Oberpfalznetz.de > Nachrichten > Liebe zum Handy, Angst vorm Mast

Von Peter Klewitz  |  13.07.2005  | Netzcode: 10741788  |  387 Mal gelesen.
Regensburg

Liebe zum Handy, Angst vorm Mast

Volksbegehren will Baugenehmigung für alle Sendemasten - Netzbetreiber pochen auf Pakt

Regensburg. Es ist schon paradox. Auf sein Handy verzichten mag niemand im Freistaat. Manche hängen gar an ihrem Mobiltelefon wie ein Kranker am Tropf. Andererseits ist in keinem Bundesland die Angst vor der Strahlung von denMobilfunkmasten so groß wie in Bayern.

Mobilfunk
Rote Ampel für Mobilfunkmasten: Gibt es bald neue Regelungen für den Aufbau der Anlagen? (Bild: Alexander Unger)
Groß genug jedenfalls, dass sie ein Volksbegehren angestoßen hat, das freilich sehr zäh läuft. Die ÖDP will damit die verpflichtende Baugenehmigung für alle Mobilfunkmasten erreichen. Bisher brauchen die Netzbetreiber eine solche nur für Sender mit mehr als zehn Metern Höhe.

Die Umweltpartei argumentiert, das würde die Netzbetreiber veranlassen, niedrigere Masten zu errichten, um unbequemen Genehmigungsverfahren aus dem Weg zu gehen. Überall könnten diese Sendemasten stehen, vor Schulen, Kindergärten, Altenheimen.

ÖDP


Volksbegehren sind das Lebenselixier der ÖDP. Die kleine Umweltpartei ist nicht im Landtag vertreten, hat mit ihren Initiativen in direkter Demokratie jedoch mehrfach kräftig Einfluss auf die Landespolitik genommen. Der Werbeslogan: "Bayerns ÖDP - erfolgreicher als die rotgrüne Landtagsopposition". Der größte Triumph der Partei liegt mittlerweile sieben Jahre zurück. 1998 gelang es der ÖDP, den Bayerischen Senat durch ein Volksbegehren abzuschaffen. Zwar scheiterten die meisten Volksbegehren an der Zehn-Prozent-Hürde, doch erfolglos seien sie trotzdem nicht, argumentiert die ÖDP. Denn die Staatsregierung reagiere oft schon auf die bloße Drohung eines Volksbegehrens. So schreiben sich der Landesvorsitzende Bernhard Suttner und seine Parteifreunde weitere Erfolge auf die Fahnen: Die Staatsregierung habe neue Atomkraftwerke nicht ins Landesentwicklungsprogramm aufgenommen. Auch die Verkleinerung des Landtags von 204 auf 180 Sitze führt die ÖDP auf die Drohung eines Volksbegehrens zurück. Bei ihren eigentlichen Unterschriftensammlungen hatte die ÖDP in den vergangenen Jahren jedoch weniger Zuspruch als erhofft. Das bislang letzte ÖDP-Volksbegehren im Jahr 2003 gegen das Klonen von Embryonen stieß bei den Wählern auf geringes Interesse: Nur 2,3 Prozent trugen sich in die Unterschriftenlisten ein. diesem Frühjahr scheiterte ein geplantes Volksbegehren gegen hohe Politikerpensionen gleich in der Anfangsphase: Der Verfassungsgerichtshof stoppte das Vorhaben wegen rechtlicher Bedenken. Die ÖDP will sich nicht entmutigen lassen - getreu ihrem Motto: "Auch ein kleiner Reißnagel kann einen großen Hintern bewegen."
(dpa)
Erst beim Anrücken der Bautrupps würden die Betroffenen erfahren, dass nun auch sie rund um die Uhr einer Strahlung ausgesetzt seien, die bei niedrigeren Masten noch gefährlicher sei: Hier würden die elektromagnetischen Felder nämlich auch noch von den Gebäuden reflektiert. Außerdem seien die Grenzwerte "absurd hoch", wie ÖDP-Landesvorsitzender Bernhard Suttner formuliert.

Thema im Gemeinderat



Wenn das Volksbegehren die Zehn-Prozent-Hürde schafft, könnten die Gemeinden künftig Mobilfunksender in Wohngebieten und anderen kritischen Standorten rechtsverbindlich ablehnen. Der Bauantrag käme auf die Tagesordnung des Stadt- oder Gemeinderats und würde öffentlich erörtert, gegebenenfalls abgelehnt. Oder per Widerspruch durch die Nachbarschaft gekippt.

Genau dieses Argument bezeichnen die Gegner des Volksbegehrens als falsch. "Die Genehmigungspflicht besteht auch unter zehn Metern, wenn die rechtlichen Kriterien erfüllt sind", betont Heinz Donhauser (Amberg), Sprecher der CSU-Fraktion in Sachen Mobilfunk. Die "ökologische Randpartei" schüre diffuse Ängste vor Handystrahlen auf der Basis nicht belegter "quasi-wissenschaftlicher Untersuchungen". Auch die SPD unterstützt das Volksbegehren nicht, wie ihr Fraktionschef Franz Maget in Regensburg sagte. "Hier werden den Kommunen Steine statt Brot gegeben." Eine Verbesserung brächte eine deutliche Absenkung der Grenzwerte, nicht aber eine einheitliche Baugenehmigung für Sendemasten. Die Mobilfunkbetreiber in Bayern haben sich vor drei Jahren, als der Wirbel um die Sendemasten und die von ihnen ausgehende Gefahr am größten war, im Mobilfunk-Pakt verpflichtet, sich beim Festlegen eines Senderstandorts mit der betreffenden Kommune abzusprechen. Seitdem ist der Widerstand der Städte und Gemeinden viel geringer geworden: 2004 gab es bei 1290 neu aufgestellten Sendemasten nur in 91 Fällen (oder sieben Prozent) Widerspruch.

"Zahnloser Tiger"



ÖDP-Chef Suttner freilich zitiert den Präsidenten des Bayerischen Gemeindetags, Abensbergs Bürgermeister Dr. Uwe Brandl, der noch vor zwei Monaten den Pakt als "zahnlosen Tiger" bezeichnet habe. Jetzt lehnt der Gemeindetag das Volksbegehren ab, zu dem die ÖDP ein breites Bündnis mit den Freien Wählern, dem Bund Naturschutz, rund 116 Bürgerinitiativen und zahlreichen Ärzten und Apothekern zustande gebracht hat.

Die Netzbetreiber andererseits sind laut ihren Lizenzverträgen verpflichtet, bis Ende 2005 rund 50 Prozent der bayerischen Bevölkerung den UMTS-Empfang garantieren zu können. Dazu müssen sie neben den bereits stehenden gut 8000 Sendemasten weitere 1500 errichten. Im Mobilfunk-Pakt haben sie zugesagt, die Masten weitmöglichst gemeinsam zu nutzen.


Kein Strahlen bei der ÖDP


Amberg/Weiden. (we) Schwache Halbzeit-Bilanz: Für Mobilfunk- Volksbegehren haben sich bisher erst 1,68 Prozent der wahlberechtigten Bürger eingetragen. Die ÖDP nannte das Ergebnis am Dienstag "unbefriedigend". Vor allem eine "abgestimmte Desinformationskampagne von Umweltministerium und Mobilfunkindustrie" werde dafür verantwortlich gemacht. Mit einem "Kraftakt" soll nun die Wende geschafft werden. Nötig für ein erfolgreiches Volksbegehren wären 920 000 Unterschriften - zehn Prozent der Wahlberechtigten. In der Oberpfalz haben sich bisher 1,75 Prozent in die Unterschriftenlisten eingetragen. Spitzenreiter im Bezirk ist Ebermannsdorf (Kreis Amberg- Sulzbach) mit 11,96 Prozent. Die Eintragungsfrist endet am 18. Juli.

zum Thema

Schwandorf

Spärliche Unterstützung des Volksbegehrens

Stichpunktartige Nachfrage zeigt: Erst wenige Unterschriften in den Rathäusern

Das basisdemokratische Instrumentarium der Volksbefragung bis hin zum Volksentscheid scheint immer deutlichere Verschleißerscheinungen zu zeigen. Vor Jahren von der etablierten Politik noch mit mehr...
Zum Artikel: Microsite Commerzbank

Bayern im Blick

Roche eröffnet neues Forschungsgebäude in Penzberg

Penzberg (dpa/lby) - Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat im oberbayerischen Penzberg ein neues Forschungs- und Produktionsgebäude in Betrieb genommen. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, hat die Einrichtung etwa 140 Millionen Euro

Zum Artikel: Mit viel Elan gestartet

Weiden

Mit viel Elan gestartet

Medienhaus "Der neue Tag" begrüßt vier Auszubildende

Einen erfolgreichen Start ins Berufsleben wünschten Geschäftsführung und Verlagsleitung des Medienhauses "Der neue Tag", personell vertreten durch Andreas Holch und Reinhold Pöll, den mehr...
Zum Artikel: "Das Nervenkostüm liegt darnieder"

Weiden

"Das Nervenkostüm liegt darnieder"

SpVgg Weiden nach 0:1 gegen Stuttgarter Kickers Letzter - Viel Kampf, wenig Konstruktives

Dieses Ding will keiner haben, aber jetzt hängt die Rote Laterne der Regionalliga Süd erst einmal in Weiden. "Tiefer geht jetzt nimmer", sagte Trainer Günter Güttler nach der 0:1-Heimniederlage mehr...
Neues vom Sport

New York

Deutscher Tag in New York

Fünf Deutsche ziehen bei US Open in die zweite Runde ein

Die deutschen Profis werden bei den tropischen Tennis-Tagen von New York allmählich warm. Am Dienstag entledigte sich bei den US Open gleich ein Quintett mit Bravour seiner Auftakt-Aufgaben. mehr...
Artikel 1 von 2 zurück weiter
Zum Artikel: "Die Shisha ist meine Existenz"
Aus den Lokalteilen

Weiden

"Die Shisha ist meine Existenz"

Rauchverbot: Weidener reicht Klage ein - Vorläufig kein Bußgeld für Wasserpfeifen

Gaststätten, in denen die Gäste auch jetzt noch unbekümmert rauchen können? Eigentlich undenkbar, seitdem Anfang August das neue Nichtraucherschutzgesetz in Kraft getreten ist. Tatsächlich gibt es in Weiden jedoch weiterhin zwei Ausnahmen, bei denen die Stadt die Bußgeldverfahren - vorläufig - angehalten hat, wie Rechtsdezernent Hermann Hubmann erläutert: die beiden Shisha-Cafés. mehr...
Artikel 1 von 12 zurück weiter
Kultur

Walderbach

Berührende Musik an einem perfekten Abend

Auftakt zur "Klassik am Regen": Konzert mit "Echo"-Bratscher Nils Mönkemeyer und Pianistin Elena Nesterenko

In einem gut gefüllten Saal ein anspruchsvolles Programm zu spielen und zu hören - das wünschen sich Künstler und Zuhörer gleichermaßen. Und genau dieser Wunsch ging am Dienstagabend im Barocksaal mehr...
Zum Artikel: Respekt vor der Krone des Bergmischwaldes

Respekt vor der Krone des Bergmischwaldes

Eine Tour auf dem Baumwipfelpfad im Nationalpark Bayerischer Wald

Nach hundert Schritten auf den massiven Holzbohlen und dem ersten Blick über die Brüstung in die Tiefe schleicht sich unweigerlich die Frage in den Sinn: Haben die den Steg auch wirklich sicher mehr...
Zum Artikel: Mit den Affen "per Du"

Mit den Affen "per Du"

Die Forscherin Jane Goodall ist eine faszinierende Frau

Schimpansen kennen wir meist nur aus dem Zoo. Die Tierforscherin Jane Goodall aber hat jahrelang mitten unter ihnen gelebt, im Urwald in Afrika. Ganz nah dran! Sie wollte wissen, wie die Affen leben und wie sie sich verhalten. mehr...
Kultur

Regensburg

"Kunst ist Krieg und Künstler sind Soldaten"

Kunstverein GRAZ beschäftigt sich mit der Moderne und der Zukunft der Kunst

Masaccio hielt sich für einen modernen Künstler, aber das hier wäre wohl selbst ihm zu viel gewesen: Die "Vertreibung aus dem Paradies", von dem Renaissancekünstler einst in revolutionärer mehr...
Zum Artikel: Ewig lockt das Weib - aber wie am besten?

Ewig lockt das Weib - aber wie am besten?

Locker bleiben und geschickt die Signalwirkungen der Biologie nutzen

Brust raus und lächeln: Laut Experten braucht es für Frauen nicht viel mehr, um Männer auf sich aufmerksam zu machen. Denn hinter der Reaktion auf die weiblichen Reize steckt schlicht die Biologie. mehr...
Zum Artikel: 160 Jahre Klinikum Amberg
Zum Artikel: Lesben-Paar findet schwulen Mann

Amberg

Lesben-Paar findet schwulen Mann

Er zeugt für die Frauen und will für Kind auch Vater sein - "Klapperstorch" kommt ohne Anzeige aus

Der Klapperstorch ist noch nicht gelandet, aber er befindet sich in der Einflugschneise. Das lesbische Pärchen, das zu Jahresbeginn per Kleinanzeige in der AZ einen "Entwicklungshelfer" für seinen mehr...
Zum Artikel: Sunshine-Wochen 2010 300




Neue Gemeinschaftspraxis
Zum Artikel: Aus zwei mach eins

--Anzeige--

Aus zwei mach eins

Jana Hradcova und Manfred Thiem legen Physiotherapie-Praxen am Langen Steg zusammen

Von der Zusammenlegung können die Patienten nur gewinnen. mehr...
Zum Artikel: Erntedank Kastl
Zum Artikel: Oberpfälzer Service Champions
Zum Artikel: Optik Messner
Zum Artikel: Banner Bundesliga Tippspiel August 2010
Neue Bildergalerien
Zum Artikel: Wo ist die Brücke?

Wo ist die Brücke?

Radlerbrücke bei Tirschenreuth abgebaut

Bilder: Norbert Grüner mehr...
Galerie 1 von 48 zurück weiter
Zum Artikel: Döpfer Schulen August 10
Zum Artikel: Schulabgang 2010
Beilagen
Zum Artikel: Hundeschule Salostowitz

Aktuelle Börsenkurse

DAX (I) 6.094,50 +0,31%
TecDAX (I) 764,00 +0,96%
EUR/USD 1,2813 +0,07%
Zum Artikel: Gesund durch
Zum Artikel: Leser Fotowettbewerb
Zum Artikel: 200 neue Shops
Ein Service von
Rossmann Angebote und vieles mehr von kaufDA.de
Wetter in...
  • Wetterlage: 3
    Amberg
    19°C  |  4°C  |  mehr
Sonderthemen
Zum Artikel: Amio Partnerbörse 2010
dw2000.de Internet-Agentur Landkreis Cham (Oberpfalz/Ostbayern)