Von
Stefan Voit |
05.04.2006
| Netzcode: 10863067 | 2174 Mal gelesen.
Tübingen
Heimat als Utopie, verknüpft mit Liebe
Zu Gast bei den 22. Weidener Literaturtagen: die Schriftstellerin Sandra Hoffmann - Teil V
Tübingen. Nach einer Ausbildung als Jugend- und Heimerzieherin und Arbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie studiert Sandra Hoffmann Literaturwissenschaft, Mediävistik und Italianistik. Gleichzeitig arbeitet sie am Lehrstuhl für Komparatistik der Universität Tübingen und für die Tübinger Poetikdozentur.
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| Sandra Hoffmann: bald zu Gast in Weiden. (Bild: Verlag) |
Seit 2003 lebt sie als freie Autorin und organisiert und moderiert die Lesereihe buch&bühne am Landestheater Tübingen und am Theater und Philharmonischen Orchester Heidelberg. 2002 erschien ihr erstes Buch "schwimmen gegen blond. eine erzaehlung in 52 tagen." 2004 erschien ihr Roman "Den Himmel zu Füßen". (C.H. Beck Verlag).
Heimat ist das Gegenteil von Fremde, das Museum unserer Kindheit, der Fluchtpunkt der Erinnerung. Welche Assoziationen fallen Ihnen zu "Heimat" spontan ein? Hoffmann: Heimat ist vielleicht in manchen Lebenssituationen auch nur der eigene Körper, oder das ICH, oder eben etwas was im Kopf zu Hause ist. Manchmal kann es auch ein anderer Mensch sein.
Für den Philosophen Ernst Bloch war Heimat die "Zielsetzung allen Hoffens", niemals ein Ort, sondern ein Prozess. Für Hilde Domin war das Meer die Heimat, für Herbert Achternbusch ist sie das Ewige, Lautlose ... und für Sie? Hoffmann: Etwas was unabdingbar mit mir selbst zu tun hat. Ja, vielleicht ein Weg irgendwohin, eine ständige Suche.
Wo liegt Ihre persönliche Heimat? Ist das ein Garten, eine Stadt, oder wo der Schreibtisch steht?
Hoffmann: Ich weiß es nicht. Es ist nicht die Gegend in der ich geboren und aufgewachsen bin, es ist nicht die Stadt, in der ich seit langem lebe. Es ist, wie Sie sagen, wenn man es örtlich benennen will, am ehesten noch mein Schreibtisch, aber ich erinnere, dass ich schon häufiger an einem Ort gesagt habe, hier fühle ich mich zu Hause (zum Beispiel auf Stromboli/Lip. Inseln), aber ist das dann ein Gefühl von Heimat? Vielleicht ist Heimat eher ein Zustand, eine Utopie, eine Sehnsucht, wie ich sie im Moment habe, stark verknüft mit der Liebe.
Welche Rolle spielt Heimat in Ihrem schriftstellerischen Werk? Hoffmann: In meinem zweiten Buch, dem Roman "Den Himmel zu Füßen" spielt der Katholizismus eine große Rolle; eine sehr katholische Großmutter ist eine der Hauptfiguren und sie hat viel mit meiner Prägung zu tun. Ich bin mitten im katholischen Oberschwaben aufgewachsen, und auch wenn ich längst aus der Kirche ausgetreten bin, begleitet mich die Frage nach dem Glauben nach wie vor. Der Glaube soll/kann einem ja auch, nach Ansicht Gläubiger, Heimat sein, vielleicht ist er ja aber nur ein Fluchtort? In "schwimmen gegen blond" meinem ersten Buch, erinnere ich mich gerade, steht glaub ich auch irgendwo der Satz: "zu Hause - das musste erst werden." -Vielleicht ist ja Heimat das, was ich die ganze Zeit suche? Auch beim Schreiben.
Woran arbeiten Sie gerade? Hoffmann: An einem Roman, der nächstes Jahr bei C.H.Beck erscheinen soll.
Sind Ihnen die Literaturtage ein Begriff? Mit welchen Erwartungen kommen Sie nach Weiden? Hoffmann: Nein, die Literaturtage Weiden waren mir kein Begriff: aber ich freue mich, dass ich eingeladen bin, das Programm gefällt mir, die Kombination Schullesung und normale Lesung finde ich gut, ich bin sehr gespannt, und wenn Sie wollen sagen ich Ihnen danach gerne wie es mir gefallen hat.
Weitere Informationen:
www.weidener-literaturtage.de
www.hoffmannserzaehlungen.de
Weiden
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