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Von (kan)  |  12.12.2005  | Netzcode: 10804845  |  141 Mal gelesen.
Amberg

Die Ärzte gehen auf die Straße

Mediziner des Klinikums unterstützen Aktionstag

Amberg. (kan) Das passiert in Amberg auch nicht alle Tage: Morgen gehen Ärzte des Klinikums auf die Straße, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Die Organisatoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich nicht um einen Streik, sondern um eine Protestaktion handelt.

Die Ärzte, so teilten Dr. Frank Wagner und Dr. Joachim Schickendantz am Wochenende mit, unterstützen so den bundesweiten Aktionstag für bessere Arbeitsbedingungen. Sie seien damit dem Aufruf der Ärztegewerkschaft Marburger Bund gefolgt und solidarisieren sich am Dienstag "im Protest gegen die Verschlechterungen der ärztlichen Einkommenssituation, kurzzeitig befristete Arbeitsverträge, zu viel Bürokratie und für eine Anerkennung von Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit".

All dies bringe die Zwangsüberleitung der Ärzteschaft in den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) mit sich, der sich auch das Amberger Klinikum angeschlossen habe. Der Marburger Bund als Vertretung von etwa zwei Dritteln der Klinikärzte habe diesen Tarifvertrag nicht unterzeichnet, da er vielen Medizinern erhebliche Gehaltseinbußen bescheren werde. Schickendantz und Wagner rechnen vor: Im Vergleich zum alten Bundes-Angestelltentarifvertrag (BAT) verliere beispielsweise ein 29-jähriger Berufseinsteiger nach einem Jahr im TVöD rund 5000 Euro, nach zehn Jahren über 31 000 Euro und nach 20 Jahren ungefähr 68 000 Euro. Der Marburger Bund habe deshalb die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) aufgefordert, einen arztspezifischen Tarifvertrag abzuschließen, um die Arbeitsbedingungen der Krankenhausärzte zu verbessern. "Leider verweigern sich die Arbeitgeber jedoch vehement diesen Tarifverhandlungen und drohen, massiv gegen Mitarbeiter vorzugehen, die ihr Recht auf Arbeitskampf-Maßnahmen wahrnehmen wollen", klagen Wagner und Schickendantz und fügen mit Blick auf den morgigen Tag hinzu: "Die Ärzte am Klinikum versichern, dass mit ihrer Protestaktion kein Patient zu Schaden kommt, da eine Notfallversorgung sichergestellt wird."

Der Protest sei auch eine Demonstration im Sinne aller Patienten, denn sie hätten Anspruch auf Mediziner, "die weiterhin hochmotiviert ihrer Arbeit nachgehen wollen, weil sie den Hauptteil ihrer qualifizierten Tätigkeit der Patientenversorgung und nicht der Bürokratie widmen können und dafür angemessen entlohnt werden möchten".

Die Ärzte fordern die Krankenhausleitung auf, deutlich und sichtbar Druck auf ihre Arbeitgebervertretung VKA auszuüben, damit es möglichst rasch zur Aufnahme von Tarifverhandlungen mit dem Marburger Bund kommt. "Wir wollen und brauchen einen Tarifvertrag, der unsere spezielle Arbeitssituation als Ärzte berücksichtigt", so die Mediziner.

Der Protestmarsch beginnt um 11 Uhr. Die Teilnehmer treffen sich vor dem Haupteingang des Klinikums und ziehen anschließend in Richtung Innenstadt. Ab etwa 12 Uhr werden sie am Marktplatz an Info-Ständen ihre Forderungen kundtun.


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