Nabburg
Mit Voodoo-Gstanzln gegen Semmeldschums'n
Martina Schwarzmann begeistert im Schmidt-Haus
Wer oder was ist die "Semmeldschums'n"? Die Semmeldschums'n ist eine Frau, "dumm wie ein Stück Brot", überwiegend in der Provinz anzutreffen und bei dörflichen Festivitäten für den Kartoffelsalat zuständig. "Feministisches Feingefühl" ist nicht die Stärke von Martina Schwarzmann. Wie denn auch, wenn man erst im Alter von über Zwanzig erfährt, dass auch "die Frau die Unterdrückte sein kann". Keine Selbstverständlichkeit im niederbayerischen Überacker. Dort, wo das Frauenwahlrecht durch die Briefwahl ersetzt und zunichte gemacht wurde. Trotzdem. Oder gerade dort schreibt Martina Schwarzmann ihre bitterbösen "Voodoo-Gstanzln" gegen die "Semmeldschums'n" dieser Welt."Derfs a bisserl mehra sei?" lautet der Titel ihres aktuellen Soloprogramms, das vor wenigen Wochen in der Münchner Lach- und Schieß erfolgreich Premiere feierte. "A bisserl" ist gut. Über zweieinhalb Stunden unterhielt die bayerische Nachwuchskabarettistin Martina Schwarzmann ihr Publikum im Nabburger Schmidt-Haus. Nicht nur "dialekttechnisch nah beieinander", sprang hier der Funke sofort über. Und wenn es nach den Wünschen der Nabburger Kabarettfreunde gegangen wäre, hätte dieses "bisserl" noch locker bis nach Mitternacht gedauert.
Man muss sie einfach mögen, die mit Preisen ausgezeichnete Senkrechtstarterin in der bayerischen Kabarettszene. In sympathischer Weise authentisch, aber alles andere als die Unschuld vom Lande. Im Gegenteil. Es ist die raffinierte Mischung aus jugendlicher Naivität und niederbayerischer Abgefeimtheit, welche Martina Schwarzmann auszeichnet. Optisch den biederen Charme einer Lehramtsanwärterin versprühend, sich immer wieder mit dem Publikum "verratschend" ("Manchmal muass ma sich Hotelbetten halt schee sauf'n!"), hat sie es inhaltlich faustdick hinter Ohren.
Wer ihre musikalische Abhandlung über Ü-30 Partys kennt, weiß warum sie nicht als Galionsfigur für den Weltfrauentag taugt. Bitterbös, aber wahr, mit so viel schwarzen Humor serviert, dass so manche Textzeile im lauten Gelächter des Publikums unterzugehen droht. Schräg-skurril auch ihre Lieder und Gedichte über Fliegen, Tante Helga und einen aufbegehrenden "kloana Zeh'". Bisweilen aber auch völlig sinnentleert. So das Lied über "tot g'fahrne Mäus'", mit dem sie ihr Publikum nach zweieinhalb Stunden "vergraulen" will. Keine Chance. Erst nach etlichen, begeistert erklatschten Zugaben ist Schluss. Darunter, das Lied vom "Fleisch-Fachverkäuferinnen-Fetischisten" im Liebesrausch mit dem herrlich gelispelten, spanisch eingefärbten Refrain "Derf's a bisserl mehra sei?".
Gestern
Donnerstag








