Wahlkampf à la Weiden
Das Weidner Stammtischgschmader von Klaus Federl
"Des wird wohrscheinle niat bloß a kurzer, sondern ah a langweiliger Wahlkampf", meinte der "roude Kare", als er das Programm der Parteien im NT durchlas. Der Toni und auch der Schorsch (was ja nicht jeden Tag vorkommt) stimmten ihm zu. Die anderen interessierte es nicht sonderlich, was sich in den nächsten Wochen politisch in der Stadt und in der näheren Umgebung tut.
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"Kennst Du an Franz Meyer, angeblich Finanz-Staatssekretär?" Der Luck schüttelte den Kopf genauso wie die anderen. Und von einem CSU-Generalsekretär hatte angeblich nur der Schorsch etwas gehört. Naja, als Schwarzer. "Der oine red' in Kemnath, der andere in Neuhaus", grinste der "roude Kare". "Der Stoiber loud'se a bloß in Schwandorf blicken", fügte der "roude Kare" grinsend hinzu, worauf ihm der Schorsch konterte: "Und Dei Müntefering kummt bloß bis nou Rengsburch!"
"Döi machen alle an groußen Bong um Weiden", betonte schlicht und einfach der Wirt. Und der Hans setzte noch eins drauf: "Zu uns kummt nur die zwoate Wahl, wöi die Justizministerin Beate Merk. Die Kanzlerkandidatin Angela Merkel red in Rengsgburg, der Seehofer, obwohl der a Freind vom Landrat Wittmann is, in Tirschenreith. Bloß der Beckstein-Günther, der kummt in d'Wein!" Plötzlich waren sich alle einige, dass in diesem außerordentlichen Bundestagswahlkampf in erster Linie Weiden und dann die nähere Umgebung "a politische Diaspora san".
Der Sepp, der bislang still zugehört hatte, hob den Finger, sah den Rudl als Stammtisch-Präsidenten fragend an, und erinnerte dann in seiner unverblümten Art an frühere Wahlkämpfe in Weiden. "Erinnert's eich bloß amal an die Auftritte vom Franz-Joseph Strauß. Wöi der im Josefshaus oder in der Spielvereinigung-Mehrzweckhall drass gredt houd, dou häist g'moint, döi Sälle brechen as'anand."
Prompt brachte der "roude Kare" den Willy Brandt und den Helmut Schmidt ins Gespräch. "Dou houst Du a Recht", sagte zur Überraschung aller der Schorsch. Damit alles seine politische Richtigkeit hatte, sprach der Toni noch den Genscher-Besuch vor dem Alten Rathaus an und der Luck den unvergesslichen Goppel-Fonse, der bei jeder Gelegenheit in der Max-Reger-Stadt auftauchte.
"Des worn halt nu Wahlkämpfe. Kannst'de nu an döi Diskussion zwischen dem Moser-Wülle und dem Schröpf-Hans erinnern, des der ,Neie Toch' im überfüllten Josefshaus as'trong houd. Sogor des Fernsehn woar damals dou." Der Hans lachte: "Und im Bundestagswahlkampf houd's fröiher immer an die Informationsständ der Kandiaten a Freibier gem, houd Blousmusi g'spült. Der Zebisch-Franz is af d'Leit zuganga, houd'se nou ihre Kinder erkundigt, nou der Gsundheit und houd koi politische Froung gstellt. Des worn halt nu Leit."
Dem Hans, der als neutral gilt, stimmten alle zu. "Ober des heier, des wird koi Wahlkampf", fasste der Toni zusammen. "Also wird in die nächsten Wochen bei uns a niat diskutiert", grinste der Rudl. Einstimmig angenom- men. (kf)
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