Immenstadt
Sex und Gewalt zum Versenden
Kommt das Handy-Verbot an Schulen?
Immenstadt. Selbst hartgesottene Polizeibeamte sollen entsetzt und schockiert gewesen sein, was sie da auf 16 Handys von 14- bis 17-jährigen Schülern zu sehen bekamen: bestialische Gewaltszenen, brutale Pornodarstellungen und sexuelle Aktivitäten mit Tieren. Die Videosequenzen waren der "coole Hit" in den Pausen in der Hauptschule von Immenstadt im Allgäu.
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| Da können einem schon die Augen übergehen, wenn man sieht, was manche Schüler auf ihren Handys haben. (Bild: Steinbacher) |
Ministerin entsetzt
Sozialministerin Christa Stewens (CSU) zeigte sich entsetzt. "Das gefundene Material ist schlicht menschenverachtend und hochgradig jugendgefährdend." Eltern sollten ein Auge darauf haben, was ihre Sprösslinge auf den Handys hätten. Gerade hier liegt für manche das Problem. Denn viele Eltern können mit den modernen Handys gar nicht umgehen. Von einer "Bluetooth-Funktion" haben sie oftmals noch gar nichts gehört. Dies ist nämlich die "Zauberformel" moderner Handys. Mit der Bluetooth-Funktion können Videosequenzen von Handy zu Handy schnell und mühelos überspielt werden, eine beliebte Pausenaktivität unter Schülern. Die Aktion Jugendschutz in Bayern will bis Pfingsten einen Handy-Ratgeber für Eltern herausgeben. Er soll die technikunerfahrenen Erwachsenen darauf hinweisen, was beim Handykauf zu beachten ist.
Gruppenzwang
Aus dem Kultusministerium wird der Ruf nach mehr Medienpädagogik an den Schulen laut. Ministerialrätin Cornelia Süß: "Die Brisanz dieses Themas ist bis zu den Vorfällen in Immenstadt und Kaufbeuren vielen nicht bewusst gewesen." Ein vom Kultusminister erwogenes Handyverbot an den Schulen halten die meisten Eltern, Pädagogen und Medienexperten für nicht praktikabel. Immenstadts Schulleiter Knoll: "In den Pausen sollen die Kinder etwaige Botschaften ihrer Eltern abrufen können. Manche Familien haben gar kein Festnetztelefon mehr, die sind doch auf's Handy angewiesen."
In Immenstadt hatten sich Schüler beklagt, sie hätten unter dem Gruppenzwang gelitten, sich die brutalen Tierpornos und Gewaltvideos anschauen zu müssen. Sie seien froh, dass alles aufgeflogen sei. Den Tätern, darunter drei Mädchen, drohen von der Staatsanwaltschaft verhängte Erziehungsmaßnahmen.
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