Prag
Kubismus in der "Goldenen Stadt"
Exkursion der Architekten zeigt anlässlich der 15. Bayerisch-Böhmischen Kulturtage neues Gesicht der Metropole Prag
Mutige Zeugnisse experimentellen kubistischen Bauens, die auch noch nach neunzig Jahren den später hinzu gebauten neueren Kontext verblüffend alt aussehen lassen, waren am Samstag in Prag zu bestaunen.53 Teilnehmer erlebten im Rahmen des "Glas und Architektur" Symposiums der 15. Bayerisch-Böhmischen Kultur- und Wirtschaftstage eine Pragexkursion der besonderen Art, die von Karin Holl, Leo Dietrich (VHS Weiden) und Architekt Stefan Kunnert perfekt durchgeführt wurde. Das originelle Motto lautete "Künstler führen durch ihre Stadt".
Die Teilnehmer konnten mit Professor Jiri Harcuba (dem ersten tschechischen Glaskünstler, der in Weiden 1993 bei den Bayerisch-Böhmischen Kulturtagen im Neuen Rathaus ausstellte) die Kunstakademie und das Jüdische Viertel Prags besuchen. Oder sie durften sich mit Jan Mest`an (der momentan Textilkunst im Alten Schulhaus Weiden zeigt) auf die Spuren des Kubismus begeben. Doch zuvor schnupperte die Gruppe zunächst in der Sarajewska-Ulitza die Luft der Filmwelt: die Prager Niederlassung der Weidener "Vantage"-Film bot interessante Einblicke ins aufstrebende Filmgeschäft der Goldenen Stadt. Prag ist dabei, anderen europäischen Filmmetropolen den Rang abzulaufen, wie Firmenchef Peter Märtin seinen Gästen erklärte. "Vantage" versinnbildliche als Marktführer in Sachen Austattung von Filmproduktionen mit Kameras und Spezialobjektiven, durch das Linsenmaterial Glas und die direkte Verbindung Weiden - Prag das Motto der Kultur- und Wirtschaftstage, stellte Stefan Kunnert fest.
Im Viertel unterhalb der Burg Vysehrad zeigte Jan Mest`an der Weidener Gruppe anschließend erste Spuren des Kubismus, einer Richtung der modernen Kunst, die ausgelöst von den Malern Pablo Picasso und Georges Braques ab 1907 nach Paris auch noch Prag erobern konnte - nicht nur auf dem Gebiet der Malerei.
Das ganze Lebensumfeld, von der Architektur bis zu Alltagsgegenständen wollte der Kubismus erobern. Kennzeichern sind die Verwendung geometrischer, würfelartiger und prismenhafter Formen, die sich im Hausbau vor allem an Fassaden, Fenstern und Türen zeigen. Die radikale Einzigartigkeit kubistischer Architektur war zunächst an einer 1912 von Josef Chochol (dem fleißigsten Kubisten Prags) erbauten weißen Villa am Moldauufer, dem Dreierensemble aus Wohnhäusern der früheren Familie Bayer, und einem Eckhaus im Vysehradviertel zu sehen. Funktionale kubistische Gebäude präsentierte Jan Mest`an in der Innenstadt Prags, wie das allererste seiner Art, das 1911 von Josef Gocar in der Nähe des Pulverturms erbaute Haus "Zur Schwarzen Madonna", das eine Buchhandlung, ein Café und ein kubistisches Museum beherbergt. In der Jungmannovastraße beeindruckte ein kubistischer Palast, bevor Jan Mest`an seine Gäste auf kubistische Zitate in den Glas- und Stahlfassaden der modernen Geschäftshäuser aufmerksam machte.
Mit der Straßenbahnlinie 22 ging es dann noch hinauf auf die Burganlage auf dem Hradschin, den Jan Mest`an ganz persönlich präsentierte.
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