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Von (Uli Piehler und Peter Klewitz)  |  18.11.2005  | Netzcode: 10794683  |  1471 Mal gelesen.
Regensburg

Nur hinter vorgehaltener Hand

Pfarrer wollen sich nicht öffentlich äußern - Laien: "Klima der Angst" im Bistum Regensburg

Regensburg. (Uli Piehler und Peter Klewitz) "Aber bitte schreiben sie das nicht" - dieser Satz fällt immer wieder, wenn sich Journalisten dieser Tage mit Vertetern der katholischen Kirche und ihr nahestehenden Gruppierungen unterhalten. Über Bischof Gerhard Ludwig Müller und seine Amtsführung will sich kaum jemand von ihnen öffentlich äußern. Allenfalls hinter vorgehaltener Hand.

Bischof Montage neu
Oberhirte mit eiserner Faust?: Bischof Gerhard Ludwig Müller beim Festgottesdienst auf dem Fahrenberg im Juli 2004. (Archivbild: Popp, Montage: Stüdemann)
In der Diözesanverwaltung am Obermünster- und Niedermünsterplatz in Regensburg arbeiten mehr als 300 Mitarbeiter von der Bürokraft bis zum Referenten. "Die Verunsicherung ist überall zu spüren", sagt ein Angestellter des Bistums, der nicht genannt werden will. "Wenn die Leute über den Bischof reden, machen sie hinter sich die Türen zu. Man weiß nie, was kommt." Die Beschäftigten hätten Angst vor Repressalien, einigen seien bereits Abmahnungen angedroht worden, weil sie auch nur Fragen gestellt haben.

Ruhestandspfarrer Hans Hammer, zuletzt Seelsorger in Schambach (Kreis Straubing-Bogen), macht eine Ausnahme. Er spricht von einem "unnützen Streit". "Hier werden Leute beseitigt, die ihre Kirche lieben und den Menschen nahe sind." Viele Priester wagten nicht mehr zu sagen, was sie denken. Ganze Gemeinden resignierten an der Leitung der Diözese. Hammer: "Wir hätten eigentlich ganz andere Probleme, über die wir diskutieren sollten".

Andere Pfarrer in der Region wollen ihre persönliche Meinung zu den aktuellen Vorgängen nicht kundtun, ein Dekan aus dem Landkreis Neustadt verweist in dieser Frage an die bischöfliche Pressestelle. Christian Schärtl, der aus Leuchtenberg (Kreis Neustadt/Waldnaab) stammende Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), hat es da leichter. Er bedauert, dass für die Jugendverbände kein Platz mehr im neuen Beratungsgremium des Bischofs vorgesehen ist. "Die Jugend ist die Generation, die in Zukunft die Kirche tragen wird und braucht daher auch weiterhin eine Stimme bei der Mitgestaltung der Kirche."

Außerdem habe sich bewährt, dass die verschiedenen kirchlichen Gruppen ihre Vertreter selbst bestimmen, um so zu gewährleisten, dass ihre Anliegen tatsächlich vertreten werden. Kritisch äußert sich auch die ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete und Gründerin der Schwangerenberatungs-Organisation "Donum Vitae", Maria Geiss-Wittmann aus Amberg. Sie gehörte dem Diözesanrat an und bedauert die Reform der Laiengremien, weil dort bisher "sehr, sehr Gutes" geleistet worden sei.

Was sie am meisten schmerzt, ist der Umgang mit den gewählten Vertretern. "Das war respektlos und kann sehr unerwünschte negative Auswirkungen haben", sagt sie. Die Pfarr-, Dekanats- und Diözesanräte seien engagierte Katholiken gewesen, die ihren Kirche in die Welt hinaus trugen. Die Abschaffung ohne Rücksprache lasse fatale Rückschlüsse zu.

"Die Kirche ist keine Demokratie" hatte Bischof Müller dazu gesagt, vielmehr sei sie so etwas wie eine große Familie. Diesen Vergleich kann Dr. Stefan Morgenschweis aus Sulzbach-Rosenberg, Dekanatsrat im Dekanat Sulzbach-Hirschau, nicht nachvollziehen. "Da wird die Familie entwertet und in ein falsches Licht gerückt." Gerade in einer Familie gehe nichts ohne Demokratie, werde das Miteinander gelebt.

Dem Nabburger Dekanatsratsvorsitzenden Josef Götz geht es so, wie sehr vielen engagierten Laien im Bistum, die seit Jahrzehnten ehrenamtlich in der Kirche mitarbeiten. Seit 28 Jahren ist er Pfarrgemeinderatsvorsitzender, seit zwölf Jahren steht er dem Dekanatsrat vor. Etwa alle sechs Wochen findet in Nabburg eine Priesterkonferenz statt, zu der Götz als Dekanatsratsvorsitzender grundsätzlich eingeladen war. Auch zur nächsten anstehenden Konferenz erreichte ihn eine Einladung. "Aber das seh ich jetzt nicht ein, dass ich da hinfahren soll. Da ist mir meine Zeit zu schade", sagt er.

Und angesichts der Umstrukturierung im Pfarrgemeinderat, in dem er künftig nur noch Sprecher sein soll, wird er auch da "die Konsequenzen ziehen und mich jetzt schneller zurückziehen als geplant". Die Folgen der Neuordnung bekämen die Pfarrer auf dem Land zu spüren. "Denen ist von den Laien viel Arbeit abgenommen worden", erklärt Götz.



Reform der Laienräte: Altbischof Manfred Müller kritisch - Papstbruder zuversichtlich



Manfred Müller
Altbischof Manfred Müller. (Archivbild: NT)
Im Streit um die Abschaffung des Diözesanrates im Bistum Regensburg hat der Bruder von Papst Benedikt XVI., Georg Ratzinger, den Kurs des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller unterstützt. Der Papstbruder sagte, der Bischof habe mit einigen Räten schlechte Erfahrungen gemacht: "Man kann nicht sagen: die Laien. Die Tragik ist, dass in Regensburg offensichtlich Laien am Werk sind, die nicht aus der Mitte des Glaubens heraus leben. Der bischöfliche Auftrag ist, dies in Ordnung zu bringen."

Der Regensburger Altbischof Manfred Müller hat sich unterdessen kritisch über den Alleingang seines Nachfolgers geäußert. "Es ist die Frage, ob es wirklich so zukunftsweisend ist, was jetzt in die Welt gesetzt wurde", sagte der frühere Oberhirte. Er sei mit den bisherigen Strukturen "gut gefahren", meinte der Altbischof. Manfred Müller hatte die Laienräte erst kurz vor seinem Ruhestand modernisiert. Sein Nachfolger Ludwig Gerhard Müller hat nun den Diözesanrat und die Dekanaträte ganz abgeschafft. Stattdessen soll es zwei Ersatzgremien geben.

Erst am Mittwoch war der Münchner Kardinal Friedrich Wetter in ungewöhnlich deutlicher Form auf Distanz zu Müller gegangen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken veröffentlichte am Donnerstag ein Memorandum von sieben katholischen Persönlichkeiten, die Müller ebenfalls scharf kritisierten. Die aktuelle Entwicklung in Regensburg verleugne die klaren Aussagen des zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und der Würzburger Synode (1971-1975) und "schadet dem Ansehen des bischöflichen Amtes", heißt es in dem Papier.

Auch der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Helmut Mangold, lehnte nochmals Müllers Räte-Neuordnung ab. Die massiven Einschnitte seien eine "schwere Belastung für die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Bischof, Priestern und Laien". Zudem beeinträchtige Müller die Laienarbeit in der gesamten katholischen Kirche in Bayern, meinte Mangold. "Bischöfe kommen und Bischöfe gehen, und wir Laien bleiben der einen Kirche treu", sagte Diözesanratsvorsitzender Fritz Wallner.

Er fuhr am Donnerstag nach Bonn zur Vollversammlung des Zentralrats der deutschen Katholiken. Er fährt auf eigene Kosten, finanzielle Mittel aus dem Etat des Gremiums stehen dessen Mitgliedern nicht mehr zur Verfügung. Das ist die einzige Auswirkung, von der Wallner über den Geschäftsführer des vom Bischof aufgelösten Laiengremiums bisher informiert wurde. Der Diözesanrat betrachtet sich trotz der Neuregelung nach wie vor als existent. Die für 26. November vorgesehene außerordentliche Hauptversammlung des Diözesanrats wird auf einen Termin im Dezember verschoben. (dpa/pk)

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