Weiden
Gegen alles ist ein Kraut gewachsen
Dr. Peter Hieber über Traditionelle Chinesische Medizin - Gute Ergänzung zur Schulmedizin
Weiden. (awl) "Was mache ich gegen meine anhaltenden Kopfschmerzen? Ich habe schon so viel ausprobiert. Aber keine Pille kann mir helfen." Die chinesische Kräutertherapie ist womöglich der Rettungsanker. Dr. Peter Hieber informierte am Dienstag Interessierte im Maria-Seltmann-Haus über Traditionelle Chinesische Medizin.
Das Ziel der chinesischen Medizin ist die Wiederherstellung harmonischer Energieflüsse. Anders als die westliche klassische Schulmedizin betrachtet sie äußere und innere Störungen zusammenhängend: Körper, Geist und Seele des Patienten als eine Einheit. Die verbreitete Meinung, dass Akupunktur den Hauptteil ausmacht, ist falsch. In China ist die Kräuterheilkunde (Phytotherapie) das meistverbreitete Verfahren. Sie beinhaltet - im Gegensatz zur oft verglichenen Homöopathie - nachweislich Wirksubstanzen. Anhand der "Bibel der Heilkräuter", der Materia Medica, kann die Geschichte bis 500 vor Christus zurückverfolgt werden.Die fünf Säulen
Der Arzt handelt nach einem Diagnostikschema. Er spricht mit dem Patienten über seine Beschwerden und diagnostiziert anhand des Aussehens, der körperlichen Untersuchung sowie des Körper- und Mundgeruchs. Dann entscheidet er sich für die Therapie. Die Behandlung besteht aus fünf Säulen: Kräutertherapie (als Tee oder Absud), Diätetik, Qigong (eine Meditationstechnik mit Atem- und Bewegungsübungen), Akupunktur zur Behandlung der Blockaden und Tui Na, die chinesische Massage.
Die Kräutertherapie besteht aus einem Rezept, das aus bis zu 15 Bestandteilen komponiert wird, die genau auf die Beschwerden des Patienten abgestimmt sind. Die Hauptarznei wirkt gegen die Hauptbeschwerden, ein anderer Wirkstoff bekämpft die Nebenwirkungen, ein weiterer lenkt die Wirkung in die gewünschte Richtung. Aus einer Auswahl von mehreren hundert Substanzen können Erkrankungen aller Art wie Erkältungskrankheiten, Gelenkschmerzen, Magen-Darm-Probleme und Abszesse behandelt werden. Sogar Antidepressiva, sedierende, beruhigende Mittel und Psychopharmaka sind vorhanden. Doch auch die chinesische Medizin kann nur heilen, was gestört, nicht was zerstört ist. Und, Vorsicht: "Chinesische Rezepte schmecken grauenhaft. Aber: Sie helfen!" Bekannte Kräuter sind Ingwer (gut gegen Erkältungen), Lakritze (Magenschleimhautentzündung) oder das beruhigende Ginseng.
Kräuter nur begleitend
Dr. Hieber (49) beantwortete viele Fragen über persönliche Beschwerden ausführlich. Der Mediziner, der eine Akupunktur- und Phytotherapieausbildung absolviert hat, führt in Weiden eine Privatpraxis für traditionell chinesische Medizin und bildet sich durch China-Reisen stets weiter. Dazu ist er Oberarzt in der Anästhesie des Klinikums Weiden. Grundsätzlich gilt für ihn: Die Kräutertherapie ist eine komplementäre, eine ergänzende Heilmethode. Beide Richtungen, die chinesische und die westliche Schulmedizin, sollten deswegen genutzt werden.
Weitere Informationen:
www.wenaku.de
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