Berlin/Shanghai
Heimat ist ein lebendiger singender Fluss
Zu Gast bei den 22. Weidener Literaturtagen: die chinesische Autorin Luo Lingyuan - Teil I
Berlin/Shanghai. Seit sechzehn Jahren lebt die 1963 in der Volksrepublik China geborene Luo Lingyuan in Berlin. Die studierte Computerwissenschaftlerin, Journalistin und Übersetzerin wurde mit zahlreichen deutschen Literatur-Stipendien ausgezeichnet. Luo Lingyuan nimmt an der zweiten Lesung der Literaturtage am 13. Mai (20 Uhr) in der Regionalbibliothek teil und liest aus ihrem neuen dtv-Erzählband "Du fliegst für meinen Sohn aus dem fünften Stock!"
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| Luo Lingyuan. (Bild: dtv) |
Heimat ist das Gegenteil von Fremde, das Museum unserer Kindheit, der Fluchtpunkt der Erinnerung. Welche Assoziationen fallen Ihnen zu "Heimat" spontan ein?
Luo Lingyuan: Heimat ist für mich sehr eng mit der Familie und deren Wohnort verbunden. Chinesen haben viel mehr Familiensinn als Deutsche, und die eigene Familie nimmt oft eine zentrale Rolle in ihrem Leben ein. Bis heute sind meine Heimat meine Eltern und das Land China - und mein Schreiben kreist immer um sie.
Für den Philosophen Ernst Bloch war die Heimat die Zielsetzung allen Hoffens", niemals ein Ort, sondern ein Prozess. Für Hilde Domin war das Meer die Heimat, für Herbert Achternbusch ist sie das Ewige, Lautlose ... und für Sie?
Lingyuan: Wenn ich ein Bild meiner Heimat heraufzubeschwören versuche, dann sehe ich die kleine Stadt vor mit, in der ich aufgewachsen bin. Eine Stadt mit einem Fluss und Bergen dahinter, mit vielen Menschen auf der Holzbrücke. Heimat ist für mich eine nie endenden, faszinierende und bewegende Geschichte. Ein Fluss, der ewig Leben hervorbringt und seine Melodie dazu singt.
Was trennt Sie von der Heimat?
Lingyuan: Was mich von meiner Heimat trennt, ist meine Neugier, die Welt zu entdecken, das Bedürfnis, anders als die Eltern zu sein und ein neues, eigenes Leben zu führen.
Woran arbeiten Sie gerade?
Lingyuan: Ich arbeite gerade an meinem ersten Roman "Die chinesische Delegation". Es geht darin um eine durch Westeuropa reisende Gruppe von chinesischen Fachleuten und ihre deutsch-chinesische Begleiterin, um ihre Erlebnisse, ihre Wünsche, ihr Denken und Handeln. Der Roman wird im April 2007 im Deutschen Taschenbuch Verlag erscheinen.
Sind Ihnen die Literaturtage ein Begriff? Mit welchen Erwartungen kommen Sie nach Weiden?
Lingyuan: Ich kenne die Weidener Literaturtage nur vom Hören. Bin sehr gespannt darauf und freue mich sehr, dabei sein zu dürfen.
Weitere Informationen:
www.weidener-literaturtage.de
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