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Von Andrea Prölß  |  09.08.2005  | Netzcode: 10753486  |  310 Mal gelesen.
Wurz

Fehlfarbe im Gipsy-Klanggewand

Das erweiterte Ensemble "Talisman" gastiert mit neuen Tönen bei den Wurzer Sommerkonzerten

Vor drei Jahren kamen sie zu dritt und rissen das Wurzer Publikum zu Standing Ovations hin. Das Ensemble "Talisman", das mit Zigeunermusik, interkulturell, ohne stilistische Grenzen, aber mit viel heißblütiger Zigeunerseele zelebriert, begeisterte.

Zu viert präsentierten sie sich jetzt erneut im Wurzer Pfarrhof und hinterließen einen eher zwiespältigen Eindruck. Mit ihrem Wunsch nach "neuer Klangfarbe" zog die Technik ein in ein Ensemble, das sich bis dahin gerade durch Musik, unverfälscht, authentisch und unmittelbar, auszeichnete.

Es war nicht die empfindlich kühle Witterung, was die Gesichter der ersten Reihen im Wurzer Pfarrhof versteinern ließ. Es war auch nicht die Musik von "Talisman", die an diesem Abend, zumindest was den ersten Teil anbelangt, etwas experimenteller daher kam, und es lag auch nicht am Mikroständer- und Kabelgewirr vor dem historischen Pfarrhofgebäude. Ein zweifellos ungewohnter und gewöhnungsbedürftiger Anblick, der vermuten ließ, was sich dann auch bewahrheitete. Vom ersten Ton an war klar, dass die "neue Klangfarbe" in Gestalt von E-Bassist Tom Auffahrt dem Ensemble nicht gut zu Gesicht steht. Die Erweiterung des Ensembles durch E-Bass, ein fragwürdiges Unterfangen, denn es führt unweigerlich dazu, die akustischen Instrumente Geige, Gitarre und Akkordeon, traditionelle Instrumente der russischen Folklore, ebenfalls zu verstärken und ihnen somit das zu nehmen, was diese Musik ausmacht: Authentizität. Wenn das Ganze dann auch noch in einer Lautstärke daher kommt, die nicht nur ganz Wurz, sondern auch noch die umliegenden Gemeinden beschallt, dann ist es um die Toleranzgrenze so mancher Hörer geschehen, von der Enttäuschung über das neue, Lautsprecher verstärkte beziehungsweise verzerrte Klanggewand einmal ganz abgesehen.

Zum Glück zeigte sich "Talisman" nach der Pause einsichtig, fuhr den Lautstärkenregler um einiges zurück und überzeugte dann mit dem, was dieses Ensemble ausmacht: Unbändige Freude am Zusammenspiel, am gemeinsamen Hervorlocken von Melodien, feinsinnigen Spielen mit denselben, um diese plötzlich wild, leidenschaftlich und rasend schnell explodieren zu lassen.

Faszinierende Übereinstimmung bis in die kleinste Note. Fremdkörper ist und bleibt bei diesem Spiel ein etwas ratlos herumstehender E-Bassist, der sich weder optisch, noch musikalisch in dieses Ensemble einfügen lässt. Ein Fehlgriff bei der Suche nach neuen Farben fürs Gipsy-Klanggewand.


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