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Von Andrea Prölß  |  17.08.2005  | Netzcode: 10756604  |  417 Mal gelesen.
Wurz

Unterhaltendes und Harmonisches

Wurlitzer Bassetthorn-Ensemble mit reinem Mozartprogramm

Kein Instrument ist anfälliger als das der Sänger. Da ist es natürlich von Vorteil, wenn die Konzertveranstalterin zugleich Ärztin ist. Könnte man meinen. Aber gegen die akute Mandelentzündung von Sopranistin Inga Lisa Lehr war auch Dr. Rita Kielhorn machtlos. Und so fiel die lautstark geforderte Zugabe ins Wasser. So wie die Veranstaltung am verregneten Sonntagnachmittag im Wurzer Pfarrhof insgesamt eine nasse Angelegenheit war. Wasser von oben und immer wieder Wasser in den Instrumenten des Wurlitzer Basetthorn-Ensembles, das zusammen mit drei Gesangssolisten und einem reinen Mozartprogramm aus Würzburg angereist kam.

Wer da spontan an spritzig Verspieltes denkt von ihm, den die Götter liebten, hat wenig Hörerfahrung mit jenem seltenen Mitglied der Klarinettenfamilie, dem Mozart nicht nur in seinem Requiem eine besondere Stellung einräumte. Der dunkle, melancholisch verhangene Klang des Bassetthorns verleiht auch den fünf Divertimenti für Bassetthorntrio (KV 439b), von denen zwei an diesem Nachmittag auf dem Programm standen, wehmütig gedämpfte Klanglichkeit. Mozart get the Blues. Dazu dunkler Himmel, Frösteln und Regen ohne Unterlass.

Den Blues hat auch so mancher Klarinettist beim Spiel des Bassetthorns, das sich gerne einer sauberen und ausgeglichenen Tongebung widersetzt. Kein Problem jedoch für Ulrich Wurlitzer, Professor an der Musikhochschule Würzburg und regelmäßiger Gast bei den Wurzer Sommerkonzerten, der im Zusammenspiel mit seinen Studenten Robert Dreksler und Iwan Linnenbank sicheres und klangschönes Bassetthornspiel demonstrierte. Auf dem Programm, Unterhaltendes im weich dunklen Tonfall mit den beiden Divertimenti Nr. 1 und Nr. 3 sowie einem Best-of aus der Oper "Don Giovanni", von Mozart selbst "auf die Harmonie gesetzt", sprich für Bläserbesetzung bearbeitet.

Mozarts besonderes Faible für das Bassetthorn zeigte sich unter anderem auch in seinen "Nocturni" für drei Singstimmen und Bassetthorntrio. Kurzweilige, delikate Gesangsstückchen, die von "due pupille amabili" erzählten und den Zuhörer rasch aus melancholisch versunkener Stimmung rissen. Kein Wunder, dass man lautstark Zugaben von Inga Lisa Lehr (Sopran), Judith Bergmann (Mezzosopran) und Alex Humbert (Bass), allesamt Studenten der Meisterklasse von Charlotte Lehmann, forderte. Den zunächst unerfüllten Wunsch nach mehr, zunichte gemacht durch die Diagnose von Frau Dr. Kielhorn, erfüllte dann das Wurlitzer Bassetthorn-Ensemble umso überschwänglicher mit einem reichhaltigen Zugabenprogramm.


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