Wurz
Pulsschlag der Renaissance
Hamburger Ratsmusik debütiert bei 17. Wurzer Sommer
Ein spätsommerlicher Sonntagnachmittag im alten Pfarrgarten. Die gelben Pflaumen sind - endlich - reif. Der Wind zaust an den Bäumen und lässt Blätter auf die 150 Konzertbesucher herniedersegeln. Die Theorbe und die Gambe tun das übrige, um alles Laute und Aufdringliche zu verbannen. Durch den Zauber von Shakespeares Texten und den original dazugehörigen Liedern und Tänzen wird der ruhigere Pulsschlag einer vergangenen Zeit spürbar, schenkt eine Erholungspause vom 21. Jahrhundert. Verantwortlich dafür waren die Gambistin Simone Eckert und der Lautenspieler Ulrich Wedemeier, die sich als "Hamburger Ratsmusik" mit dem Schauspieler Mario Freivogel beim 17. Wurzer Sommer erstmals in der Region vorstellten und restlos überzeugten.Bei der musikalisch-literarischen Reise zum Titel "Die heimlichen Feuer des Herzens" verschränkten sich schon beim ersten Shakespeare-Zitat, "Die ganze Welt ist eine Bühne...", Realität und Fiktion durch die gute Auswahl der bekannten Texte und ihre Bezüge zur Musik immer wieder: zum amüsanten (und meistens erfolgreichen) Ratespiel für die aufmerksamen Zuhörer wurden die im Wechsel mit der Musik, aber teilweise auch zu ihr, vorgetragenen Auszüge aus den großen Bühnenwerken ("Romeo und Julia", "Macbeth", "Wie es Euch gefällt", "Was Ihr wollt"...) und den kunstvollen Sonetten.
Freivogel gelang es durch hohe Sprechkunst und intensiven Ausdruck sein Publikum binnen weniger Sekunden an die jeweiligen Schauplätze zu versetzen, verwandelte den Pfarrgarten zum Zauberwald mit seinen Feen, Zwergen und Fabelwesen. Doch ohne die Musik wäre die Illusion nur halb geglückt: das Duo steht in der Tradition des Hamburger Stadtrats, der sich im 16. Jahrhundert standesbewusst acht Musiker leistete, um festliche Anlässe entsprechend ausschmücken zu können "zu Lust, Ergötzlichkeit und Nutz".
Die kostbare Gambe, die als Halsschmuck den geschnitzten Kopf König Davids trägt (geschaffen in Prag um 1740) wurde von Simone Eckert, die sich an der Schola Cantorum Basiliensis auf Alte Musik spezialisiert hat, zum schönsten Klang gebracht. Ihre kristallene, zerbrechliche Töne korrespondierte hervorragend mit den filigranen Netzen, die Ulrich Wedemeier an seiner vierzehnseitigen, langhalsigen Theorbe wob, um die Hits der Renaissance mit viel Rhythmusgefühl und feinen Nuancierungen vorzuführen: allen voran das unsterbliche "Greensleeves", aber auch den "Hexentanz" oder den "Sturm".
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