Von (rgr) |
07.04.2005
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Grafenwöhr
Grafenwöhr: NPD-Funktionär kauft Tennishalle
Anfang Juli soll antiamerikanisches "Kulturfest" stattfinden - Bürgermeister nicht begeistert
Grafenwöhr. (rgr) Die rechtsextreme NPD hat in Grafenwöhr eine Tennishalle erworben, die sie als Veranstaltungszentrum nutzen will. Anfang Juli will die Partei in dem von ihr als "National Befreite Zone Grafenwöhr" titulierten Ort ein antiamerikanisches "Kulturfest" organisieren.
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| Glatzköpfe vor der Tennishalle: Das Bild unserer Fotomontage könnte sich in Grafenwöhr bald öfter bieten. (Bilder: dpa/NT, Archiv) |
Der NPD-Bezirksverband Unterfranken bestätigte gestern, dass der Bezirksvorsitzende Uwe Meenen (auch Mitglied des bayerischen Landesvorstands) am Freitag, den 1. April, die ehemalige Tennishalle "mit notariellem Kaufvertrag" erworben habe. Die Halle stehe damit sowohl der Partei, aber auch "wohlwollenden Freien Kräften", für Veranstaltungen zur Verfügung. Zur Art der Veranstaltungen hieß es, Grafenwöhr werde damit zur "Stadt der Landesparteitage", eine offensichtliche Anspielung auf die Stadt Nürnberg, die im Dritten Reich als "Stadt der Reichsparteitage" bezeichnet wurde.
Feste für "Freie Kräfte"
Den angesprochenen "Freien Kräften" stehe die Halle für Konzerte und Feste zur Verfügung. Offenbar sind mit den "Freien Kräften" die neonazistischen "Kameradschaften" gemeint, wie etwa die Münchner Neonazis um Norman Bordin oder wie die vom bayerischen Innenministerium verbotene "Fränkische Aktionsfront" (FAF). Angehörige solcher Gruppen haben sich mehrfach als Gewalttäter hervorgetan.
Grafenwöhr ist einer der wichtigsten Standorte der US-Armee in Deutschland, der in näherer Zukunft weiter ausgebaut werden soll. Derzeit sind um den Truppenübungsplatz Grafenwöhr an zwei Standorten etwa 4500 Soldaten stationiert, davon in Vilseck etwa 3500 und in Grafenwöhr 1000. Bis zum Jahr 2008 soll eine weitere Brigade mit etwa 3500 Armeeangehörigen und 5000 Familienmitgliedern dazukommen. Am Standort Grafenwöhr besteht auch seit 1990 eine Unteroffiziersschule (NCO Academy) der US-Armee.
Um den Kauf der Tennishalle hatte sich in den vergangenen Monaten ein Tauziehen entwickelt, seit das Kaufinteresse der NPD bekannt geworden war. Der Besitzer hatte nach eigenen Aussagen die nicht mehr genutzte Tennishalle von sich aus der NPD angeboten; neben der Halle in Grafenwöhr hatte er der NPD auch noch eine Tennishalle im sächsischen Pappritz zum Kauf offeriert.
Seit die Verkaufspläne bekannt wurden, waren die Kommunalpolitiker alarmiert. Ende Februar hatte der Stadtrat eine Änderung von Flächennutzungsplan und Bebauungsplan beschlossen, womit das Gebiet um die Halle als Sondergebiet für "Erholung und Freizeit" festgeschrieben wurde. Damit sollte rechtsextremen Treffen und Veranstaltungen ein Riegel vorgeschoben werden. Noch Ende Februar war ein anderer Kaufinteressent genannt worden, der sich mit dem Verkäufer schon einig wähnte und in der Halle ein Kinderspielparadies einrichten wollte. Der Vorbesitzer, ein Unternehmer mit Wohnsitz in Dresden, hatte die Halle im November 1996 für 1,3 Millionen D-Mark ersteigert; er wollte damit seiner Tochter eine Trainingsstätte spendieren und ihr zu einer Tenniskarriere verhelfen. Damit wurde es jedoch nichts und die Halle stand bereits seit Jahren leer.
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| Der unterfränkische NPD-Bezirksvorsitzende Uwe Meenen. (Bild: Archiv) |
Einen Betrag in vergleichbarer Höhe wird die NPD kaum bezahlt haben. Zwischenzeitig hatte die Stadt Grafenwöhr versucht, mit einem Kaufangebot in Höhe von 100 000 Euro der NPD den Brocken wegzuschnappen. Darüber soll der Vorbesitzer jedoch nur gelacht haben; nach seinen Angaben hatte die NPD ihm 500 000 Euro geboten. Derartige Beträge wird der unterfränkische NPD-Bezirksvorsitzende Uwe Meenen, der auch führendes Mitglied der "Deutschen Akademie" von Horst Mahler ist, wohl kaum aus eigener Tasche vorgestreckt haben.
Verurteilung in Würzburg
Er war erst vor wenigen Tagen vom Amtsgericht Würzburg wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt worden.
"Die Tennishalle wurde nicht an die NPD, sondern an die Person Uwe Meenen verkauft", sagte am Mittwoch nachmittag Bürgermeister Helmuth Wächter. Dieser war ständig in Kontakt mit dem Unternehmer und bisherigen Besitzer der Halle, Wolfgang Jürgens. "Letzte Woche habe ich mit Herrn Jürgens telefoniert. Er hatte mich gefragt, ob es etwas Neues in Sachen Tennishalle gebe", erklärte Wächter. Als der Bürgermeister dies verneinte, meinte Jürgens: "Dann muss ich wohl an die NPD verkaufen". "Mit dem Verkauf der Tennishalle an Uwe Meenen ist keiner begeistert", so der besorgte Bürgermeister. "Es werden juristische Schritte unternommen und Rechtsbeistand wird eingeholt", so Wächter.
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