Püchersreuth/Wurz
Charmante Virtuosität am Konzertflügel
Vierzehnjähriger Ausnahme-Pianist Mark Ehrenfried begeistert in Wurz sein Publikum
"Mal seh´n wie´s jetzt eigentlich weiter geht!" sagte der Pianist mit einem spitzbübisch-charmanten Grinsen in den Raum und zog ganz ruhig einen Spickzettel aus der Frackhosentasche. Zu diesem Augenblick, nach dem blumigen ersten Satz aus Bachs "Italienischem Konzert" und dessen populärsten Orgelwerk, der Toccata und Fuge d-Moll, hatte der gerade vierzehnjährige Mark Ehrenfried seine 50 Zuhörer im Marstall des alten Pfarrhofs schon zu seinen Fans gemacht."Das ist ja Wahnwitz!"
Bravos und Wows, staunendes Kopfschütteln, Getuschel und Ausrufe ("Das ist ja Wahnwitz!") begleiteten das schwierige Programm des zweiten Konzerts des 18. Wurzer Sommers, das vom Interpreten auswendig und selbstbewusst vorgetragen wurde.
Die Bezeichnung "Wunderkind" mag Mark Ehrenfried überhaupt nicht. Dabei ist dem Berliner offensichtlich ein außerordentliches Talent zugefallen, das ihn schon als Dreijährigen magisch ans Klavier zog, ihn schon als Achtjährigen in der Öffentlichkeit und vor TV-Kameras bestehen ließ, dann aber durch viel Fleiß und gute Ausbildung gut gefördert wurde - und keine Wunder. Die magnetische Anziehungskraft des Flügels auf den Pianisten spürt der Konzertbesucher auch in Wurz: Applaus wird von Mark Ehrenfried freundlich, mit höflichen Verbeugungen nach allen Seiten entgegengenommen, doch eigentlich stören diese Beifallsbekundungen ihn nur: Mark Ehrenfried möchte spielen, Klavier spielen, sich über die Tasten seiner Umgebung mitteilen, verfügt dabei über saubere Präzision in höchstem Tempo, großer dynamischer Farbigkeit und - für sein jugendliches Alter - bemerkenswert tiefgründigen Ausdruck.
Heiteres Licht funkelt in seinen Läufen und Arpeggien in Dur, würdevoller Ernst trägt durch die Moll-Passagen. Ehrenfried modelliert vier Sonaten von Scarlatti zu kleinen Kostbarkeiten. Oberflächlichkeit oder Belangloses ist in keinem Takt zu bemerken.
Der Pianist kneift auch nicht beim entsetzlich schwierigen dritten Satz von Beethovens "Mondscheinsonate" ("Das dauert jetzt etwas länger - is ja ´ne Sonate!" so seine Ankündigung). Er arbeitet sich über eine kraftzehrende Folge von "Ohrenschmankerln" wie Rimsky-Korsakows bedrohlich in Hochfrequenz-Anschlag summendem "Hummelflug", Beethovens lebhaft gezeichneter "Wut über den verlorenen Groschen", einem elegant verführerischen Rachmaninov und Schuberts beliebtem Impromptu As-Dur mit unbändiger Spielfreude auf Chopin zu: Und hier verblüffte Ehrenfried restlos. Die Revolutionsetüde wird zum rauschenden Fanal, noch übertroffen von drei weiteren der 27 berüchtigten Konzertetüden.
"Jetzt wird's richtig laut"
Bei opus 12 bekundet der Musiker seinen nah am Flügel sitzenden Zuhörern aufrichtiges Mitleid mit einem "Jetzt wird`s richtig laut!" Und das Werk sprengt den Rahmen, auch in den hinteren Reihen ringt man verblüfft nach Atem.
Zuvor hatte bei Griegs drollig-groteskem "Zug der Zwerge" Mark Ehrenfried den Kammermusikflügel auch schon zu einem Zwerg degradiert. Der Pianist gehört trotz seiner Jugend an drei Meter lange schwarze Ungetüme, die er als heranwachsender Tastenlöwe zu zähmen weiß. Schön, dass man Mark Ehrenfried in Wurz so privat begegnen durfte. Wer Mark Ehrenfried verpasst hat, kann den jungen Berliner am 12. November bei einem Konzertabend im Rosenthal-Theater Selb kennenlernen.
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