VohenstrauÃ
Kleine Bühne wird zur großen Tanz-Welt
Eindrucksvolle "Fame"-Premiere vor ausverkauftem Haus in der Stadthalle Vohenstrauß
Erotische Ausstrahlung
Ironischerweise bleibt gerade der mit ihrer erotischen Ausstrahlung kokettierenden Puertoricanerin Carmen Diaz (überzeugend: Veronika Forster), die so selbstbewusst den Titelsong vom unsterblichen Ruhm singt, selbiger verwehrt. Den schnellen Ruhm erzwingend, scheitert sie, wird ausgenutzt, gerät an Drogen und endet schließlich auf den Gleisen der U-Bahn. Ihr tieftraurig-resignierter Song "In L.A." bildet den tragischen Höhepunkt des Stückes.
Aber auch normale Alltagsprobleme mit Lehrern, Leistungsdruck, Liebe und Eifersucht werden teilweise auch auf sehr witzige Weise thematisiert. Wenn Joe (Martin Kopp) voll unverhohlener Geilheit in "Er steht mir im Weg" von den Nöten junger Männer singt oder Mabel (Annika Fischer), vom strengen Leben der Tänzer geschafft , im Umkleideraum einem Pudding wie dem heiligen Gral folgt, und danach einen Berufswechsel zur Charakterdarstellerin verkündet, kann sich das Publikum vor Lachen kaum halten.
Die Überraschung des Abends - Annika Fischer - ragt aus der Gruppe von ausnahmslos starken Solisten heraus. Scheinbar unangestrengt meistert sie mit ihrer mitreißenden Stimme ihren tragikomischen Sologesang in "Mabels Gebet", das sie in der Zugabe noch einmal wiederholt. Dafür wird sie mit Extra-Applaus belohnt.
Ein Sonderlob verdienen auch die Darsteller der tragenden Rollen, Markus Engelstädter (Nick) und Susanne Stangl (Serena). In Engelstädters Ode an die Schauspielkunst "Ich will sie verzaubern", Stangls "Denk an Meryl Streep" vom Nutzen negativer Gefühle für die Theaterarbeit, und dem Duett der beiden in "Das Spiel der Liebe" hat das Musical seine großen Momente.
Auch einen kleinen Seitenhieb auf die gleichnamige Erfolgsserie kann sich die Inszenierung nicht verkneifen. Gleich zu Beginn wird den Tanzschülern mit einer Referenz auf die berühmte Tanzszene der Serie eingeschärft: "Wenn sie denken, sie werden auf Taxidächern hopsen, dann haben sie sich geirrt." Im Gegensatz zu anderen Musicals, in denen man an der deutschen Fassung schier verzweifeln möchte, vermisst man bei "Fame" die Originaltitel nicht.
Die eingedeutschten Texte von Frank Thannhäuser ermöglichen es in Kombination mit der sehr stimmigen Inszenierung Matthias Winters, die eine ausgewogene Mischung aus detailverliebt choreographierten, fetzigen Tanzszenen zu den unterschiedlichsten Musikstilen und effektvollen, ruhigeren Momenten bietet, sich in die New Yorker Szenerie zu versetzen.
Gelungener Ortswechsel
Apropos an einen anderen Ort versetzen: Die ansprechende Leistung des Ensembles ist nach dem kurzfristigen Spielortwechsel von der Freiluftbühne der Burgruine Leuchtenberg in die Stadthalle umso höher zu bewerten. Die Umsetzung der Szenen auf die tiefere und kürzere Stadthallenbühne in der knappen Zeit gelang bis auf einige kleinere räumliche Abstimmungsprobleme reibungslos. Und so konnten sich die sichtlich gelösten Darsteller beim Schlussvorhang über die eindrucksvolle Premiere wohl mindestens ebenso freuen, wie ihre Charaktere über ihren Abschluss.
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