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Von Andrea Prölß  |  03.08.2005  | Netzcode: 10751074  |  348 Mal gelesen.
Wurz

Von Watalinkas, Walenkis und Waldwiesen

Begeisterungsstürme für das russische Ensemble "Exprompt" bei den Wurzer Sommerkonzerten

"Wie sieht aus russische Wiese?" Ehrlich gesagt, wir wissen es immer noch nicht. Aber "wie hört an sich russische Volksmusik", das weiß man seit dem jüngsten Wurzer Sommerkonzert ganz genau.

Vor Temperament berstend, voll glühender Leidenschaft und dann wieder so unendlich traurig. So traurig, als ob an diesem friedvollen, heiter sonnigen Sonntagnachmittag aller Weltschmerz über den idyllischen Wurzer Pfarrhof hereinbricht und - Schopenhauer lässt grüßen - man einfach nur ein bisschen mitweinen möchte.

Mitweinen zu russischer Volksmusik, die von "Watalinkas", "Walenkis" und "Waldwiesen" erzählt. Und von Liebe, die, wie könnte es anders sein, sich nicht erfüllt. Über 3000 Kilometer waren sie von ihrer Heimat entfernt, das vierköpfige Ensemble "Exprompt" aus Nordrussland, nahe an der Grenze zu Finnland.

Mit Balalaika, Domra (das Lexikon sagt: Langhalslaute mit bauchigem Corpus und drei Drahtsaiten), Bajan (Knopfakkordeon) und Kontrabass-Balalaika begeisterten sie vom ersten Ton an. Ob originale Volksmusik, Bearbeitungen klassischer Werke wie Alfred Schnittkes "Suite im alten Stil" oder "Weltmusik" von Django Reinhardt, Maurice Jarre und Astor Piazolla. Eine geschickte Programmauswahl, doch im Grunde genommen hätten sie spielen können, was sie wollen. Wenn vier "Vollblutmusiker" - und wie könnte man sie anders benennen! - Lust haben, miteinander zu musizieren, dann passt und stimmt alles. Ob nun "Walenki" (Filzstiefel!) einfach nur Weihnachtslied oder doch eher "erotisches" Volkslied ist, das weiß auch Balalaika-Spieler und Moderator Alexei Kleschtschenko nicht so genau zu entscheiden. Es bleibt der Fantasie des Hörers überlassen, ob er nur stampfende Filzstiefel im Schnee oder anderes hören will.

Und wenn Olga Kletschtschenko mit ihrer Domra und melancholischem Blick gen Himmel Melodien aus Rossinis "Barbier von Sevilla" anstimmt, Michael Totski eben diesen - nicht ohne gewisse schauspielerische Begabung - auf dem Knopfakkordeon seine berühmte "Kavatine" singen lässt, sich mit berauschend virtuosem Akkordeonspiel in die fulminante Stretta stürzt und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißt, dann, ja dann ist man davon überzeugt, dass im tiefsten Winkel der russischen Seele zugleich etwas Südländisches steckt, dass die Rede von der Universalität der Musik keine Floskel ist.

"Wollen Sie, dass wir eine Zugabe spielen?" Die wohl unsinnigste und überflüssigste Frage des Abends, die vom Publikum mit donnerndem, kaum enden wollenden Applaus "bestraft" wurde.


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