Oberpfalznetz.de > Nachrichten > Wie Schindler

Von (nm)  |  28.10.2004  | Netzcode: 10632745  |  771 Mal gelesen.
Flossenbürg

Wie Schindler

Flossenbürger erhält höchste Auszeichnung Israels

Flossenbürg. (nm) Ein Oberpfälzer darf in einem Atemzug mit Oskar Schindler genannt werden: Ebenso wie dem berühmten Fabrikanten, der hunderte Juden vor der Ermordung durch das Nazi-Regime gerettet hatte, wird Herbert Herden aus Flossenbürg (Kreis Neustadt/Waldnaab) der Titel "Gerechter unter den Völkern" verliehen.

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herden
Herbert Herden mit seiner Frau Ingeborg vor der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg. (Bild: Neumann)
Am 4. November überreicht ihm ein Vertreter der israelischen Botschaft in Berlin die Auszeichnung im Flossenbürger Rathaus. 383 Deutschen wurde diese Ehre bisher zuteil. Der von Yad Vashem seit dem Jahr 1963 verliehene Ehrentitel ist die höchste staatliche Auszeichnung, die ein Nicht-Jude erhalten kann. Beim Anforderungsprofil liegt die Messlatte hoch. Ausgewählt werden Menschen, die mit außergewöhnlichem Engagement verfolgten Juden halfen.

Herbert Herden zählt zu den wenigen Menschen in Deutschland - weltweit sind es rund 20 000 - bei denen die Kommission eine derartige Leistung würdigt. Wenige Monate vor dem 90. Geburtstag werden damit bei dem gebürtigen Aylsdorfer (Sachsen-Anhalt) Erinnerungen an schreckliche Zeiten wach. Yad Vashem erfuhr durch einen ehemaligen Häftling des KZ Flossenbürg von der Hilfsaktion. Er war mit Herden, der zusammen mit Ehefrau Ingeborg seit 1949 in der Grenzgemeinde lebt, bei einem Überlebendentreffen ins Gespräch gekommen.

Mindestens 20 Menschen



Leicht fällt es Herbert Herden nicht, sich die Zeit vor rund 60 Jahren wieder ins Gedächtnis zu rufen. Beim Gespräch mit unserer Zeitung muss er immer wieder inne halten, Rührung und Tränen unterdrücken: "Ich handelte als Christ. Es war für mich eine aus dem Glauben resultierende Verpflichtung, Menschen zu helfen."

Wie viele das genau waren, weiß er nicht mehr genau. Mehr als 20 seien es aber sicherlich gewesen, die den Krieg und insbesondere den Naziterror durch das Engagement überstanden hätten - Polen, Juden, Frauen, Kinder, Männer. Dabei war Herden aber eigentlich dem damaligen Staat verpflichtet, hätte eigentlich Loyalität mit dem Unrechtsregime zeigen müssen. Der heute fast 90-Jährige arbeitete damals im polnischen Krakau als Polizist und war dort im Nachrichtendienst eingesetzt.

Er nutzte seine Tätigkeit, die er weitgehend selbstständig ausüben konnte, nicht zuletzt für Kontakte zu Widerstandsgruppen. Das kam dann wiederum den Menschen zu Gute, denen er half, den Fängen der Nazis zu entkommen: "Einige versteckte ich darüber hinaus in der eigenen Wohnung." Nach sechs Jahrzehnten von Yad Vashem eine Auszeichnung zu bekommen, stelle irgendwie schon eine gewisse Genugtuung dar: "Die gibt es nur, wenn auch wirklich alles nachgeprüft wurde." Er wolle sich deswegen aber keineswegs in den Vordergrund drängen: "Es ging mir um die Menschen und um meine innere Stimme, die ich nicht überhören konnte."

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