Oberpfalznetz.de > Nachrichten > Kultur > Von Watalinkas, Walenkis und Waldwiesen

Von Andrea Prölß  |  03.08.2005  | Netzcode: 10751074  |  181 Mal gelesen.
Wurz

Von Watalinkas, Walenkis und Waldwiesen

Begeisterungsstürme für das russische Ensemble "Exprompt" bei den Wurzer Sommerkonzerten

"Wie sieht aus russische Wiese?" Ehrlich gesagt, wir wissen es immer noch nicht. Aber "wie hört an sich russische Volksmusik", das weiß man seit dem jüngsten Wurzer Sommerkonzert ganz genau.

Vor Temperament berstend, voll glühender Leidenschaft und dann wieder so unendlich traurig. So traurig, als ob an diesem friedvollen, heiter sonnigen Sonntagnachmittag aller Weltschmerz über den idyllischen Wurzer Pfarrhof hereinbricht und - Schopenhauer lässt grüßen - man einfach nur ein bisschen mitweinen möchte.

Mitweinen zu russischer Volksmusik, die von "Watalinkas", "Walenkis" und "Waldwiesen" erzählt. Und von Liebe, die, wie könnte es anders sein, sich nicht erfüllt. Über 3000 Kilometer waren sie von ihrer Heimat entfernt, das vierköpfige Ensemble "Exprompt" aus Nordrussland, nahe an der Grenze zu Finnland.

Mit Balalaika, Domra (das Lexikon sagt: Langhalslaute mit bauchigem Corpus und drei Drahtsaiten), Bajan (Knopfakkordeon) und Kontrabass-Balalaika begeisterten sie vom ersten Ton an. Ob originale Volksmusik, Bearbeitungen klassischer Werke wie Alfred Schnittkes "Suite im alten Stil" oder "Weltmusik" von Django Reinhardt, Maurice Jarre und Astor Piazolla. Eine geschickte Programmauswahl, doch im Grunde genommen hätten sie spielen können, was sie wollen. Wenn vier "Vollblutmusiker" - und wie könnte man sie anders benennen! - Lust haben, miteinander zu musizieren, dann passt und stimmt alles. Ob nun "Walenki" (Filzstiefel!) einfach nur Weihnachtslied oder doch eher "erotisches" Volkslied ist, das weiß auch Balalaika-Spieler und Moderator Alexei Kleschtschenko nicht so genau zu entscheiden. Es bleibt der Fantasie des Hörers überlassen, ob er nur stampfende Filzstiefel im Schnee oder anderes hören will.

Und wenn Olga Kletschtschenko mit ihrer Domra und melancholischem Blick gen Himmel Melodien aus Rossinis "Barbier von Sevilla" anstimmt, Michael Totski eben diesen - nicht ohne gewisse schauspielerische Begabung - auf dem Knopfakkordeon seine berühmte "Kavatine" singen lässt, sich mit berauschend virtuosem Akkordeonspiel in die fulminante Stretta stürzt und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißt, dann, ja dann ist man davon überzeugt, dass im tiefsten Winkel der russischen Seele zugleich etwas Südländisches steckt, dass die Rede von der Universalität der Musik keine Floskel ist.

"Wollen Sie, dass wir eine Zugabe spielen?" Die wohl unsinnigste und überflüssigste Frage des Abends, die vom Publikum mit donnerndem, kaum enden wollenden Applaus "bestraft" wurde.


Heute

Walderbach

Berührende Musik an einem perfekten Abend

Auftakt zur "Klassik am Regen": Konzert mit "Echo"-Bratscher Nils Mönkemeyer und Pianistin Elena Nesterenko

In einem gut gefüllten Saal ein anspruchsvolles Programm zu spielen und zu hören - das wünschen sich Künstler und Zuhörer gleichermaßen. Und genau dieser Wunsch ging am Dienstagabend im Barocksaal mehr...

Berlin/München

Eine höllisch heiße Kartoffel

Ausladung und Planänderung: Der Literaturbetrieb tut sich schwer mit Thilo Sarrazin

Die deutsche Buchwelt tut sich zunehmend schwer im Umgang mit dem umstrittenen Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin. So ist der Provokateur am Montag vom Internationalen Literaturfestival in Berlin mehr...

Schwandorf/Fronberg

Malerei, Märchen und magische Klanglandschaften

Das Oberpfälzer Künstlerhaus präsentiert Herbstprogramm mit Ausstellungen, Musik und Lesung

Nach der Sommerpause öffnet das Oberpfälzer Künstlerhaus dieser Tage wieder seine Pforten: Bunt gemischt zeigt sich das Veranstaltungsprogramm in der Fronberger Kebbelvilla, das von Ausstellungen, mehr...

Venedig

Schwarzer Schwan flattert am Lido

Regisseur Darren Aronofsky ("The Wrestler") zeigt beim Filmfestival in Venedig seinen neuen Film "Black Swan"

Vor zwei Jahren nahm Darren Aronofsky den Goldenen Löwen für "The Wrestler" mit nach New York - jetzt eröffnet der junge Regisseur das Festival am Lido und geht damit erneut in den Wettbewerb um die mehr...
Gestern

Regensburg

"Kunst ist Krieg und Künstler sind Soldaten"

Kunstverein GRAZ beschäftigt sich mit der Moderne und der Zukunft der Kunst

Masaccio hielt sich für einen modernen Künstler, aber das hier wäre wohl selbst ihm zu viel gewesen: Die "Vertreibung aus dem Paradies", von dem Renaissancekünstler einst in revolutionärer mehr...

Berlin

"Gefangennahme Christi" daheim

Beschlagnahmtes Caravaggio-Gemälde wieder an Ukraine übergeben

Ein in Odessa geraubtes und in Berlin beschlagnahmtes Caravaggio-Gemälde ist am Montag in Berlin offiziell an die Ukraine zurückgegeben werden. Fahnder hatten das Bild im Juni in einer spektakulären mehr...
Zum Artikel: Programm mit neuen Spielorten und neuen Ideen

Weiden

Programm mit neuen Spielorten und neuen Ideen

Künstlerische Rundumversorgung in Weiden: Das Landestheater Oberpfalz präsentiert vollgepackten Herbst-/Winterspielplan

Sechs große Theaterabende in der Max-Reger-Halle, drei Kammerspiele in der Regionalbibliothek, flottes Kindertheater, die regionale Reihe "Wir von hier" sowie altbewährte und neue Spielorte wie das mehr...