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Von (dpa)  |  22.02.2005  | Netzcode: 10680998  |  511 Mal gelesen.
Halle/Regensburg

Lügen die Nebra-Sterne doch?

Regensburger Professor will beweisen: Die 3600 Jahre alte Himmelsscheibe ist nicht echt

Halle/Regensburg. (dpa) Im Streit um die Echtheit der 3600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra muss jetzt das Landgericht Halle entscheiden. Ein Regensburger Archäologie-Professor will beweisen, dass die Scheibe eine dilettantische Fälschung ist.

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Die Himmelsscheibe von Nebra im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale: alles nur eine Fälschung? (Bild: dpa)
In dem bizarren Prozess treffen seit gestern Gegner und Befürworter der Echtheitsthese aufeinander. "Dass ein wissenschaftlicher Streit um einen archäologischen Fund in dieser Form vor einem Gericht ausgetragen wird, das ist schon sehr ungewöhnlich", sagt Gerichtssprecher Winfried Holthaus. Die Himmelsscheibe gilt als älteste konkrete

Das juristische Urteil über echt oder falsch des Sensationsfundes ist für die Angeklagten wichtig - in dem Berufungsprozess stehen eine 46-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann aus Nordrhein-Westfalen wegen Hehlerei mit der Himmelsscheibe und anderen Bronzegegenständen vor Gericht. Wenn das Gericht erklären sollte, die Himmelsscheibe sei falsch, könnte das Duo nach Auffassung der Verteidigung nicht mehr wegen Hehlerei mit einem bedeutsamen Kulturgut verurteilt werden. Allerdings hat für diesen Fall die Staatsanwaltschaft bereits eine Klage wegen Betruges im besonders schweren Fall angekündigt: Schließlich hätten dann die Angeklagten versucht, dem Landesarchäologen eine Fälschung für damals 700 000 Mark zu verkaufen.

Der Archäologie-Professor der Universität Regensburg, Peter Schauer, will erklären, dass die Scheibe eine dilettantische Fälschung ist, welche mit Hilfe von Urin, Salzsäure und einer Lötlampe innerhalb von drei Wochen hergestellt wurde. Allerdings sagte Schauer schon vor Gericht, dass er die Himmelsscheibe nie in den Händen gehalten hat. Der Landesarchäologe Harald Meller bezeichnet die Aussagen von Schauer als exotisch.

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Der Archäologie-Professor von der Universität Regensburg, Peter Schauer, am Montag im Landgericht Halle (Saale) während einer Verhandlungspause. (Bild: dpa)
Zugleich kündigte er weitere bislang unveröffentlichte Beweise an. "Diese Fakten werden absolut eindeutig die Fälschungsthese widerlegen", sagt Meller. Nach seinen Angaben haben bislang 18 Naturwissenschaftler in 22 Beiträgen oder Gutachten zweifelsfrei die Echtheit der Scheibe und den Fundort bestätigt. Die Verteidigung will in dem Verfahren auch beweisen, dass die Himmelsscheibe auf keinen Fall in Sachsen-Anhalt gefunden wurde, sondern aus dem Ausland, möglicherweise aus Osteuropa oder der Türkei, stammt.

Dagegen spricht ein umfangreiches Bodengutachten des Landeskriminalamtes Brandenburg. "Außerdem gibt es Spuren auf der Scheibe, die zweifelsfrei vom Hammer der Grabräuber stammen und mit den Hammerabdrücken im umliegenden Gestein des Fundloches völlig übereinstimmen", sagte Meller. "Ebenso haben die Ausgräber ihr seitenlanges schriftliches Geständnis vor Gericht eindeutig bestätigt."

Die bereits verurteilten beiden Grabräuber hatten die Scheibe zusammen mit einem Bronzeschatz 1999 entdeckt. Nach einer krimireifen Odyssee der Stücke konnte die Polizei im Februar 2002 bei einer fingierten Verkaufsaktion im Basler Hilton Hotel (Schweiz) den Schatz sichern und die Angeklagten festnehmen. Beiden wurden bereits 2003 zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie bestreiten aber jegliche Schuld und fordern in dem Berufungsverfahren Freispruch.


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