Wurz
Klangfarben in Gold und Silber
Deutsches Saxophon-Ensemble "molto saxossivo" überzeugt beim 18. Wurzer Sommer
"Molto saxossivo" - reine Saxophonklänge in vier Lagen gab es am Samstag im kühlen, aber sonnigen Garten des alten Pfarrhofs in Wurz zu hören. 150 Gäste des 18. Wurzer Sommers erfreuten sich an den Darbietungen des Deutschen Saxophon-Ensembles aus Bonn, das durch bearbeitete Werke und Originalliteratur ein buntes Programm bot. Tenorsaxophonist Michael Ruf moderierte den kurzweiligen und niveauvollen Abend, fütterte seine Zuhörer mit reichen Informationen zu dem jungen Instrument, dessen Patent 1846 von Adolphe Sax in Paris angemeldet wurde und das (im Gegensatz zu Amerika) in Europa irgendwie immer noch um seinen Platz in der Musikwelt kämpfen muss.Der Abend bewies wieder einmal, dass Bearbeitungen stets einen Kompromiss bedeuten und von einem maßgeschneiderten Original immer übertroffen werden. Doch schon die drei Sätze aus Bachs "Italienischem Konzert" schenkten neuartige Eindrücke des allbekannten Stücks. Das eigentlich für ein "Clavircymbel mit zweyen Manualen" gedachte Opus wurde von den vier meisterhaften Interpreten so wendig und lebendig im Allegro und Presto hingeworfen, dass es nur gefallen konnte - nur das Andante geriet etwas zu schleppend.
Hundert Sympathiepunkte erwarb sich das Quartett mit seinen goldenen und silbernen Instrumenten mit einem Gruß an die nahe Max-Reger-Stadt Weiden: Voll tönend und weich gebunden erklang die 1903 in München entstandene, äußerst melodische "Romanze a-moll" für Harmonium, dessen Tonsprache von den Bläsern gut imitiert wurde. Durch Führungsstärke und virtuoses Spiel gefiel die Sopranistin Nicole Schillings durchweg.
Doch auch die mehrfache Bundessiegerin Monika Leufgen übernahm im Alt immer wieder mit langem Atem die melodieführende Hauptrolle, etwa beim Adagio sostenuto im Premier Quatuor des belgischen Geigers Jean Baptiste Singelée. Mit diesem Original für Saxophonquartett, in dem der Komponist in kleinen Zitaten verehrte Vorgänger wie Rossini und Beethoven anklingen lässt, begann der köstlichste Teil des Abends, bei dem Thomas Thomaschek am Bariton den tiefen Grund legte, Tenor Ruf stets legato-weich vermittelte. Bei Paul Reade, einem Auszug aus der "Dreigroschenoper" Kurt Weills, dem Pariser Organisten Thierry Escaich und dem Spanier Pedro Iturralde klang der kühle Sommerabend zu heißen Rhythmen von Tangos und einem Czardas aus.
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