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Von (kro)  |  16.08.2005  | Netzcode: 10756244  |  12 Mal gelesen.
Tirschenreuth

"Das ist zutiefst ungerecht"

50 Jahre CSA in der Oberpfalz - Festredner Horst Seehofer fordert eine bessere Politik

Tirschenreuth. (kro) Eine eineinhalbstündige Rede ohne Redemanuskript und eine Ansprache mit vielen Aussagen - die CSU, aber vor allem die CSA weiß, was sie an "ihrem" Horst Seehofer haben. Deshalb war der CSA-Landesvorsitzende auch der "Stargast" beim Festakt zu "50 Jahre CSA in der Oberpfalz".

In seiner sehr informativen Rede, die immer wieder durch Applaus unterbrochen wurde, forderte Seehofer, dass die Familie mit Kindern wieder das Herzstück der Gesellschaft werden müsse, dafür müsse alles getan werden. Er verhehlte dabei nicht, dass auch die unionsgeführte Bundesregierung auf diesem Gebiet Fehler gemacht habe.

"Nicht die Menschen sind schlechter geworden, sondern die Politik ist schlechter geworden." In der derzeitigen Bundespolitik seien mehr "Mundwerker" als Handwerker zugegen. Die Familien- und die Bildungspolitik müsse reformiert und neu gestaltet werden. Die Schuldenspirale müsse gestoppt werden. Der Bürger habe eine Recht auf eine bessere Politik. "Die Politiker haben für die Menschen dazu zu sein, denn dies ist eine Dienstleistung", forderte er vehement eine bessere Politik.

"Seele verkauft"



Die CSU sei heute eine große Volkspartei, doch dies sei nicht immer so gewesen. Früher wäre sie eine Honoratiorenpartei gewesen, die sich erst entwickelt habe. Franz-Josef Strauß habe die CSU dann zu einer Volkspartei gemacht, er habe es verstanden, die CSU für alle Bevölkerungsschichten zu öffnen. "Ohne die Zustimmung der Arbeitnehmerschaft hätte die CSU in Bayern nie die absolute Mehrheit geschafft."

Trotz mancher Differenzen und Meinungsverschiedenheiten hätten sie in der CSU und CSA ihre Heimat gefunden, weil sie sich hier am besten vertreten fühlten, dies sei Fakt. In der CSU seien die beiden Pole wirtschaftliche Kompetenz und Menschlichkeit ausbalanciert. Es sei ein Qualitätssiegel der CSU, diese beiden Pole zu vereinen. Wie sich eine große Volkspartei spalten könne, und dies in atemberaubender Geschwindigkeit, sehe man derzeit bei der SPD, die ihre Seele verkauft habe.

In seiner weiteren Rede wies er darauf hin, dass der Arbeitnehmer nicht als Kostenfaktor verkommen dürfe. Der Fleiß und das Können eines jeden Arbeiters müsse wieder mehr herausgestellt werden. Denn ohne diesen Fleiß würden viele Firmen nicht so gut dastehen, wie sie heute dastehen, dies werde von den Managern oft vergessen. Eine Politik des Großkapitals dürfe es auch zukünftig nicht geben. Es könne nicht sein, dass die Großkonzerne keine Steuern zahlen, der Mittelstand und die Arbeitnehmer hingegen in voller Höhe. "Das ist zutiefst ungerecht."

Seehofer fordert ferner eine Teilhabegerechtigkeit in Arbeit und Bildung. Wohlstand und soziale Sicherheit müsse es für alle geben und nicht nur für wenige. Der Mensch dürfe nicht als Bittsteller abgestempelt werden. "Dies ist die eigentliche gesellschaftspolitische Aufgabe." Seehofer weiter: "Wir wollen selbstbewusste Menschen, die in Würde und Achtung leben." In diesem Zusammenhang betonte er ,dass die Renten keine Almosen seien, sondern die gerechte Entlohnung für ein lebenslanges Arbeiten.

Hartz IV unverträglich



Kritik übte er auch an den Wirtschaftsbossen, die immer wieder eine längere Lebensarbeitszeit forderten, jedoch keine Älteren einstellten. "Sie wollen doch nur die Alten von der Rente weghaben", so Seehofer. Zu Hartz IV merkte er an, dass diese zutiefst sozial unverträglich sei. Ein Mensch, der ein Leben lang gearbeitet habe, habe ein Recht auf eine menschenwürdige Versorgung.

Ferner trat er für eine totale Entbürokratisierung im Sozialwesen ein. Der Mensch müsse das Maß aller Dinge sein und "nicht die Funktionäre der Versicherungsorganisationen". Vor allem die älteren, aber auch die sozial schwachen Menschen hätten ein Recht auf eine hochwertige Versorgung in Medizin und Pflege. "Die Gesellschaft muss für alle da sein."

Die CSA habe in der Vergangenheit ihren Beitrag geleistet und werde auch in Zukunft ihre Brückenfunktion ernst nehmen. Denn, so Meier abschließend, "der Mensch muss wieder in den Mittelpunkt allen politischen Handels gestellt werden. Das ist eine christlich soziale Politik."


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