahr 1963 geboren. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft in Innsbruck und Wien. Von Sabine Gruber erschienen 1996 der Roman "Aushäusige" und

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sabine gruber
Sabine Gruber. (Bild: Marko Lipus)
In Meran wurde Sabine Gruber im Jahr 1963 geboren. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft in Innsbruck und Wien. Von Sabine Gruber erschienen 1996 der Roman "Aushäusige" und 2002 der Lyrikband "Fang oder Schweigen". Sabine Gruber liest in der 2. Kollektivlesung (13. Mai, 20 Uhr, Regionalbibliothek) aus ihrem neuen Buch "Die Zumutung".

Heimat ist das Gegenteil von Fremde, das Museum unserer Kindheit, der Fluchtpunkt der Erinnerung. Welche Assoziationen fallen Ihnen zu "Heimat" spontan ein?

Gruber: Ich mag das Wort "Heimat" nicht, es diente in Südtirol als Nationalbegriff, als Abgrenzung. In jener "Heimat" hatten die Italiener und Ausländer keinen Platz, sie sind bis heute nur geduldet. Ich bin in Südtirol aufgewachsen, in beiden Kulturen, weder "Heimat", noch "patria" sind Begriffe, die auf mein Leben zutreffen. Jorge Semprun sagt: "Nicht Sprache ist Heimat, sondern das, was gesprochen wird." Was in Südtirol von einer bestimmten und leider auch bestimmenden politischen Seite gesprochen wurde und zum Teil immer noch gesprochen wird, möchte ich nicht mehr hören.

Für den Philosophen Ernst Bloch war die Heimat die Zielsetzung allen Hoffens", niemals ein Ort, sondern ein Prozess. Für Hilde Domin war das Meer die Heimat, für Herbert Achternbusch ist sie das Ewige, Lautlose ... und für Sie?

Gruber: Zu Hause bin ich, wenn mein Körper einigermaßen funktioniert, wenn er auch das "Wunder der Selbstvergessenheit" (Gadamer) zulässt. Vielleicht ist meine "Heimat" ein Zustand, der mich leben/überleben lässt, ohne mich ständig an den Tod zu erinnern, die so genannte Normalität der Gesunden, die ich mir auch für mich selber wünsche.

Wo liegt Ihre persönliche Heimat? Ist das ein Garten, eine Stadt oder wo der Schreibtisch steht?

Gruber: Wohl aufgrund meiner Sozialisation lebe ich abwechselnd in Österreich und in Italien. Ich bin aber auch für andere Orte offen. Der Zufall darf mitentscheiden.

Was trennt Sie von der Heimat?

Gruber: Alles, was ich damit assoziiere: das Provinzielle, Xenophobische, das dem Begriff anhaftet.

Welche Rolle spielt Heimat in Ihrem schriftstellerischen Werk?

Gruber: In meinem ersten Roman "Aushäusige" habe ich versucht, den beiden Positionen Heimat-Literatur/ Anti-Heimat-Literatur etwas entgegenzusetzen, dem nicht mit diesen Kategorisierungen beizukommen ist. Der zweite Roman "Die Zumutung" handelt von der ungemütlichen "Heimat" eines kranken Körpers.

Woran arbeiten Sie gerade?

Gruber: Ich schreibe an meinem dritten Roman, "Furchtbares Glück"; er wird hoffentlich im Februar 2007 beim C. H. Beck-Verlag erscheinen. Außerdem arbeite ich an einem neuen Gedichtband.

Sind Ihnen die Literaturtage ein Begriff? Mit welchen Erwartungen kommen Sie nach Weiden?

Gruber: Ich war noch nie in Weiden, und ich freue mich auf die Stadt, auf die Kolleginnen und Kollegen und selbstverständlich auf ein neugieriges Publikum.

Weitere Informationen:


www.weidener-literaturtage.de
www.sabinegruber.at


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