Weiden
"Meine Heimat ist ein Schiff aus Papier"
Zu Gast bei den 22. Weidener Literaturtagen: der Schriftsteller Uwe Tellkamp - Teil IV
1968 in Dresden geboren, studierte Uwe Tellkamp in Leipzig, New York und Dresden Medizin und arbeitete als Arzt an einer unfallchirurgischen Klinik. 2000 erschien sein Debütroman "Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café". Für seine Lyrik bereits mehrfach ausgezeichnet, erhielt Uwe Tellkamp 2004 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Im Rowohlt Verlag erschien sein aktueller Roman "Der Eisvogel".Uwe Tellkamp ist Gast bei den 22. Weidener Literaturtagen und liest in der 1. Kollektivlesung am 12. Mai (20 Uhr) im Kulturzentrum "Hans Bauer". Die Kulturredaktion führte mit ihm dieses Interview.
Heimat ist das Gegenteil von Fremde, das Museum unserer Kindheit, der Fluchtpunkt der Erinnerung. Welche Assoziationen fallen Ihnen zu "Heimat" spontan ein?
Tellkamp: Mir nahestehende Menschen. Der Westminstergong in der "Karavelle", dem Haus meiner Kindheit in Dresden. Die Fotografien der Segelschiffe im "Tausendaugenhaus". Gerüche nach den alten Apfel- und Birnensorten, die es am Elbhang in Dresden immer noch gibt.
Für den Philosophen Ernst Bloch war Heimat die "Zielsetzung allen Hoffens", niemals ein Ort, sondern ein Prozess. Für Hilde Domin war das Meer die Heimat, für Herbert Achternbusch ist sie das Ewige, Lautlose ... und für Sie?
Tellkamp: Meine Heimat ist ein Schiff aus Papier, unterwegs im Ozean auf zwei Beinen.
Wo liegt Ihre persönliche Heimat? Ist das ein Garten, eine Stadt oder wo der Schreibtisch steht?
Tellkamp: In der Hauptstadt der Kartographen.
Was trennt Sie von der Heimat?
Tellkamp: Die vergehende Zeit.
Welche Rolle spielt Heimat in Ihrem schriftstellerischen Werk?
Tellkamp: Schreiben ist der Versuch, Heimat wiederzugewinnen.
Woran arbeiten Sie gerade?
Tellkamp: An meinem 3. Roman, "Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land".
Sind Ihnen die Literaturtage ein Begriff? Mit welchen Erwartungen kommen Sie nach Weiden?
Tellkamp: Bisher waren mir die Weidener Literaturtage kein Begriff. Ich freue mich, eingeladen worden zu sein, und habe keine Erwartungen. Nur eine Hoffnung - das Publikum möge sagen: Nicht schlecht, was diese Literaten zu bieten hatten.
Weitere Informationen:
www.weidener-literaturtage.de
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