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Von Andrea Prölß  |  22.08.2005  | Netzcode: 10758693  |  248 Mal gelesen.
Wurz

Nordisch unterkühltes Abendkonzert

Das Vilnius-Quartett war erneut zu Gast beim Wurzer Sommer im alten Pfarrhof

Nie war er so wertvoll wie heute. Der alte Pferdestall zwischen Pfarrhof und Scheune. Als Ersatzspielort gedacht avanciert er in diesem Sommer, der wohl für dieses Jahr keine nennenswerten Auftritte mehr geplant hat, zum eigentlichen Veranstaltungsort der Wurzer Sommerkonzerte.

So auch am Wochenende, als stundenlanger Schnürlregen den Pfarrgarten in modriges Sumpfgebiet verwandelte, in dem so manch edler Damenschuh sein Leben ließ. Trotzdem, sagte sich das erfahrene Stammpublikum und pilgerte - fest beschuht - erfreulich zahlreich in das historische Marstallgebäude. Ein treues Stammpublikum hat sich mittlerweile auch das Vilnius Streichquartett erspielt. Sechsmal waren sie schon im Programm der Wurzer Sommerkonzerte vertreten und auch beim siebten Mal blieben die vier Musiker aus Litauen sich und ihrer Linie treu.

Mit ernstem Blick und in strenges Schwarz gekleidet widmete man sich auch an diesem Abend klassischer Quartettliteratur und Werken unbekannter Komponisten aus dem Baltikum. Quartette von Joseph Haydn, Franz Schubert und Ludwig van Beethoven standen auf dem Programm, zudem Zeitgenössisches und Modernes der beiden estnischen Komponisten Heino Eller und Juozas Pakalnis.

Mit züchtigem Maß und Weitblick statt sinnlichem Schwelgen, Haydns Streichquartett D-Dur op. 76, handwerkliche Gewissenhaftigkeit, die jedoch streckenweise durch das unsaubere Spiel von Primaria Audroné Vainiunaité getrübt wurde.

Gleiches gilt für Schuberts Quartettsatz c-moll. Nordisch unterkühlt und diskret der Tonfall, nicht unbedingt der schlechteste Zugang zu Schuberts nervös geheimnisvollem Stimmungsbild, aber auch hier fielen Intonationsschwächen am ersten Pult immer wieder gravierend ins Gewicht.

Konzentrierter und mit durchaus packenden Momenten, so zum Beispiel der wunderschön ausgehörte Andante-Satz, Beethovens Streichquartett D-Dur op.18. Werke der beiden baltischen Komponisten Juozas Pakalnis ("Little Prelude") und Heino Eller, Begründer der estnischen Komponistenschule und Lehrer des bekannten Arvo Pärt, und lockerten den klassischen Quartettabend auf. Tonales in transparent schwereloser Struktur, das unüberhörbar von heimatlicher Volksmusik geprägt wird, ohne dabei in vordergründigen Folklorismus abzudriften.

Eine leicht verdaulicher Mischung, ein bisschen an Debussy anknüpfend, aber viel, viel nordischer und melancholischer, die vom Publikum mit reichlichem Applaus honoriert wurde.


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