Wurz
Licht und Schatten zum Auftakt
Moyzes-Quartett und Pianist Christop Soldan eröffnen Wurzer Sommerkonzerte
Joseph Haydns Streichquartett B-Dur eröffnete die diesjährigen Wurzer Sommerkonzerte. Gleich zu Beginn, ein tonmalerischer "Sonnenaufgang", so der Untertitel von Haydns opus 76/4, der in ironischer Weise auf das einzige, aber doch gravierende Manko dieser Auftaktveranstaltung verwies. Da konnte Stanislav Mucha vom Moyzes-Quartett seinen Geigenton noch so andächtig empor steigen lassen, es half alles nichts. Die "Widmungsträgerin" des Haydn'schen Spätwerks blinzelte nur kurz und unterkühlt durch den grauen Wolkenvorhang um sogleich verschnupft wieder von dannen zu ziehen.Ebenfalls verschnupft, doch präsent und in bester Festivallaune hat die gesundheitlich angeschlagene Veranstalterin Dr. Rita Kielhorn deshalb das Eröffnungskonzert ins Innere des ehemaligen Marstallgebäudes verlegt. Kein Problem für das erfahrene Stammpublikum. Dicht gedrängt verfolgte man beschirmt von historischen Gewölbedecken einen musikalischen Sonnenaufgang, tonmalerisch serviert vom Moyzes-Quartett, das bereits vor einem Jahr im Wurzer Pfarrhof musizierte. Nicht nur Haydns unkonventionelle Kopfsatzeröffnung, sondern auch der fantasiehafte Adagio-Satz, das fokloristisch eingefärbte Menuett und der finale Rondo-Satz wurden vom Moyzes-Quartett souverän wiedergegeben. Höhepunkt dieser Auftaktveranstaltung hätte Mozarts Klavierkonzert A-Dur in der von ihm selbst hinterlassenen Fassung für Streichquartett werden können. Intimes, kammermusikalisches Ausleuchten und Ausmusizieren von Rokokko-Melodik anstelle von Konzertsaal füllender Klangbrillanz. Eine Chance, die Pianist Christoph Soldan jedoch nicht zu nutzen wusste. Mit großem Ton und wenig Rücksicht auf die räumlichen und akustischen Gegebenheiten forderte er das Moyzes-Quartett zum konzertanten Wettstreit, statt zum intimen Dialog. Dass Soldan auch anders kann, bewies er in der anschließenden Zugabe, einem Adagio-Satz, von Mozart für Glasharmonika komponiert. In sich gekehrtes, fein ausgelotetes Mozart-Spiel, von dem man gerne noch mehr gehört hätte.
Nach der Pause ließ das Moyzes-Quartett den Abend mit dem romantisch verhangenen "Nocturno" ihres slowakischen Landsmannes Jan Levoslav Bella und Dvoráks berühmten Streichquartett F-Dur ausklingen. Einprägsame Melodik, ob nun "Amerikanisch" oder doch eher der tschechischen Volksmusik entlehnt, vom Moyzes-Quartett frisch und frei von aufgesetzter Sentimentalität musiziert. Für den herzlichen Applaus bedankte man sich unter anderem mit einem Werk von Namensgeber Alexander Moyzes.
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