Oberpfalznetz.de > Nachrichten > Kultur > Hirschau spielt seine Hirschauer Stückln

Von (msc)  |  25.07.2005  | Netzcode: 10746355  |  521 Mal gelesen.
Hirschau

Hirschau spielt seine Hirschauer Stückln

Erfolgreiche Uraufführung des historischen Freilichtfestspiels

Hirschau. (msc) Kreuzträger, Blasmusik, Geistlichkeit, Jungfrauengesangverein und das Volk formieren sich zum Leichenzug. Mit dem Ende fängt man an in Hirschau. Hier ist die Bauernschläue der Bevölkerung, mit der

hirschau 18
Kreuzträger, Blasmusik, Geistlichkeit, Jungfrauengesangverein und das Volk formieren sich zum Leichenzug. Mit dem Ende fängt man an in Hirschau. Hier ist die Bauernschläue der Bevölkerung, mit der sie sich und andere gern auf den Arm nimmt, ja geradezu sprichwörtlich bekannt. Hier wird Licht in das Rathaus ohne Fenster getragen, wenn beim Bau die Fenster vergessen wurden, und ahnungslose Gäste schickt man mit Kerze und Sack zum Älwertritscherlfangen.

Viele solcher lustigen und bizarren Hirschauer Stückln sind überliefert. Jetzt haben die Hirschauer sich auf ihre ganz besondere Tradition besonnen und ein Theaterstück daraus gezimmert - oder besser: zimmern lassen von Katrin Klewitz. Am Freitag war Uraufführung vom "Hirschauer Stückl". Die Autorin ist eine erfahrene Theaterfrau mit abgeschlossener Schauspielausbildung. Sie platzierte die Geschichte ins Biedermeier.

Beschauliche Zeiten



Die Zeiten sind beschaulich, behaglich und bequem. Jeder kennt jeden. Alles hat seinen festen Platz und seinen gemütlichen Gang. Bis ein Großstädter als Ballonfahrer in Hirschau landet und für einige Unruhe sorgt. Der Fremde, Herr Buche, erbt das Anwesen einer verstorbenen Verwandten in Hirschau. Nun plant er große Projekte im kleinen Städtchen. Mit List und Fantasie widersetzen sich die Bürger.

Der Fremde hat auch eine Tochter: Annemarie. Die ist dem Papa nachgereist und findet es in dem Landstädtchen viel schöner als in der Großstadt. Sie verliebt sich in den jungen Bauleiter Sebastian. Intrigen werden gesponnen, Streiche ausgeheckt, eine Liebesgeschichte bahnt sich an. So weit die Rahmenhandlung, die Raum gibt für die Hirschauer Schelmenstücke.

Eine Mixtur aus Volks-, Historien- und Bauerntheater bringen 80 Laiendarsteller vor einer grandiosen Kulisse dar. Die Südseite des Schlossareals mit dem Pflegschloss und der alten Mälzerei im Hintergrund bietet den Rahmen für die Freiluftaufführung. Fledermäuse fliegen ganz ohne Regieanweisung, aber wirkungsvoll durchs Bild, Glocken vom nahen Kirchturm läuten, Lichttechnik bringt altes Gemäuer zum Strahlen.

Strahlend ist auch der Auftritt der Schauspieler. Bis auf ganz wenige kommen sie aus Hirschau und Ehenfeld. Vertreten sind alle Berufe. Die Hauptrolle übernimmt zum Beispiel ein EDV-Fachmann, der vorher nie Ambitionen auf das Theaterspielen hatte. Er erweist sich als großes Talent wie so viele, die ganz herrliche Charaktere zeichnen: die resolute Wirtin, die Wasser nur in Eimern serviert, das sanfte Töchterchen Annemarie, das schon mal einen Kreischanfall bekommen kann, Martin, der Stotterer, der immer für Lacher sorgt, und Frau Wilhelm, die mit ihrem Affen wie Witwe Bolte durch die Szene schleicht.

Schutenhut, Schiebermütze, Schleifenhaube und Schneckerlfrisur, Kutsche, Kuh, Ziege, Pferde und Tauben skizzieren vortrefflich das Bild von "ländlicher Einfalt und dörflicher Idylle". Die zauberhaften Kostüme und das gelungene Bühnenbild von Andreas Arneth runden den Eindruck perfekt ab. Schwerstarbeit hatte Regisseurin Yvonne Brosch zu leisten. Die große Bühne mit Leben und Lebendigkeit zu füllen, skurrile Geschichten in verständlichen Bildern zu erzählen, eine Liebesgeschichte zu spinnen und die Spannung bis zum Schluss zu halten, das war die Aufgabe für einen Herkules. Und das hat sie nicht ganz geschafft.

Viele witzige Szenen



Einige Gags und Einfälle blieben unbemerkt, weil sie im "stummen Winkel" passierten, während das Redetheater an einer anderen Ecke passierte. Andere lustige Passagen, wie die Fahrt mit dem Schubkarren nach Amberg, konnten jedenfalls auf den hinteren Plätzen nicht beobachtet werden. Etwas unverständlich blieb auch die Schlussszene. An einigen Ecken und Enden sollte also noch gerafft und gestrafft werden, sollten Besonderheiten mehr in den Vordergrund geschoben werden, wie anno dazumal das Hirschauer Rathaus. Da herrschten buntes Treiben und Temperament! Viele witzige Szenen begeisterten, wie der Leichenzug mit den Falschsängerinnen, die Kutschfahrt, die Leiterszene, das Lichteinfangen oder die Kurierpost per Brieftauben. Auf jeden Fall sind die Hirschauer für dieses Hirschauer Stückl zu beglückwünschen. Das große Engagement, die Begeisterung, der Eifer waren beeindruckend. Der Anfang für eine erfolgreiche Freilicht-Festspielkarriere mit dem "Hirschauer Stückl" ist gemacht!

Weitere Aufführungen sind am 27. und 29. Juli sowie am 3., 5. und 6. August, jeweils um 20.30 Uhr. Karten und Information unter Telefon 09622/ 718773, Fax 09622/81715, E-Mail: karten@festspielverein-hirschau.de

Weitere Informationen im Internet:

www.festspielverein-hirschau.de

Bildergalerie:

Sehen Sie hier
63 Bilder
hirschau 1 hirschau 2 hirschau 3 hirschau 4
Hirschau. (msc) Die Hirschauer Stückln gibt es ja schon lange. Aber erst jetzt macht sich die Stadt daran und arbeitet die lustigen Streiche und Begebenheiten auf. Dramatisch, kulturell, historisch, kulinarisch, literarisch oder satirisch werden sie durchleuchtet und mit Fantasie und Feuereifer im Freilichtfestspiel "Hirschauer Stückl" nachgespielt. Weit über einhundert Akteure machten die bestens besuchte Uraufführung am Freitagabend zum Erfolg. (Bilder: Steinbacher)
von der Premiere!

zum Thema

Hirschau zeigt das "Hirschauer Stückl"

Die Hirschauer Stückln sind legendär. Am Freitag feierte der Festspielverein in Hirschau im Kreis Amberg-Sulzbach die Uraufführung des "Hirschauer Stückls", eines Freilichtspiels über Bauernschläue mehr...

Hirschau

Die Aufführung ist "voll süß"

Die Besucher zeigen sich sehr angetan vom "Hirschauer Stückl" - Eine Traumkulisse

Es ist wirklich eine Traumkulisse für das Spiel "Hirschauer Stückl". Die Südseite des Schlossareals mit dem Pflegschloss und der alten Mälzerei im Hintergrund bietet einen grandiosen Rahmen für die mehr...

Hirschau

Hinter jeder Ecke lauert ein Schelm

Zuschauer haben was zu lachen bei Premiere vom "Hirschauer Stückl" - Lustige und listige Streiche

Die Hirschauer Stückln gibt es ja schon lange. Aber erst jetzt macht sich die Stadt daran und arbeitet die lustigen Streiche und Begebenheiten auf. Dramatisch, kulturell, historisch, kulinarisch, literarisch oder satirisch werden sie durchleuchtet und mit Fantasie und Feuereifer im Freilichtfestspiel "Hirschauer Stückl" nachgespielt (siehe auch Seite 16). mehr...
Heute
Zum Artikel: "Genial, schwindelerregend und verdammt schwer!"

Weiden

"Genial, schwindelerregend und verdammt schwer!"

Der schwedische Geiger Ulf Wallin über Max Regers anspruchsvolles und selten aufgeführtes Violinkonzert A-Dur

In der Reihe der "Weidener Meisterkonzerte" kommt am 10. Februar (20 Uhr) Max Regers Violinkonzert A-Dur zur Aufführung. Interpreten sind der schwedische Geiger Ulf Wallin und das Münchner mehr...

Madrid

Letzter Vertreter der künstlerischen Avantgarde

Ständige Suche nach der Perfektion: Mit 88 Jahren ist der spanische Maler Antoni Tàpies gestorben

Antoni Tàpies war jeden Morgen aufgestanden mit der Hoffnung, das "perfekte Bild" zu malen. Auf diese Weise schuf der spanische Maler, der am Montag im Alter von 88 Jahren in seiner Heimatstadt mehr...
Gestern

Regensburg

Antikes Feuer und Neue Sachlichkeit

Ausführende brillieren in "Elektra" am Theater Regensburg - Inszenierung nicht restlos überzeugend

Die 1909 uraufgeführte Oper "Elektra" aus der Feder von Richard Strauss nach dem Libretto von Hugo von Hofmannsthal stellt nicht gerade geringe Anforderungen an das Orchester und die Bühnenakteure. mehr...

Sulzbach-Rosenberg

Schmidt, Kafka, Mühsam und der Beat

Literaturhaus leistet mit Frühjahrsprogramm Beitrag zur Wiederauferstehung großer Figuren der Literaturgeschichte

Ob da Magie im Spiel ist? Oder ist es nur der Frühling? Jedenfalls wird das Programm im Literaturhaus Oberpfalz für die kommenden Monate einen gewaltigen Beitrag zur Wiederauferstehung von Figuren mehr...
Zum Artikel: Schon zu Lebzeiten ein absoluter Superstar

Frankfurt/Main

Schon zu Lebzeiten ein absoluter Superstar

Ein Vielschreiber - Zum 200. Geburtstag des englischen Schriftstellers Charles Dickens

Er wollte mehr: Ein Löffel Haferschleim war dem Waisenknaben Oliver Twist zu wenig. Auch sein geistiger Vater, der englische Schriftsteller Charles Dickens (1812-1870), wollte stets mehr, selbst als mehr...