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Von (wd)  |  11.02.2006  | Netzcode: 10829698  |  394 Mal gelesen.
Weiden

Messerwetzen ums Schlachtvieh

Aufkäufer kommen sich ins Gehege - Bauernverband sorgt sich um Auslastung des Weidener Schlachthofes

Weiden. (wd) Hinter den Kulissen werden ums Schlachtvieh aus der Region die Messer gewetzt. Und ausgerechnet der Schlachthof Weiden droht darüber zu "verbluten". Noch hat der Betrieb mit rund 70 Mitarbeitern keine Probleme, sondern "Schwein": Ausreichend viele Borstentiere werden angeliefert. Doch die Schlachtkapazität bei den Rindern ist nicht ausgelastet.

Die Sorgen sind derart groß, dass BBV-Bezirkspräsident Franz Kustner und BBV-Direktor Karlheinz Bauer die Oberpfälzer Kreisobmänner sowie Vertreter der Stadt, voran OB Hans Schröpf, zum Termin baten. "Keine Krisensitzung, sondern ein Info-Gespräch", atmete OB Hans Schröpf auf, der "keine dunklen Wolken" entdeckte. Der einst städtische, dann Südfleisch- und seit 1. Januar "Vion"-Schlachthof sei nicht gefährdet.

Erpressungsversuche?



Anders schätzt BBV-Kreisobmann Erich Schieder (Weiden-Neustadt) die Situation ein. Er spricht von massiven Erpressungsversuchen. So weigere sich die NVG Borex (Partner der Viehverwertungsgenossenschaft Nordbayern), Vieh an den Weidener Schlachthof zu liefern, solange dort noch selbst Aufkäufer tätig sind.

Der Schlachthof, seit 1. Januar bei der Vion-Gruppe, setzt weiter auf eigene Aufkäufer, um nicht in Abhängigkeiten zu geraten. "Wir pflegen seit 1. Januar keine Geschäftsbeziehung nach Weiden", räumt Johann Mayer von der VVG Nordbayern ein. Dafür sei allerdings der Schlachthofdirektor verantwortlich. Mayer, übrigens BBV-Kreisobmann in Regensburg und nicht zum Treffen in dieser Woche geladen, bringt Verständnis für das Verhalten des Weidener Schlachthof-Chefs auf. "Da ist der Wurm drin. Wir haben Josef Pitzl schon mal enttäuscht und verunsichert: Aus Versehen wurden für ihn bestimmte Tiere nach Würzburg gebracht. Der Schlachthofdirektor hat Sorge, dass er ohne eigene Aufkäufer erpressbar wäre."

Bereit zum Gespräch



Johann Mayer, Vorstandsmitglied der VVG Nordbayern, betont, dass die VNG Borex die Weidener Aufkäufer übernommen hätte. "Geschäftsbeziehungen basieren immer auf Vertrauen. Bei Pitzl liegt der Schlüssel." Und Mayer bietet seine Gesprächsbereitschaft an. "Vielleicht finden wir eine Lösung. Kein Bauer freut sich, wenn sein Vieh nach außerhalb vermarktet wird. Wir alle hängen am Weidener Schlachthof." Die VNG Borex beschickt vor allem den Schlachthof Crailsheim, aber auch an Südfleisch-Betriebe (Bayreuth und Bamberg).

Neben den freien Viehhändlern und der Anplo (Arbeitsgemeinschaft noch produzierender Landwirte Ostbayern) bemüht sich auch die Erzeugergemeinschaft für Schlachtvieh Oberpfalz (ESO) um die Vermarktung des reichen Großviehbestandes in der "Milchpfalz". Einst von der Südfleisch und der ihr damals zuarbeitenden Viehverwertungsgenossenschaft "geschnitten" und aus dem Weidener Schlachthof "verbannt" hat sie sich einen eigenen, verlässlichen Partner aufgebaut: Sie liefert die Tiere aus den ihr angeschlossenen Höfen zur Unifleisch nach Erlangen.

Die Kreisobmänner, so berichtet Erich Schieder, habe der Schlachthofleiter aufgefordert, sich zu bewegen, mit den Mitbewebern klar zu kommen und damit den Bestand des Betriebes zu sichern.


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