Neuhaus
Moderne Jazzklänge unter alten Dachbalken
Bayerisch-Böhmische Begegnungen im Schafferhof haben längst Tradition
Mittlerweile ist es schon Tradition: das Jazzkonzert anlässlich der Bayerisch-Böhmischen Kultur- und Wirtschaftstage, organisiert vom Jazz-Zirkel-Weiden. Waren bisher die altehrwürdigen Gewölbe der Regionalbibliothek in Weiden Schauplatz des Geschehens, so fand man sich diesmal unter den gewaltigen Holzbalken des Konzertstadels im Schafferhof in Neuhaus wieder.Den Anfang machte das Modern String Quartet, das gerade sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Schon einmal, vor 17 Jahren, präsentierte dieses mit zwei Geigen, Bratsche und Cello "klassisch" besetzte Streichquartett seine Auffassung von Crossover dem Weidner Publikum beim damaligen "Zelt-Festival".
Diesmal stand ihr Auftritt ganz unter dem Motto "Wasser" und es erklangen Interpretationen aus den unterschiedlichsten Musikgenres. Neben Herbie Hancocks "Cantaloupe Island" und "Dolphin Dance" wurden Klassiker von Debussy, Händel und Chopin zu neuem Leben erweckt. Dabei wurden die Themen von den Musikern umgestaltet und rhythmisch runderneuert. Anders als vor 17 Jahren verzichtet man nun völlig auf Noten, und es ist unglaublich, mit welcher Sicherheit und Dynamik auch schwierigste Passagen gemeistert werden, auch wenn sich unter die sensiblen Klänge immer wieder das Knarren der Fußbodenbretter und Tritte auf der Holztreppe mischten. Ein furioser Ausklang war Jörg Widmosers Eigenkomposition "Wasserspiele" mit einem unglaublichen Solo von Jost-H. Hecker auf dem Cello, sowie Miles Davis Ohrwurm "All Blues", bei dem die Farbe Blau noch einmal klangmalerisch umgesetzt wurde.
Als Zugabe gab es dann noch ein Werk, bei dem der rhythmische Aspekt der Instrumente ausgelotet wurde und mit Klappern und Klopfen ein ganzes Perkussionsensemble ersetzt wurde.
Mit Josef Vejvoda verbinden den Jazz-Zirkel schon von Anfang an enge Bande. Immer wieder gastierte er in den letzten Jahrzehnten mit den unterschiedlichsten Formationen in Weiden, unvergesslich sind seine Auftritte mit dem Trompeter Laco Deczi. Diesmal hatte der Schlagzeuger sein eigenes Trio mit Ondrej Stajnochr am Kontrabass und Krystof Marek am Klavier mitgebracht.
Obwohl nur Eigenkompositionen im Repertoire sind, pflegt man doch den amerikanischen "Modern Jazz" in Reinkultur. Hier swingt es wie eh und je, die solistischen Eskapaden werden mit Szenenapplaus belohnt, und die Musiker improvisieren nach Herzenslust und werfen sich musikalische Ideen wie Spielbälle zu. Wenn sich dann noch Stepan Markovic mit dem Tenorsax dazugesellt, glaubt man sich in einen Jazzkeller der 60er Jahre zurückversetzt, als der Begriff "Jazz" noch eindeutig definiert war und Spiellaune und Spaß im Mittelpunkt standen.
So gelang es bei den Bayerisch-Böhmischen Begegnungen wieder einmal, Gräben zwischen Intellekt und Gefühl, aber auch zwischen den musikalischen Klangwelten zu überbrücken. Das Publikum honorierte beide Darbietungen mit lang anhaltendem Applaus!
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