Berlin/Kiew
"Heimat ist für mich meine Sprache"
Zu Gast bei den 22. Weidener Literaturtagen: die Autorin und Künstlerin Julia Kissina - Teil III
Julia Kissina wurde 1966 in Kiew geboren und lebt seit 1990 in München, Frankfurt/Main und Berlin. Die Foto- und Performancekünstlerin studierte an der Kunstakademie München. Sie war in Einzel- und Gruppenausstellungen in Moskau und München vertreten und und veröffentlichte als Schriftstellerin in Russland und Deutschland bereits mehrere Erzählungen und Anthologien.Letztes Jahr erschienen von der mit diversen Stipendien und Preisen ausgezeichneten Autorin "Milin und der Zauberstift", sowie "Vergiss Tarantino" (Aufbau Verlag), ein Erzählband mit dem sich Julia Kissina durch eine auszugsweise Lesung in der ersten Kollektivlesung (12. Mai, 20 Uhr) der 22. Weidener Literaturtage vorstellt. Die Kulturredaktion sprach mit ihr über das Thema: "Alte Heimat - Neue Heimat - Fremde Heimat".
Heimat ist das Gegenteil von Fremde, das Museum unserer Kindheit, der Fluchtpunkt der Erinnerung. Welche Assoziationen fallen Ihnen zu "Heimat" spontan ein?
Kissina: Heimat ist für mich meine Sprache - ganz egal welche: Russisch, Ukrainisch oder Deutsch.
Für den Philosophen Ernst Bloch war die Heimat die Zielsetzung allen Hoffens", niemals ein Ort, sondern ein Prozess. Für Hilde Domin war das Meer die Heimat, für Herbert Achternbusch ist sie das Ewige, Lautlose ... und für Sie?
Kissina: ... eine Illusion. Für meine und die folgende Generation hoffe ich, dass Heimat nicht mehr existiert. Heimat ist Teil des Menschen und seiner Tätigkeit.
Wo liegt Ihre persönliche Heimat? Ist das ein Garten, eine Stadt, oder wo der Schreibtisch steht?
Kissina: Meine Heimat ist da wo ich befinde - in künstlerischer und literarischer Hinsicht. Kein Ort.
Was trennt Sie von der Heimat?
Kissina: Gar nichts, nur manchmal meine Faulheit. Sonst nichts.
Welche Rolle spielt Heimat in Ihrem schriftstellerischen Werk?
Kissina: Wenn jetzt meine geographische Heimat gemeint ist, dann hat Heimat mehr mit Unterschieden in der Mentalität zu tun, die mich sehr stören. Ich sehe, so viele verschieden Mentalitäten auch unter den Deutschen ...Aber, wenn mich nichts stören würde, dann würde ich auch nicht schreiben.
Woran arbeiten Sie gerade?
Kissina: An einem neuen Erzählband, der auch im Aufbau Verlag erscheinen wird.
Was sagen Sie zu den Parlamentswahlen, die gerade in der Ukraine stattgefunden haben? Ist die Begeisterung für die Orangene Revolution verpufft?
Kissina: Diese Orangene Revolution geht mir schon sehr auf die Nerven, weil sie nicht verbindet, sondern radikalisiert. Politische Banditen wollen ihre Spiele ausspielen. Ich sehe in der neuen Entwicklung keine würdige Alternative.
Sind Ihnen die Literaturtage ein Begriff? Mit welchen Erwartungen kommen Sie nach Weiden?
Kissina: Ich hatte schon von dem großen Literaturfest in Weiden gehört und wünsche mir nur eines: Leser und Zuhörer!
Weitere Informationen:
www.weidener-literaturtage.de
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